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EF - I Am Responsible

VN:F [1.9.22_1171]
Artist EF
Title I Am Responsible
Homepage EF
Label ATS RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.6/10 (9 Bewertungen)

Manchmal trifft man ganz unverhofft auf wahre Soundperlen. So ist es mir ergangen, als ich in völliger Unkenntnis der Band auf EF gestoßen bin. Die Herrschaften aus Göteborg habe ich im Rahmen eines – nennen wir es mal – instrumentalen Skandinavien-Abends im Gleis 22 kennen gelernt und war restlos begeistert von der Live-Performance der fünf Schweden, die experimentellen Indie machen, so dass auch die aktuelle Konserve „I Am Responsible“ näher beleuchtet werden muss!

Sechs Songs auf einem Silberling – das sieht auf den ersten Blick nach einer kurzen EP aus, wenn man dann jedoch liest, dass durchaus auch mal ein Stück ein Viertel Stündchen lang sein kann, wird schnell deutlich, dass hier jenseits gängiger Rockklischees gewerkelt wird. Wobei „werkeln“ es nicht wirklich trifft, das Quintett geht in seiner Musik geradezu auf und zelebriert sie. Zunächst baut „Soon“ die entsprechende Stimmung auf, wozu Streicher einen leisen Sprechgesang, der aus einem alten Lautsprecher zu kommen scheint, begleiten. Dem schließt sich nahtlos „Tva“ an, bei dem die Idee des ersten Titels aufgenommen und weiter ausgebaut wird. Den Instrumenten wird mehr Raum gegeben, dafür tritt der eh schon verhaltene Gesang noch weiter in den Hintergrund. Das Ganze verfügt über eine immense Spannung, die sofort gefangen nimmt. Ganz langsam kommt „Bear“ in Fahrt, wozu Drums und Gitarren ein Zwiegespräch aufnehmen, bevor das Cello besondere Highlights setzt. Wer bislang glaubte, langsame Musik sei langweilig, wird hier eindrucksvoll eines Besseren belehrt. Hypnotische Klänge wabern aus den Boxen und krallen sich im Bewusstsein fest, um den Hörer auf eine emotionale Klangreise mitzunehmen. Hier und da wird etwas Gesang hinzugefügt, im Grunde Lautmalereien, die ins Mikro gehaucht werden und endgültig verzaubern. Dem widerspricht in keiner Weise, dass die Lautstärke mit der Zeit zunimmt, dies gilt in gleichem Maße nur für die Intensität der Darbietung, die mit „Thrills“ nicht minder stark ausgeprägt ist. Auch hier finden die Stimmen der Protagonisten sparsame Anwendung, in erster Linie lassen EF ihre musikalischen Werkzeuge sprechen, wobei die Gitarrensaiten durchaus auch mit einem Geigenbogen bearbeitet werden. Wohlige Schauer laufen da den Rücken runter und angenehme Wärme breitet sich angesichts der tiefen Cellotöne in der Magengegend aus. Blinddarmreizungen sind bei „Appendix“ nicht zu befürchten. Stattdessen streicheln Trompete und Flüstervocals gemeinsam mit den Saiten die Seele, bevor mit „A Tailpiece“ zum finalen Gegniedel gerufen wird. Fast kann man die zwingende Atmosphäre, die sich im Verlauf der Aufnahmen zu „I Am Responsible“ aufgebaut haben muss, greifen. Und während die Musiker Tomas, Claes, Jonatan, Mikael und Niklas ausgepowert, aber glücklich die letzten Akkorde verklingen lassen, hat sich auch bei mir große Zufriedenheit breit gemacht.

Der Alltag ist für eine Stunde vergessen und die Akkus aufgetankt für den normalen Wahnsinn, der sich Leben nennt. Zuhören und genießen!

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