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EISBRECHER - Sünde

VN:F [1.9.22_1171]
Artist EISBRECHER
Title Sünde
Homepage EISBRECHER
Label AFM RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.8/10 (30 Bewertungen)

Nachdem die Crew um Checker Alexx auf dem Vorgängerwerk „Antikörper“ meines Erachtens ein wenig lahmte, wurde der alte Kahn nun wieder flott gemacht und mit einem hypermodernen Antrieb ausgestattet. Die Symbiose aus NDH-Riffs und Elektronik gelingt wieder mindestens so gut wie beim Debüt und gibt sich kompositorisch über die gesamte Spielzeit kaum Blößen. Dementsprechend wurde die Vorabsingle „Kann denn Liebe Sünde sein?“ auf dem M’era Luna auch nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, obwohl es sich hier eher um einen im Kontext schwächeren Titel handelt. Der verschleppte Refrain sorgt zwar für Aufmerksamkeit, ansonsten aber ein wenig träge das gute Teil. Sicher Geschmackssache, genau wie die verwendete Lyrik, die Genre-gemäß nicht alle Plattheiten umschifft. Die Vorliebe für Filmtitel ist allerdings geblieben, oder sind Namen wie „Komm Süsser Tod“ ganz einfach Zufall? Jedenfalls kann ich den gleichnamigen Streifen rund um die Abenteuer eines granteligen österreichischen Privatdetektivs nur empfehlen.

Ganz großes Kino ist sicherlich „This is Deutsch“, mit dem die Bajuwaren einen kommenden Clubhit in der schwarzen Szene fabriziert haben. Natürlich beeinflusst von Vorbildern wie AND ONEs „Deutschmaschine“ stampft und groovt sich dieser germanische Brecher direkt ins Kleinhirn. Die Bearbeitung von [:SITD:] verspricht zwar auf den ersten Blick mehr als schlussendlich gehalten werden kann, dennoch eine interessante Zusammenarbeit. „Heilig“ wiederum hat sich das Grundthema von PARADISE LOST („Erased“) „geborgt“. Dass allgemein die Elektro Elemente wesentlich schlüssiger eingesetzt werden, ist ebenso wenig von der Hand zu weisen wie die an ein paar Stellen akzentuiert eingesetzte Härte („Die durch die Hölle gehen“). Trotz aller vorgegebener Limitierungen erschaffen EISBRECHER immer wieder schöne Hooklines und überzeugen über weite Strecken mit erstaunlich intelligentem Songwriting. Natürlich ist Alexx’ sonore Stimme das Sahnehäubchen. ER ist das Aushängeschild der Formation, da gibt es keinen Zweifel, doch allein auf seine Präsenz kann der enorm angestiegene Erfolg gerade im Gothic Umfeld nicht zurück geführt werden. Etwas kritisch sehe ich allerdings, dass gleich 2 Songs den „Mythos“ Suizid in nicht ungefährlicher Weise glorifizieren. Der lebens- und sinnenfrohe Hüne selbst scheint mir diesbezüglich doch eher wenig in Gefahr. Ansonsten bestimmen natürlich wieder die Frauen das textliche Ambiente – mal als sinnliche Gefahr, mal als unerreichbare Femme Fatale.

Verglichen mit der zeitgleich erscheinenden OOMPH! (denen man hin und wieder soundmäßig recht nahe kommt) oder auch den Ex-Kollegen von MEGAHERZ haben EISBRECHER hier klar den Vogel abgeschossen. Ein Album nicht frei von Schwächen aber voller Dynamik, welches einem das sommerliche Cruisen im Privat-Cadillac so richtig versüßen wird. In dieser Form werden viele Konkurrenten zu Leicht-Matrosen degradiert.

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