Band Filter

EISREGEN - Blutbahnen

VN:F [1.9.22_1171]
Artist EISREGEN
Title Blutbahnen
Homepage EISREGEN
Label MASSACRE
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.3/10 (17 Bewertungen)

Viel los im Hause EISREGEN! Nachdem die langjährige Geigerin Theresa im Oktober 2006 die Band verlassen hatte, gab es Anfang diesen Jahres von der Bundesprüfstelle ausgehende Wirren um das 2004er Album „Wundwasser“ – welches mittlerweile dann auch auf dem Index gelandet ist. EISREGEN zeigen sich allerdings unbeirrt und legen mit dem neuen Album „Blutbahnen“ direkt nach.

„Blutbahnen“ erweist sich dabei stilistisch als überaus vielschichtig, jeder Song ist irgendwie anders: Neben dem so charakteristischen „Gesang“ von M. Roth findet seine Stimme auch recht häufig in einer cleanen Version Einsatz. Den Hörer erwarten wieder grandiose Melodiebögen – allerdings auch Songs, die aus dem traditionellen EISREGEN-Schema irgendwie herauspurzeln. Aber auch ohne Theresa verzichtet das Album nicht auf die charakteristischen Violinenparts, da selbige nunmehr von einer Sessionmusikerin eingespielt wurden. Dennoch ist die Violine nicht so dominant, wie man es von einigen anderen EISREGEN-Alben kennt. Wie sich das Line up in der kommenden Zeit nun entwickeln und ob die Sessionmusikerin einen festen Platz in der Band bekommen wird – all das wird sich vermutlich in nächster Zukunft offenbaren.

Wieder erzählen EISREGEN in ihren Songs kleine Anekdoten, in denen es dann natürlich auch mal nicht ganz so lecker zugeht, bspw. bei der düster-romantischen Liebeserklärung „Ein Hauch von Räude“. Mit „17 Kerzen am Dom“ bezieht sich die Band dann auf den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt von 2002. Diesen Titel finde ich allerdings stilistisch nicht so ansprechend, da die Erzählweise doch irgendwie zu trivial ist. Hätte mir irgendwie gewünscht, dass der Text mehr verschachtelt gewesen wäre und somit mehr Spielraum für Deutungen gelassen hätte. Das Titelstück „Blutbahnen“ ist sehr ruhig, fast schon eine Ballade, und wird ausschließlich mit cleaner Stimme gesungen – was ich in der Länge allerdings echt gewöhnungsbedürftig finde. Nichts desto Trotz ist das Lied irgendwie schaurig-schön ausgefallen. Mit „Frischtot“ und „Schlachthaus-Blues“ tue ich mich noch ein wenig schwer: Was ich an EISREGEN immer so geliebt habe, ist die typische, traditionelle Kombination aus Melodie und M. Roths unverkennbarer, BM-lastiger Stimme. Die genannten beiden Kompositionen sind da stilistisch ganz anders, hört’s euch einfach selber mal an.
Aber das Album hält auch absolute Perlen bereit, wie etwa den Opener „Eisenkreuzkrieger“. Gesanglich musste ich kurz an die ATROCITY-Version von „Tanz den Mussolini“ denken, falls ihr das noch kennt: M. Roth gibt seine ersten Textzeilen in einer eher abgehackten Aussprache zum Besten. Darüber hinaus geht es hier dann auch gleich schön melodiös und morbid los. Ebenso uneingeschränkt empfehlenswert sind „Alphawolf“ und „Im Dornenwall“, die mich sofort überzeugt haben. Und mit dem Titel „Zurück in die Kolonie“ ist der Band dann mal wieder ein absoluter Geniestreich gelungen! Ein Hammerteil! In guter alter EISREGEN-Manier geht es melodiös und zugleich kompromisslos zurück in die berühmt berüchtigte Krebskolonie. Musste meine Anlage unweigerlich sofort auf „Repeat“ stellen und habe seither immer noch nicht genug davon! Ein absolutes Schmankerl also auch gerade für all diejenigen, denen die neuere stilistische Entwicklung von EISREGEN nicht ganz zusagt.

Insgesamt ein tolles, wenn auch an einigen Stellen etwas ambivalentes Album, das jetzt bereits wieder Lust auf den bereits anvisierten Nachfolger „Knochenkult“ macht.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

EISREGEN - Weitere Rezensionen

Mehr zu EISREGEN