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ELISABETHA - Und Wirklichkeit erfüllt die Seele wieder

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Artist ELISABETHA
Title Und Wirklichkeit erfüllt die Seele wieder
Homepage ELISABETHA
Label BLACK ATTACK
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Meine wehrte ELISABETHA,

mit Freuden habe ich Ihr kleines Paket empfangen, welches ich an dem Fußende der steilen Treppe, welche zu meinem bescheidenen Gemach führt, vorfand. Neben Ihren trotz des düsteren Grundtons wärmenden Worten über die Inschrift am Grabe Graf Alexanders zu Sankt Magdalena habe ich dabei ganz besonderen Gefallen gefunden an Ihrem neusten Werk, welches Sie so freundlich waren der Sendung beizulegen, welchem ich ohne abzusetzen und in einem Zustand der feurigen Erregung gelauscht habe. Erlauben Sie mir nun, in aller Kürze, welche mir Ihr sicherlich wichtigeren Angelegenheiten verpflichteter Zeitplan gebietet, meine Gefühle diesbezüglich etwas näher zu erläutern.

Besondere Freude empfand ich bereits bei der Schilderung des von Ihnen angegangenen Projekts: Eine Sammlung thematisch verbundener Episoden mit einem ausgeprägten Hörspielcharakter. Birgt doch letzterer eine Magie, die in der heutigen Zeit selten geworden ist. Auf zehn Akte ist Ihr Werk ausgelegt und widmet sich der Schattenseite der Existenz, dem Dunklen und Schmutzigen, welches so oft leichtfertig auszublenden wir geneigt sind. Sie brechen eine Lanze für die Wesen der Zwischenwelt, die Untoten, welche sich über Jahrhunderte Verfolgung und Unverständnis ausgesetzt sahen. Eine faszinierende Welt ist es, die sie da schildern, meine verehrte ELISABETHA, doch möchte ich Ihnen, obwohl Sie dies in Ihrer Weisheit ganz gewiss bereits berücksichtigt haben, den Rat und die Warnung einer Kollegin mitgeben, Anna von SOPOR AETERNUS, welche die scheinbare Bemitleidenswertigkeit und auch Verführungskraft der Vampire als grausame Tarnung charakterisierte.
Doch lassen Sie uns zur Musik zurückkehren, denn diese ist Ihnen tatsächlich recht großartig gelungen: Industrielle Atmosphären, spartanische Arrangements, in denen das Grundgerüst des Metal auf ein Skelett aus Bass und Schlagzeug reduziert wurde, himmlische Chöre und das Läuten der Tempelglocken entführten mich wahrhaftig in eine neue, fremdartige Welt voller Geheimnisse. Durch den Einsatz verschiedenster Effekte klang ihre Stimme manchmal so tief wie die eines alten, weisen Mönchs, dann so krächzend wie die einer Hexe und gelegentlich ganz menschlich und dabei in der zur Schau gestellten Furcht, dennoch von einem finsteren Geheimnis erfüllt. Und darf ich Ihnen ganz besonders zu dem achtzehnminütigen „Das Totenschiff Demeter“ gratulieren, in welchem sich alle bereits genannten Zutaten sowie ein geradezu klassisches Klavier zu einem dichten Klangteppich verweben, der mich von Anfang bis Ende den Atem anhalten ließ.

Wie trefflich auch der Titel: Tatsächlich fühlte ich mich nach dem Akt des Hörens geläutert und erfüllte Wirklichkeit meine Seele wieder. Dennoch habe ich, meine liebste ELISABETHA zwei kleine Fragen zum Schluss: Da Sie bewusst und mit gutem Grunde auf den Einsatz einer Gitarre verzichten, warum verwenden Sie den Bass dann derart, dass er regelmäßig wie eine solche anmutet? Und: Da Ihr Opus einen ausgeprägten Hörspielcharakter aufweist, sollten die Texte nicht besser verständlich sein? Ungeachtet dieser Details und Nichtigkeiten danke ich Ihnen erneut für Ihre Klang gewordene Kreativität und verbleibe auf ewig Ihr treuer und ergebener Diener.

Hochachtungsvoll, Ihr

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