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EMMANUEL SANTARROMANA - Fab 4 Ever

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Artist EMMANUEL SANTARROMANA
Title Fab 4 Ever
Homepage EMMANUEL SANTARROMANA
Label PSCHENT
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Manchmal muss man sich im Leben entscheiden. Indianer oder Cowboy. Beides geht nicht. STONES oder BEATLES. Beides geht nicht. EMMANUEL SANTARROMANA hat sich entschieden. Für die BEATLES, wie man dem Albumtitel entnehmen kann. Eigentlich ist Emmanuel S. als DJ unterwegs. Sein erstes Studioalbum „Metropolitain“ veröffentlichte er 2002 und verband darauf urbane Ethno-Grooves mit jazzigen Impressionen. Und nun also die BEATLES und das nicht nur, weil seine Großmutter aus Liverpool stammt. „Ich habe als Jugendlicher viel BEATLES gehört; ich hoffe sehr, dass ich ihnen gerecht werde.“ Na, dass nehmen wir mal näher unter die Lupe. 12 Stücke der Pilzköpfe hat sich Emmanuel für seine ganz eigene Interpretation ausgewählt, dabei sind Klassiker und weniger bekannte Songs. Zäh ringen hat er müssen mit den Rechteinhabern, die nun letztlich ihren Segen zu Emmanuels Versionen gegeben haben.

Los geht es mit „Back in the USSR“ im Original erschienen auf dem legendären „weißen Album“ 1968. Was damals als Rock n Roll Smasher mit Surferattitüde und Fliegergeräuschen im Background aus den Boxen schallte, bekommt bei Santarromana einen sehr chilligen Touch. Ein bisschen Tempo raus, leicht funkiger Rhythmus, nette Bass-Akzente und ein relaxtes Gitarrensolo in der Mitte lassen auch hier Urlaubsfeeling aufkommen. Bei „Come together“, einem großen Hit vom Album „Abbey Road“ aus meinem Geburtsjahr 1969 bleibt Emmanuel sehr nah am Original. Doch den Gesangspart übernimmt mit leicht rauer Stimme Zita Lotis-Faure und sie intoniert die Zeilen wie eine Leopardin auf Beutezug, schleichend, fiebrig und lasziv. Sehr sexy! „Blackbird“, eine kleine „Ich-und-meine-Akkustikgitarre“-Perle allein von Paul McCartney eingespielt (ebenfalls vom weißen Album), behält zwar durch den klaren Gesang der französischen Schauspielerin und Komponistin Marie Payen seinen luftigen Grundcharakter, bekommt aber mit Ethno-Beats und warmen Elektro-Fieps mehr Drive und erinnert mich ein bisschen an eine ruhige KOSHEEN-Nummer. Schon oft gecovert, sicherlich hier eine sehr zeitgemäße Adaption. Es geht weiter mit „You’ve got to hide your love away“, das auf dem 1965er Album “Help” zu finden ist. Auch heute noch ein Klassiker für jede Fußgängerzone und auch bei Santarromana sehr folkig umgesetzt mit Schwerpunkt auf Gitarre und Gesang, leider etwas lascher und nicht so enthusiastisch wie das Original und ohne Lennons Flötenoutro.

Für die Promotion der zwölften BEATLES – Single „Paperback Writer“ aus dem Jahr 1966 wurden eigens zwei Filme gedreht – quasi die Geburtsstunde des Musikvideos. Während sich die Liverpooler beim Chorus im Falsett quälen (Der Sound der BEACH BOYS hatte seinerzeit schwer Eindruck auf die Jungs gemacht), ist die aktuelle Umsetzung mit der australischen Sängerin Nadhéa Muranda ein gefälliger Aufguss, der an die Grundstimmung des Originals nicht heranreicht. „Flying“ ein textfreies Stück vom „Magical Mystery Album“ (1966) wird wohl nur eingefleischten Fans ein Begriff sein. Die Motivation, dieses Stück zu covern, bleibt mir verborgen. Hinten raus kommt Fahrstuhlmusik mit einem kitschigen Chor und unpassendem Agentenscore. Mit „Strawberry fields forever“ folgt der nächste Klassiker. Interessant am Original ist vor allem der Flötensatz im Instrumentalintro, der jedoch nicht mit Flöten eingespielt wurde, sondern mit dem damals neuartigen Mellotron, einem Vorläufer des heutigen Synthesizers, bei dem die Töne jedoch nicht elektronisch sondern mit Hilfe von Tonbändern erzeugt wurde. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die BEATLES bereits beschlossen, nicht mehr live aufzutreten und nutzten so beim Einspielen alle denkbaren Möglichkeiten moderner Studiotechnik. „Strawberry fields forever“ besteht aus 2 verschiedenen Tacks, wobei der zweite schneller und einen Halbton höher eingespielt war und entsprechend angeglichen werden musste. Heute Studioalltag, war dies 1966 eine Meisterleistung. Die 2006-Version bedient sich dann moderner Synthesizerklänge, Streicher- und Pianoeinlagen, so wie die Liverpooler vielleicht ihre Songidee heute umsetzen würden? Ich glaube nicht, denn das Surreale in den Lyrics und die psychedelische Grundnote werden von Herrn Santarromana sehr weichgespült. Ebenfalls psychedelisch zu geht es bei „Tomorrow never knows“ , Höhepunkt des Albums „Revolver“ aus dem Jahr 1966, hier hervorgerufen durch Rückkopplungen, einen hypnotischen Beat und rückwärts abgespielte Bänder. Die Beatles waren mit LSD in Berührung gekommen und „Tomorrow never knows“ mit John Lennons verzerrter Stimme legt Zeugnis davon ab, dass die Vier auch Vorreiter in Sachen Psychedelic Rock waren. Emmanuel macht daraus ein Cold-Wave-Stück mit tiefdunkler Stimme dargeboten von Sänger Newton garniert mit schrägen Gitarrenriffs und unterkühlten Elektrobeats. Für meinen Geschmack eine sehr gelungene Neuinterpretation und das ansprechenste Stück der CD. Auf dem Spätwerk „Let it be“ von 1970 befindet sich „Across the universe“, ein für Cover-Versionen sehr beliebtes Stück, dessen Text in heutiger Version von Constance Verluca mehr gewispert als gesungen wird, umrahmt von Südstaaten-Country-Flair, was nicht unbedingt mein Ding ist. „Day tripper“ findet man auf der Rückseite von „We can work it out“ (1965). 2006 singt hier nochmals Marie Payen und macht aus dem Rockstück ein ganz ansprechendes Elektro-Pop-Liedchen. Die erwähnte A-Seite „We can work it out“ folgt nun bei Santarromana auf dem Fuße. Er macht daraus eine Singer-/ Songwriter-Variante mit gedrosseltem Tempo, leicht veränderten Harmonien und feiner Gitarrenarbeit. Für mich ein Highlight der Neuinterpretationen. Den Abschluss macht „Sun king“, gesungen von Blanca Li (die sich für die Videochoreographie von DAFT PUNKs „Around the world“ verantwortlich zeichnet), eine sehr eigenwillig sterile, hypnotische Elektroadaption des Originals vom Album „Abbey road“.

Ein abschließendes Fazit kann individueller nicht ausfallen. Während ich wie oben erwähnt doch eine Handvoll der Neuinterpretationen recht gelungen finde, befand mein Vater (der mich alle Originale auf Vinyl hat hören lassen) die CD über weite Strecken sehr seelenlos. Ihm fehlte einfach das Organische. Die neuen Versionen ließen sich nicht mit seinen Erinnerungen an und Empfindungen über die Zeit der Originale in Einklang bringen. Ich kann das nachvollziehen – mir geht es mit DEPECHE MODE Covern genauso. Aber das muss man nicht zum Manko der Platte machen. Während mein Erzeuger zur BEATLES-Musik eben noch ekstatisch die Arme in die Luft riss, steht für den heutigen Zeitgeist vielleicht eher die Haltung relaxter Coolness. Ein interessantes Experiment ist „Fab4Ever“ auf jeden Fall für jeden musikinteressierten offenen Geist, egal ob jung oder alt. Die BEATLES haben nun mal Songs für die Ewigkeit geschaffen und solange werden auch immer Künstler den Reiz verspüren, die Welt an ihrer Interpretation teilhaben zu lassen. EMMANUEL SANTARROMANA reiht sich sicherlich nicht in vorderster Front der Cover-Artists ein, wird mit seinen Versionen aber ein junges, hippes Publikum erreichen können.

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