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ENCHANTMENT - Dance The Marble Naked (Re-Release)

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Artist ENCHANTMENT
Title Dance The Marble Naked (Re-Release)
Homepage ENCHANTMENT
Label PEACEVILLE
Leserbewertung
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Wie ich immer zu sagen pflege: der Doom Metal ist eine unkonventionalistische, der Faster-Harder-Louder-Philosophie entgegenwirkende, mehr der okkulten, blacksabbathschen Ursprünglichkeit verhaftete Stilrichtung, die schlussendlich eine meditative Langsamkeit zum Dreh- und Angelpunkt hat und nicht so sehr versucht alle Geschwindigkeitsrekorde der Welt zu brechen. ENCHANTMENT partizipieren an dieser kultischen Verehrung alter Zeiten, nein, sie partizipierten an diesem Spezialismus, denn das Re-Release ihres Werkes „Dance The Marble Naked“ aus dem Jahre 1994 ist zugleich ihr erstes und letztes Lebenszeichen gewesen.

Was wir auf dieser Platte zu hören bekommen, ist eine Schmiedekunst, die „very british“ ist, „very britisch“ in dem Sinne, dass ENCHANTMENT ihren doomigen Brüdern im Geiste, nämlich MY DYING BRIDE, ANATHEMA oder eben auch PARADISE LOST in nichts nach stehen – zumindest was die Kernsubstanz, den kritischen Moment betrifft. Der Hörer bekommt eine schwebende Zeit voll von großbritannischem Doom Death wirklich ansprechender Art. Für den rezensierenden Journalisten ist es dabei beileibe schwierig, ein aussagekräftiges Urteil zu fällen, darüber wie gewichtig die Rolle eines mehr der Nostalgie und Historiendokumentation geschuldeten Re-Releases tatsächlich ausfällt. Sollte es legitim sein, das alte Werk mit neueren Veröffentlichungen zu vergleichen oder sollte die vergleichende Gegenüberstellung mehr auf die „very british“ Art geschehen, dergestalt, dass man lediglich lokalen Genossen als Maßstab aller Dinge nimmt? Die Angelegenheit ist sicherlich keine einfache, denn Klassiker in dem Metier auszumachen, erweist sich als verzwickt und in gewisser Weise auch als kostenspielig. Sezieren wir einfach mal das Klanggewand des vorliegenden Tonträgers: In bestem Analog-Traditionalismus wurde auf „Dance The Marble Naked“ ein Organismus der Schwerelosigkeit produziert, welcher die echte Spielfähigkeit und Eigendynamik der Band zum Vorschein bringen lässt. Der Gitarrensound ist zwar etwas dünn und den Vocals täte an der ein oder anderen Stelle ein paar Corpsegrinder-Moments und darüber hinaus eine Hand voll mehr Abwechslungsreichtum und Emotionalität ganz gut, aber klangen die alten PARADISE LOST oder MY DYING BRIDE produktionstechnisch etwas besser? Kaum zumindest. Die Schlagzeugarbeit wirkt stellenweise etwas zu geradlinig und auf „Doomness“ getrimmt, aber das macht dann wiederum die im Vergleich zu den restlichen Musikern deutlich herauszuhörende und Fundament legende Arbeit des Bassspielers stärker, sie wertet sie gewissermaßen auf.

Trotz düster-poetischen Momenten aber gehen „Dance The Marble Naked“ einige Dinge abhanden, welche vielleicht zum Klassikerstatus geführt hätten; die da wären beispielsweise: ein strafferes Songwriting und der Verzicht auf schnelle Endlospassagen ohne Variationsspektrum. „How the trees bow to subtlety/ And eden has fathered theis souls/ Savour the nights for rain/ Your impetus has left me shapeless/ Beat the passion and carve me in sand“, heißt es bei “Carve Me In Sand”. Das ganze klingt poetisch-weltentrückt, aber irgendwie kommt der Vibe nicht ganz zum Tragen. Da fehlen ganz klar wispernde Cleanvocals und die frei mit typischen Akkorden spielende Akustik, wie man sie beispielsweise von OPETH kennt. Aber so weit geht man mit der „Vergleicherei“ besser nicht. Bleiben wir im Rahmen des Realistischen. Und realistisch für diese Platte ist, als Historiendokument entweder in den CD-Schränken von Sammlern Staub anzusetzen oder das Herz alter Doombegeisterter in Nostalgie zu versetzen…

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