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ENEMY OF THE SUN - Caedium

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Artist ENEMY OF THE SUN
Title Caedium
Homepage ENEMY OF THE SUN
Label MASSACRE
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Holla die Berge, was ist denn hier los? ENEMY OF THE SUN legen auf ihrer zweiten Scheibe los, als wollten sie die Metalwelt mal lässig einreißen. Scheint es sich beim Einstieg „Lithium“ zunächst nur um ein belangloses Intro zum Abhaken zu handeln, wird daraus plötzlich ein richtig feines und explosives Instrumental, das bei den Drumparts ganz frappierend nach Großmeister Lombardo klingt und damit Erinnerung an GRIP INC. weckt. GRIP INC. waren bekanntlich die vorige Band von Bandkopf Waldemar Sorychta, die in den 90ern mit brachialem Neothrash einige Ausrufezeichen setzen konnte. Wenig überraschend ziehen auch ENEMY OF THE SUN die Karte Thrash, erinnern auch immer wieder an genannte Vorgängerband, setzen aber auch gewaltige eigene Ausrufezeichen.

Das erste folgt auf dem bereits moshenden Kopfe und hört auf den schönen Namen „Another End of the Rainbow“. Textlich gelingt der Band damit schon ein großer und trauriger Wurf: wo im Märchen am Ende des Regenbogens ein Topf mit Gold versteckt ist, wartet am Ende des Regenbogens aber auch der Schöpfer zur Heimnahme. Vor diesem Hintergrund ist der Song eine bittersüße Abschiednahme vom früheren GRIP Sänger Gus Chambers, der sich 2008 das Leben nahm, nachdem er bald dreißig Jahre am musikalischen Durchbruch vorbeischlidderte und den Topf mit Gold niemals in Empfang nehmen durfte. Musikalisch ist es eine würdige Hommage geworden, handelt es sich doch um einen der besten Modern Thrash Songs, die ich jemals gehört habe und der selbst das famose „Moronic Colossus“ der Schweden THE HAUNTED übertrumpfen kann. Alles ist hier mitreißend: der Strophenteil im klassisch hohen Thrashtempo (was EXODUS wohl mit „The Tempo of the Damned“ meinten), dann der Refrain im Cleangesang, der einfach alles schlägt, was ich in diesem Bereich gehört habe, eventuell mit Ausnahme früher FEAR FACTORY Großtaten vom „Scapegoat“ oder „Self Bias Resistor“ Kaliber. Weltklasse auch das Break im Mittelteil, wo die Band auf den Hammerrefrain nochmals diesen Refrain spielt, dabei aber komplett den Strom rausnimmt und nur die umwerfende Melodie nochmals wirken lässt, bevor ein leicht industrialmäßiger Part und ein schönes Solo den Song auf die Zielgerade lenken. Auf dieser wird der Hammerchorus wieder zum anbetungswürdigen Hauptdarsteller und nach knapp vier Minuten ist man erst einmal geplättet und ich komme zurück zur Anfangsfrage: Holla die Berge, was ist denn hier los?

Die Modern Thrash Schublade war der Band aber schon beim Debüt „Shadows“ zu klein und so gibt es mit „I am One“ gleich mal wieder wunderbare Flamenco Gitarren und Rhythmen, die ganz langsam zu einem Metal Song wuchern und die deutlich machen, über welche handwerklichen Möglichkeiten diese Band verfügt. Erst mit dem starken „Chasing the Dragon“ wird das Songwriting wieder straighter und die klassischen Trademarks aus harter Strophe und melodischem Refrain werden wieder zitiert. Allerdings holzen ENEMY OF THE SUN diese Stilmittel nie einfach nur von oben runter, sondern bauen in solche Songs immer noch unzählige Gimmicks und Schnörkel, besser: Verzierungen ein. Mit anderen Worten: es raucht und zappelt an allen Ecken und Enden. Recht so. Bis hierhin erleben wir einen neuen Marktführer. Ohne wenn und aber. Das „aber“ kommt leider im weiteren Verlauf der Scheibe. Aber: auch gute Musiker sollten sich Grenzen setzen. Aber: auch wenn man alles kann, macht es nur eingeschränkt Sinn, alles auf ein Album zu packen. Mehr und mehr wird das Becken, in dem die Band fischen möchte, schlicht und einfach zu groß. Dabei entstehen nicht mal oft Totalausfälle wie die völlig überflüssige SYSTEM OF A DOWN Kopie „Power of Mankind“, die, das muss man leider so hart sagen, absolut nullinger geht.

Nun ist ein solcher Stinker bei einer noch frischen neuen Band kein Beinbruch, dies ist schließlich auch schon größeren Acts passiert. Das Schlimme ist aber, dass sich ENEMY OF THE SUN so um ihre kompositorische Identität spielen. Nach dem Genuss der vierzehn Songs, fragt man sich fast unweigerlich, wer diese Band eigentlich ist und sein möchte. Wo wollen sie hin? So richtig es ist, über den Tellerrand hinaus zu blicken, so falsch kann es auch sein, wenn man von jedem Teller mal gegessen haben will. Es entsteht das nur vermeintliche Paradox, dass vier herausragende Musiker keine herausragende Musik erschaffen. ENEMY OF THE SUN kehren nach dem famosen Start mit „Shadows“ damit zunächst wieder in das Glied der New Hopefuls zurück und es ist der Band sehr zu raten, ihre Stärken zu bündeln und sich Gedanken zu machen, in welche Richtung es denn mal gehen soll.

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