Band Filter

ENGEL - Absolute Design

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ENGEL
Title Absolute Design
Homepage ENGEL
Label STEAMHAMMER/ SPV
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.0/10 (1 Bewertungen)

Könnte man beim Namen noch an eine deutsche Band à la RAMMSTEIN denken, lässt einen ein Blick in den Promo-Zettel erleichtert zurückfallen: Der Name lässt sich auf den schwedischen Band-Gründer Niclas Engelin zurückführen. Da dieser auch noch aus Göteborg stammt, haben wir es dementsprechend mit einem Vertreter des dort ansässigen, mittlerweile klassischen „Melodic-Death-Metal-Sounds“ zu tun. Obwohl ENGEL die Death-Einflüsse auf ein Minimum reduziert haben und insgesamt als die poppigsten Vertreter dieses Sounds auftreten dürften.

Betreiben wir aber erst einmal noch ein wenig Name-Dropping: Der bereits erwähnte Engelin spielte schon bei Acts wie IN FLAMES, GARDENIAN und PASSENGER die Gitarre, während Marcus Sunesson (THE CROWN) die zweite Gitarre bedient. Drummer Daniel Moilanen trieb sein Unwesen schon bei LORD BELIAL und RUNEMAGICK. Abgerundet wird das Line-Up von Bassist Michael Hakansson (EVERGREY) und dem bisher unauffällig gebliebenen Sänger Mangan Klavborn. Um die Produktion kümmerte sich IN FLAMES Sänger Anders Fridén zusammen mit IN FLAMES und MESHUGGAH Produzent Daniel Bergstrand. Wer jetzt noch nicht weiß, wo die Reise hingeht, hat die letzten Jahre wohl in musikalischer Askese gelebt.

Aber während viele Trademarks des skandinavischen Metals vorhanden sind, wie die melodischen Refrains, der New-Schoolige Gitarrensound und die synthetische Produktion, gehen ENGEL noch einen Schritt weiter und polieren diese ganzen Bestandteile noch ein wenig mehr auf Hochglanz und schmeißen allen unnötigen Ballast über Bord. Ergo gibt es ein ökonomisches Songwriting, welches eigentlich komplett auf Breaks verzichtet. Ebenso fällt der fast komplette Verzicht von Gitarrensolos (und das bei zwei Gitarristen!) ins Auge und ins Ohr. Worauf ENGEL aber unbedingten Wert legen, sind Melodien, Melodien und Melodien. Mehr Pop kann man eigentlich nicht in seinem Sound unterbringen und trotzdem noch als Metal durchgehen. Dagegen sind die Jungspunde von SONIC SYNDICATE richtig böse Zeitgenossen. Selbst SOILWORK haben nicht diesen ungebremsten Drang zum perfekten Song.

Gleich der Opener „In Splendour“ glänzt mit einnehmendem Refrain, hat aber einen altbackenen Nu-Metal Groove, der den Song ein wenig runterzieht. Danach wird es aber richtig gut. Skandinavische Melodien galore, mit geshouteten Strophen, das Ganze garniert mit ansprechenden Grooves. Man höre sich nur einmal Tracks wie „Casket Closing“ oder „Scyth“ an (Für den Refrain des letztgenannten würden einige Emo-Bands sich ihre Haare blond färben). Im Hintergrund schweben leichte Keyboard-Teppiche, die dem ganzen einen kleinen Gothic-Touch geben. Besser kann man diese Art von Musik kaum präsentieren. Bei „Next-Closed Door“ gibt es sogar epischen Power-Balladen-Metal, der wie ein anderes Gewächs aus dem IN FLAMES Umfeld namens ALL ENDS klingt, nur dass es hier keine zwei Front-Frauen gibt. „Descend“ hingegen klingt wirklich fast schon wie Alternative-Rock. Mit dem Track „Propaganda“ gibt es noch einen kleinen Ausreißer, der eher Gemeinsamkeiten mit ROB ZOMBIE oder MINISTRY hat. Auf „The Paraclete“ präsentiert uns die Band sogar einen fluffig programmierten Beat.

Eigentlich sollte für jeden aufgeschlossenen Metal-Fan etwas dabei sein. Das einzige, was man der Band vorwerfen könnte, wäre der offensichtliche Drang zur Perfektion und einer gewissen Massenkompatibilität, der natürlich einiges an Ecken und Kanten vermissen lässt. Jeder Song könnte ohne Probleme in einer Alternative-Disco gespielt werden. Wer damit kein Problem hat oder mal wieder mit der Partnerin gemeinsam den Kopf schütteln will, wird dieses Jahr wohl kaum was Besseres finden.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

ENGEL - Weitere Rezensionen

Mehr zu ENGEL