Band Filter

ENTOMBED - When in Sodom

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ENTOMBED
Title When in Sodom
Homepage ENTOMBED
Label THREEMAN RECORDINGS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.5/10 (2 Bewertungen)

Der 6.6.2006 übt auf die „Nachtschattengewächse“ im Musik Business anscheinend eine immense Faszination aus, und so lassen sich auch die Haudegen von ENTOMBED mit einem Release nicht lumpen, der ersten regulären Studio-VÖ seit „Inferno“ aus dem Jahre 2003. Die experimentelle „Unreal Estate“-Scheibe war ja der Live Mitschnitt einer Aufführung zusammen mit dem Königlichen Opernhaus Stockholm. Bei „When in Sodom“ handelt es sich um eine Vorab EP zum im September avisierten „Serpent Saints“-Studioalbum, auf dem sich nur einer der hier enthaltenen 5 Tracks befinden soll. Dienst am Kunden also. Als ich die mittlerweile zum Quartett geschrumpfte Bande vor kurzem in Osnabrück live genießen konnte, fiel neben ihrer Trinkfestigkeit ihre unbändige Spielfreude auf, die Schweden gehören noch lange nicht zum alten Eisen, ganz im Gegenteil.

Lyrisch geht es hier und heute allerdings ganz und gar nicht spaßig zur Sache, passend zum satanischen Superdatum treiben ENTOMBED ihre Kirchenkritik auf die Spitze, ach was Kirchenkritik: Boshafte Blasphemie tritt aus sämtlichen Poren, dass es (christlichen) Würdenträgern richtig warm ums Herz würde. Alleine das titelgebende Sodom war ja nicht gerade der Ort, in dem man seine Kinder zur Ferienfreizeit anmelden würde. Wollust, Laster und Verdorbenheit prägten die Einwohner, insofern also ein Vorläufer heutiger Großstädte. Man denke nur an Pasolinis Überwerk der Perversion „120 Tage in Sodom“. So lange dauert der Opener hier nicht, wenngleich die 23 Minuten bei 5 Titeln für ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen. Soundtechnisch orientiert man sich ein ganzes Stück zurück zur „Hollowman“/ „Wolverine Blues“-Phase. Der Rock ’n’ Roll-Faktor wurde deutlich zurückgeschraubt, zugunsten pechschwarzer Brutalität. Klar groovt das Teil noch sehr ordentlich, dennoch hat man L. G. schon lange nicht mehr so böse shouten hören. Dazu die derbst tiefen Saiteninstrumente und eine fette Produktion, schon kann man schön old-schoolig die Hände zur Pommesgabel formen. Titelgebender Song fällt im Grunde strukturell relativ einfach aus, alles spitzt sich auf den „Refrain“ zu, den man ordentlich grölen kann. Etwas komplexer und extrem an die bereits angesprochenen Klassiker erinnernd dann „Carnage“ (mehrere Ex-Member waren ja mal in einer so genannten Kapelle). Nach den beiden schnellen Brechern folgen dann schwere, verschleppt-doomige Kompositionen, die zum Moshen einladen. „Heresy“ ist der bessere Song von beiden, was auch an den weiblichen Vocals von Julia Gehlin liegt. „Amen“ zum Schluss ist dann eher eine mit Musik unterlegte rituelle Beschwörungsformel, könnte ich mir auch gut als Soundtrack für einen Horrorfilm vorstellen.

Eine starke Leistung, welche die Skandinavier da hingelegt haben, ohne Frage. Ich hätte mir zwar etwas mehr Catchyness gewünscht, aber dafür kann man jetzt ansatzweise auch wieder die Extrem Metal Fans verzücken. Wenn dann die zugehörige Full Lenght qualitativ im Verhältnis so gut ausfällt wie „WB“ zu „Hollowman“, können wir uns auf Großes freuen. 666 – The Number of the Swedish Beast…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

ENTOMBED - Weitere Rezensionen

Mehr zu ENTOMBED