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EO IPSO - Geostrategie

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Artist EO IPSO
Title Geostrategie
Homepage EO IPSO
Label KUNSTSCHEISSE
Leserbewertung
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EO IPSO sind ein politisches Projekt, womit sonst sollten sie sich beschäftigen als mit dem Irak-Krieg, den USA und dem Recht des Stärkeren? Nur: Das optisch mal wieder mit einfachsten Mitteln wirkungsvoll realisierte Cover wird nach einer kaum mehr nachzuvollziehenden Zahl von ähnlichen Ansätzen keinen mehr schocken und ähnlich wie auf dem exzellenten „Industrielle Agitation“ beschränken sich die Aussagen auf einzelne Worte, Begriffe, Andeutungen. Hier sogar noch mehr als dort verkommen die Titel zu Knotenpunkten, an denen sich das Album entlanghangelt, ohne dabei zu einem Erkenntnisgewinn zu führen. Und trotzdem wissen einen die lediglich unter den Kürzeln „ml“ und „sh“ firmierenden Schlitzohre wieder einmal in ihren Bann zu ziehen. Warum? Weil „Geostrategie“ zwar mehr vom Gleichen darstellt, dieses Gleiche aber immer noch tausend mal spannender und anregender ist, als die Bemühungen von 99% der Konkurrenz.

Ohnehin muss dazu gesagt werden, dass das vorliegende Album nicht, wie zunächst vermutet, der Nachfolger des auf diesen Seiten mehr als lobend besprochenen „Industrielle Agitation“ ist, sondern dessen Vorgänger, eingespielt in den Jahren 2002/2003, als sich der Staub der Türme erst langsam legte und die Gefangenen auf Guantanamo noch Binden auf den Augen trugen. Vielleicht dass es dieser Zustand der Unruhe ist, der „Geostrategie“ so zornig und wütend geraten ließ – das Schlagzeug regiert. Ausflüge in enstspannte Gefilde gibt es nicht, Momente der Ruhe ebenso wenig. Zu Anfang fühlt man sich überrumpelt und irritiert, bei „Erstschlagspolitik“ meint man gar, sich auf eine Thunderdome-Compilation verirrt zu haben. Doch ist das irgendwie auch selbstverständlich: Harte Themen benötigen harte Methoden. Man hat allen überflüssigen Ballast von Bord geworfen, die Musik auf ihre essentiellen Elemente reduziert. Melodien bleiben somit Fehlanzeige und auch wärmende Flächen bleiben mit ein, zwei kurzen Ausnahmen außen vor. Und dennoch ist die Scheibe kein Werk für Freaks geworden. Bei „Geostrategie“ reichen eine dynamisch pochende Bass Drum, eine pulsierende 80’er Basslinie und ein paar Effekte vollkommen für einen hypnotischen Hit und welcher ernstzunehmende EBM-Deejay kann es sich erlauben, in seinem Set auf „Militärkomplex“ zu verzichten? Geradezu genialisch sogar geriet „Pipeline Bagdad – Baku – Bielefeld“, ein Tour de Force Ritt durch Elektro und Noise, der EO IPSO als zukünftige KRAFTWERK-Remixer empfiehlt. Ein Club-Album also. Man hat offensichtlich in Berlin die Ohren gespitzt, zu Electro Clash getanzt und die Freude an der Direktheit und Simplizität des euphorisierenden Beats entdeckt. Das merkt man leider gegen Ende ein wenig zu deutlich, wenn alles etwas platt vorwärtsprügelt und, wie man so schön sagt, „treibt“. Die letzten Minuten sitzt man nur noch aus.

Dafür ist das abschließende „wk3“, welches mit der populären, aber unhaltbaren Gleichsetzung von Bush mit Hitler liebäugelt, durch seine Beschränkung auf eine rabiate Basslinie und ein paar ein- und ausgeblendete Percussionloops eine Sensation. Und „Entspannungspolitik“ hört sich zunächst an wie der Bohrer beim Zahnarzt, der gerade herausgefunden hat, dass man ihn mit seiner Frau betrügt. Doch wird daraus ein schwebendes, wunderbares Stück Sphären-Elektronik. In diesen Momenten stehen EO IPSO kurz davor, etwas Bedeutendes zu entdecken. Wird die Welt zuhören?

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