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ERDMÖBEL - Kung Fu Fighting

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Artist ERDMÖBEL
Title Kung Fu Fighting
Homepage ERDMÖBEL
Label JIPPIE!
Leserbewertung
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5.5/10 (2 Bewertungen)

Es kann in der DDR nicht wirklich alles schlecht gewesen sein, wenn man sich dort tatsächlich das Synonym „Erdmöbel“ für den vermutlich irgendwie zu religiös besetzten Begriff „Sarg“ hat einfallen lassen. Das zeugt doch von Humor, oder? Auf jeden Fall gab es 1995 ein paar Typen, die ERDMÖBEL als Bandnamen sehr gelungen fanden. Dass Markus Berges (Gesang & Gitarre) und Christian Wübben (Drums & Elektronik) bis Anfang der Neunziger in einer Kapelle namens COFFINS (englisch für Särge) gespielt haben, mag da auch noch irgendwie von Bedeutung gewesen sein. Auf jeden Fall war man in den folgenden Jahren fleißig und präsentiert gemeinsam mit Ekki Maas (Bass, Gitarre, Posaune & Elektronik) und Wolfgang Proppe (Keys & Elektronik) nunmehr das zehnte Album „Kung Fu Fighting“.

Wobei der Vierer sich nach dem großen Erfolg (in gleichem Maße bei Fans und Kritikern) des 2010er „Krokus“ erhebliche Schwierigkeiten hatte, einen würdigen Nachfolger zustande zu bringen, der ganz anders sein sollte als eben „Krokus“. Geblieben ist auf jeden Fall die einzigartige ERDMÖBEL-Poesie, für die in erster Linie Markus Berges verantwortlich zeichnet. Was hat es beispielsweise mit der Forelle im Gleisbett auf sich, die im rhythmusbetonten Opener „Blinker“ auftaucht? Posaune und Flöte umspielen wenig später das cool groovende „Cardiff“, das entgegen der nebulösen Rückschau vermutlich doch eher der Londoner Stadtteil Bromley war, ehe „Bewegliche Ferien“ mit viel Verve gute Laune verbreiten. Easy-Listening-Feeling offeriert „Gefäße“ – verlangt gleichzeitig jedoch auch ein gewisses Nachdenken über den kruden Text, ehe der beschwingte Titeltrack „Kung Fu Fighting“ als eine wahre Ode an die Magie der Erinnerung daherkommt. Im „Zollstockbad“ herrscht leise Melancholie, während das swingende „Club der senkrecht Begrabenen“ keinesfalls ein Beerdigungslied ist, auch wenn entsprechenden Riten und Gebräuche bei ERDMÖBEL hoch im Kurs zu stehen scheinen. Fast schon Schunkel-Charakter hat der Refrain des ansonsten eher zarten „Vivian Maier“, bevor sich „Jetzt“ mit viel Schwung und abwechslungsreicher Instrumentierung anschließt. „Shenzhen oder Guangzhou“ wird als „Duett mit Überraschungsgast – folgt“ angekündigt und ist nur wenige Sekunden lang. Bitte fragt mich nicht nach dem Sinn und Verstand, den sollte man vielleicht auch beim finalen „Peng“ nicht mit absolutem Ernst suchen.

Schließlich bleiben bei „Kung Fu Fighting“ grundsätzlich einige Fragen offen bzw. darf jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, was die in Köln ansässigen Münsteraner uns mit ihrer assoziativen Lyrik sagen wollen. Musikalisch gibt es auf jeden Fall viel Abwechslung auf der Langrille und einen Sound, der zumindest für ERDMÖBEL-Verhältnisse dreckiger ausgefallen ist als in der Vergangenheit. Somit ist der Arbeitsauftrag „Anders als Krokus“ schon mal erfüllt und auch sonst kann sich das Ergebnis hören lassen. ERDMÖBEL bleiben wunderbar versponnen und erfinden sich gleichzeitig zumindest in Teilen neu.

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