Band Filter

ESTAMPIE - Signum

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ESTAMPIE
Title Signum
Homepage ESTAMPIE
Label DISTANT MIRROR RECORDS/ VIELKLANG
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
5.5/10 (2 Bewertungen)

Gut zwei Jahre sind seit dem Erscheinen des Albums „Fin Amor“ ins Land gegangen. Eine Zeit, die einem als ESTAMPIE-Liebhaber schier unendlich lang erschien. Doch das Warten auf ihr achtes Album „Signum“ hat sich – was nicht weiter verwunderlich ist – wahrhaftig gelohnt. ESTAMPIE ist eine der Bands, die sich von der breiten Masse der mittelalterlichen Bands absetzt. Kaum eine andere Band präsentiert altertümliche Texte und Melodien in solch vollkommenem Gewand. Thematisch handelt „Signum“ von den Zeichen der drohenden Apokalypse und der Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Weltlichen im Leben eines jeden Menschen. Denn dies waren die zentralen Themen im Bewusstsein der mittelalterlichen Menschen, deren Leben ständig und unmittelbar durch Krankheit, Hunger, Kälte, Gewalt bedroht wurde. Darüber hinaus spielte der christliche Glaube eine entscheidende Rolle. Dieser prophezeite das Ende der Welt und Boten wie Chaos, Naturkatastrophen etc. Musikalisch bleiben ESTAMPIE ihrem bekannten Stil treu. So begeistern sie mit nachdenklichen Texten in anspruchsvollen Kompositionen, die von engelsgleichen Gesängen sowie überwältigenden Chorälen begleitet werden. Die Instrumentenvielfalt besteht aus Drehleier, Dudelsack, Flöte, Fidel, Laute, Tar, Harfe, Harmonium, Percussion, Harfe, Balafon, Posaune und Nyckelhapra.

Überraschend präsentiert sich das Intro „Al Jorn – Alonso“ in choraler Form. Das folgende Stück „A Voi Gente“, welches im 14. Jhdt. seinen Ursprung fand, beinhaltet fast alle erdenklichen mittelalterlichen Instrumente, die in Zusammenhang mit dem Gesang in einer melodiösen Art vorbetragen werden, wie es fast nur ESTAMPIE vermögen. Das instrumentale Stück “Trotto” schließt sich hinsichtlich der Instrumente an, klingt aber viel fröhlicher. Um so ruhiger, aber nicht weniger interessant, wirkt “Audite“, welches durch den herausragenden weiblichen Gesang besticht. „Alle Psalitte“ ist zunächst schwermütig gehalten, gewinnt im Laufe des Stückes gelungen an Schnelligkeit. Mit „Razon“ folgt wieder ein sehr ruhiges Stück, in dem der weiblich anmutige Gesang im Vordergrund steht, welcher sanft durch die bekannten Instrumente begleitet wird. „Owe War Sint Verswunden“ stammt aus der Feder von Walther von der Vogelweide, dessen Gedichte gern von ESTAMPIE und QNTAL verwendet werden. Ruhig und besinnlich gehalten wird dieser Text in altdeutscher Sprache vorgetragen. Bereits bei den ersten Klängen von „Sine Nomine“ fängt mein Fuß an zu wippen. Ein beschwingtes instrumentales Stück, in dem der Dudelsack im Vordergrund steht. Zeit zum Verschnaufen findet sich in dem schwermütigen und langsamen „Al Jorn – Carceres“. „Non E Gran Cousa“ und „Quen Na Virgen“ entstammen der Liedersammlung „Cantigas De Santa Maria“, die während des 13. Jahrhunderts gesammelt wurde. Beide Songs sind recht melodisch, abwechslungsreich und fröhlich. In „Cry De La Mort“ und „Bona Condit“ steht der klare weibliche Gesang deutlich im Vordergrund. „Estampie VIII“ ist ein entspannend instrumentales Stück, eine willkommene Verschnaufpause vor „Non Devemos“, welches sehr beschwingt beginnt und gelungene verschiedene Tempi aufweist. „Al Jorn – Triana“, ein zum Ausklang sehr geeigneter ruhiger und andächtiger Song, rundet dieses grandiose mittelalterliche Gesamtwerk nach 57:02 Minuten ab.

Abschließend möchte ich noch auf das wie immer schön gemachte Booklet hinweisen, in dem alle Texte im Original und mit deutsprachiger und englischer Erläuterung sowie der Textquelle und der Instrumente angegeben sind. Wer ESTAMPIE live nicht verpassen möchte, kann sich auf der Website über die entsprechende Konzerttermine und Projekte informieren. Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: Absolut hörens-, sehens- und erlebenswert!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ESTAMPIE