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EXPRETUS - Borderline Red

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Artist EXPRETUS
Title Borderline Red
Homepage EXPRETUS
Label UPART-PROD./ BRACHIALPOP
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

EXPRETUS aus dem Osten der Republik sind wieder angetreten, um ihre – hier zitiere ich Kollegen – „brachial-romantische Musik“ unters Volk zu bringen. Der Vorgänger erschien 2002 noch bei Prophecy und war mithin eine meiner allerersten Rezensionen, die Zeit vergeht liebe Leute. Doch die Sounds des Quintetts wirken heuer mitnichten angestaubt, vielmehr hat man sich die Zeit genommen, an vielen kleinen Details zu arbeiten. Dazu zählen auch Optik, Artwork und Stil, mit dem man sich vom Genre-Durchschnitt abzusetzen vermag. Fragt sich nur, welches das Genre eigentlich ist? Schon der Titel „Borderline Red“ deutet an, dass sich die Jungs hier in Grenzbereichen aufhalten, lyrisch wie musikalisch. Gothic, Industrial, Rock, Wave, all dem verschließt man sich nicht und erschafft doch wieder etwas ganz Eigenes.

Die ausschließlich englischsprachigen Kompositionen bieten viel Raum für Spannungsbögen, die mittels wechselseitiger Akzentuierung von Gitarren und Elektronik erreicht werden. Während beispielsweise ein Track wie „No Tomorrow“ als lärmender Industrial Rock daherkommt, überzeugt „Worn Out Cases“ mit wunderschönen Akustikpassagen, mein Favorit auf dieser Scheibe. Ein sehr ordentliches Niveau wird allerdings sowieso nie unterschritten: Da hätten wir die „80er meets harte Riffs“-Hommage „Pleasant“ (ähnlich dem neuen METALLSPÜRHUNDE-Outfit) oder das sehr MORTIIS-mässige „Ectoplastic“, inklusive der William S. Burroughs-Samples. MORTIIS ist sowieso ein gutes Stichwort, denn Herr Alabaster erinnert stimmlich mehr als einmal an Håvard Elefsen. Außer vielleicht bei den langsamen schwermütigen Parts, wo es dann eher Richtung Gruft Rock geht. Als Unterstützung holte man sich noch Kollegen Andy von THE ANCIENT GALLERY mit an Bord, der ein paar Vocals beisteuert.

„Brachialpop“ heißt die neue Company der Dresdner, und vielleicht sollte man das einfach mal so stehen lassen. Schwermut steht hier neben Eleganz, Härte neben Filigrantechnik. Die Fanschicht wird sich wohl vornehmlich wieder im „schwarzen Lager“ finden lassen, doch im Grunde sind EXPRETUS einer einzelnen Szene längst entwachsen. Reife Leistung, die neben den Schaumschlägern der Branche wohl leider wieder etwas untergehen wird.

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