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EXT!ZE - FallOut Nation

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Artist EXT!ZE
Title FallOut Nation
Homepage EXT!ZE
Label TRISOL
Leserbewertung
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2.3/10 (12 Bewertungen)

Schon mal eine CD in Händen gehalten und einen dicken Klos im Hals bekommen? Jedenfalls war das meine Reaktion auf das Debütalbum von EXT!ZE (nach einer EP) – man sieht 4 Cybergoth-Teletubbies, die auf Teufel komm raus mit allen Klischees ihrer Zunft arbeiten, und auch noch peinlich posen (dementsprechend heißt ihr erster Titel auch noch „Poser“…). Es kostet also erst einmal Überwindung, über dieses pubertäre BRAVO-Getue hinweg zu sehen und die CD einzulegen, nun kommt aber erst der richtige Schock! Mit den gerade beschriebenen Vorurteilen im Hinterkopf werden mir richtig tolle Songs präsentiert und das muss man erst einmal verdauen.

„FallOut Nation“ ist kein Hardcore oder Industrial-Rave im eigentlichen Sinne, man nutzt viele Elemente des guten alten Industrials (siehe DIVE), auf der Rhythmikseite wird zusätzlich normales Geholze benutzt und teils poppige bzw. abgefahrene Technoelemente wie bei VNV NATION oder STRAFTANZ sorgen für eine dreckige aber gleichzeitig konsumfähige Haltung. Irgendwo bewundere ich das Sounddesign, so was kriegt nicht so einfach hin, schade, dass es beim Mix noch leichte Defizite gibt, da kommt man an die ganz Großen (noch) nicht heran, aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass auch das bald verbessert wird. Besonders löblich ist, dass man sich endlich auch mal traut, nicht nur Sprachsamples (zum Glück findet man selten Pornoschnipsel), sondern auch normalen Gesang einzusetzen, ein Beweis dafür, dass dies durchaus zum Genre passen kann („Aerial Zombies“ oder „Underground Cendrillon“). Irgendwie scheint für jeden was dabei zu sein, ohne sich untreu zu werden, so kommt auch mal astreiner EBM („Elektronik Revolt“) zur Geltung, oder simpler Haudrauf-Techno („Red Water“). Mein absoluter Favorit ist „Sex Propaganda“, das extrem treibend ist und eine sehr humorvolle Seite besitzt, könnte eigentlich auch von SHNARPH stammen. „We are the night“ ist mein zweiter Tipp, denn ich finde es toll zu sehen, dass man die ganze Angelegenheit auch mal mit etwas ruhigerer Attitüde rüberbringen kann und ein Gespür für tolle Melodien besitzt. Die drei Remixe sind auch noch mal eine nette Dreingabe, wobei der letzte völlig untypische „Klavier-Mix“ mit NEXUS NEMESIS die Gemüter perfekt ausgleicht und sozusagen behutsam auf das Ende der CD vorbereitet.

Mit verkniffenen Lippen muss ich schlicht und ergreifend zugeben, dass ich gerade ein beeindruckendes Stück Musik gehört habe und die Hand in freundschaftlicher Einsicht reiche. Es klingt eben NICHT nach dem nächsten 08/15 Klon, EXT!ZE beweisen viel mehr Größe und eine Stellung in ihrem Metier, die ich als einzigartig bezeichnen möchte. Sind es nun selber „Poser“ oder handelt es sicher schon um eine Persiflage? Schwierige Frage und ein schmaler Grad, aber im Nachhinein würde ich das Image eher als „echt“ bezeichnen, jedenfalls so echt wie man der erste „Cruxshadow“ des Cybergoths sein kann. Versucht euch auf die Musik zu konzentrieren, denn darauf kommt es an, und in diesem Fall ist mit „FallOut Nation“ ein toller Wurf gelungen, der dem Szenevolk übergreifend gefallen müsste, jedenfalls solange man auf elektronische Unterhaltung steht. Wenn in Zukunft die Produktion besser klingt und man sich ernsthafter verkauft, dann haben die Jungs auch die volle Punktzahl verdient.

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