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FAR FROM HORIZON/ CULT OF GAIA - Split 2008

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Artist FAR FROM HORIZON/ CULT OF GAIA
Title Split 2008
Homepage FAR FROM HORIZON/ CULT OF GAIA
Label EIGENPRODUKTION
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HEAVEN SHALL BURN und CALIBAN nutzten es auch – Das Format einer Split-EP – und zählen jetzt ohne Frage zur Speerspitze in Sachen härteren Metals aus Deutschland. Diesen Spuren folgen nun 2 weitere junge/ einheimische Bands: Die mittlerweile vom Sextett zum Quintett geschrumpften FAR FROM HORIZON aus Bielefeld/ Gütersloh und die 5 Aschaffenburger von CULT OF GAIA.

Die erstgenannte Formation ist es auch, die die Scheibe mit „Abandon Something“ eröffnen, und zwar so, wie man es seit der Gründung im Jahre 2006 gewohnt ist: Ohne Umwege direkt aufs Maul. Der inzwischen aus Zeitgründen nicht mehr zum Lineup gehörende Shouter Flo, den man aus damaligen Zeiten bei z.B. WHEN ILLUSIONS BURN kannte, wird mehr als ebenbürtig durch Band-Zuwachs Conny vertreten. Früher bei den leider nicht mehr musizierenden FLUID ENC. noch „Herr der Samples“, entlockt er nun seiner Lunge bitterböse Growls, so dass nun auch dem letzten Ahnungslosen klar geworden sein sollte, dass dies hier nicht die Schlagerparade ist. Der Song walzt in feinster Deathcore-Manier à la THE BLACK DAHLIA MURDER durchs Unterholz der Gehörgänge und stimuliert dabei gleichzeitig das Genusszentrum eines jeden Moshwilligen. Chris, seines Zeichens ebenfalls ehemaliges FLUID ENC.-Mitglied, am Bass, sowie Ceddy und Michi an den Gitarren zeigen sich dafür verantwortlich und liefern so eine nahezu erdrückende Sound-Dichte, dass man um Gnade winseln möchte, wäre es nicht so gut! Gnade scheinen FAR FROM HORIZON darüber hinaus aber ohnehin nicht zu gewähren, anders ist zumindest der Umgang von Robert mit seinem Schlagzeug nicht zu deuten. Man beginnt sich zu fragen, was das arme Ding denn grausames getan haben mag, dass er so unerbittlich darauf einschlägt und -tritt. Doch bevor ich jetzt auf den Gedanken komme, dass es sich eventuell um ein SM-Schlagzeug handelt, welches derartigen Umgang also genießen würde, belasse ich es einfach mit dem Eindruck, dass es in Robert so oder so seinen Meister gefunden hat. So ballern sich FFH also unermüdlich durch die erste, aus fünf Titeln bestehende, Hälfte der EP, die neben tonnenweise Breakdowns und Blast-Passagen auch hübsche Gitarren-Soli wie in „5 Guys and 1 Cake“ oder schönen Sirenen-Gesang bei „Orphelia“ zu bieten hat. Der Wechsel zwischen den beiden Vocal-Linies ist sehr stimmig und ergänzt sich sehr gefällig, ohne überfrachtet zu wirken. Neben den gekonnten Breaks und dem sauberen Stakkato-Geriffe sind es auch solche Dinge, die letztlich einen mehr als positiven Gesamteindruck zur Halbzeit hinterlassen.

Den Übergang zu Part 2 bereitet das Outro von FAR FROM HORIZON, welches ziemlich ruhig und schlicht gehalten ist. Nicht wirklich herausragend, aber es erfüllt seinen Zweck und ist sicherlich besser, als würde einfach so mir nichts, dir nichts der nächste Song starten. Dieser stammt nämlich schon von der erst im vergangenen Jahr gegründeten Gruppierung namens CULT OF GAIA. „Es werde“, so sein Name, verrät schon: – wer hätte es gedacht – die Jungs texten auf deutsch. Manch einer wird da sicherlich an Formationen wie NARZISS denken, und so ganz falsch liegt man damit auch nicht, jedoch geht das ganze deutlich in Richtung melodischer Death Metal. Dazu kommt dann noch eine Prise EISREGEN. Auch hier wechselt der Gesang innerhalb des Liedgutes zwischen rotzigen Shouts und tiefen Growls und kann durchaus überzeugen. Soundtechnisch gehen die Aschaffenburger das ganze weniger brachial, dafür (wie gesagt) melodischer an. Der Soundwall ist weniger dicht, stattdessen eingängige und leichter. Auf Breakdowns muss man dennoch nicht verzichten, hierzu liefern beispielsweise „Loblied auf pandora“ und „Ares“ gute Gelegenheiten. Doublebass-Parts dürfen natürlich ebenso wenig fehlen und bereiten den Klang von COG einen durchaus treibenden Charackter, dem Langhaarträgern durchaus durch bereitwilliges Bangen Tribut zollen dürfen. Den Abschluss der CD liefert das mit 6:20min längste Stück der insgesamt gut 44 minütigen EP „Levianthan“, welcher mir von den vier, allesamt sehr ordentlichen, Kompositionen am meisten Freude bereitet.

„Split 2008“ ist also jedem Freund härteren Metals sehr ans Herz zu legen. Während man bei den ersten fünf Stücken von ungebremster Brachial-Intensität umgeblasen wird, geht es nach dem Übergangs-Instrumental mehr in den melodischeren, jedoch ebenfalls nicht zimperlichen Part über. Eine kleine Schwäche ist, dass sowohl die FFH- als auch die COB-Werke jeweils untereinander nicht sonderlich viel Varianz aufbieten, weshalb auf die einzelnen Titel auch nicht sonderlich speziell eingegangen werden kann. Über dieses Manko tröstet jedoch die äußerst ansprechende Produktion der Klangwerke hinweg, die besonders bei den FAR FROM HORIZON-Sachen einfach keinen Grund zum maulen lässt. Mit dem, was einem hier geboten wird, würde man sich über einen ähnlichen Aufstieg wie bei den am Anfang erwähnten CALIBAN und HEAVEN SHALL BURN nicht wundern!
Alexander Vogt

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FAR FROM HORIZON

FFH bieten pures audiovisuelles Gemetzel, die Band aus den Katakomben Ostwestfalens ist ein wahres Vorzeige-Genrebeispiel des rasanten Death Metals mit Coreeinschlag. Im Songwriting hat sich das Quintett aufs Wesentliche konzentriert, auf der Menükarte steht saftiges Riffsteak (blue) ohne allzu viel Nintendo-Carpaccio als Beilage, die Soundköche haben ihr metallenes Werkzeug rasiermesserscharf gewetzt und ihr Können unter Beweis gestellt. Knackige Hausmannskost auf hohem Niveau mit besten Zutaten zubereitet, würzig abgeschmeckt und auch im Abgang von guter Konsistenz. Geradezu deliziös.

An der Qualität der Aufnahme gibt es wenig zu bemängeln, die Jungs verstehen auch dieses Handwerk. Das Drumming ist druckvoll und intensiv, der Bass knallt ordentlich, rabiate Gitarren feuern wahnwitzige Salven, klingen in der Abmischung jedoch etwas zu stark nach Schmirgelpapier. Die Breakdowns prasseln wie Eruptionen eines Vulkans auf den imaginären Moshpit hernieder, die vorherrschende Brachialität lässt auch Melodieläufe passieren, vereinzelte Gangshouts sind gut platziert, die Musiker wissen, wie man harten Metal spielt und machen in jedweder Hinsicht keine Gefangenen. Das sanft melancholische Outro stellt unter Beweis, dass hier Musiker an der Arbeit sind, die nicht nur bollern und fetzen können. Lediglich die Vocals im Low/ High Pitch Wechselgebrüll fallen doch leicht klischeehaft und eintönig aus. Ein ausgefeiltes Konstrukt eines Zweitligisten mit Aufsteigeravancen, fachmännisch aufgenommen und gemastert, schlichtweg unglaublich, dass so etwas in Eigenregie und Heimarbeit entstehen kann.

Man hat den Eindruck, mit FAR FROM HORIZON eine vollwertige Profimannschaft vor sich zu haben, die in einer höheren Liga spielen könnte, aber dazu verdammt ist, sich gelegentlich warmlaufen zu dürfen und ihr Dasein ansonsten in den Umkleidekabinen zu fristen. Design, Myspace- Auftritt, Merchandise: Alles präsentiert sich in Perfektion. Das einzige und entscheidende Manko, welches die Band im ostwestfälischen Niemandsland hält: Der Hauptsponsor fehlt. Ist das nun negativ zu bewerten? Nein, gewiss nicht, bei den Protagonisten handelt es sich mehrheitlich um erfahrene Musiker, die nicht nur musikalisch die Vorarbeit für eine Karriere in größerem Stil geleistet haben. Manch eine Amateurband mit großen Erwartungen könnte sich sowohl vom Engagement als auch der Reife von FAR FROM HORIZON eine gute Scheibe abschneiden, das würde viele Türen schneller öffnen.

CULT OF GAIA

Das Quintett aus Aschaffenburg meistert die eigene Innovation, kombiniert Wahnwitz und Epos in tiefschwarzem, todesmelodischem Gewand, maßgeschneidert aus bestem nordeuropäischem Stoff, vielschichtig und intensiv. Die deutschen Liedtexte sind lyrisch gekonnt inszeniert, abgrundtief finster und erschließen eine modrige Unterwelt, in der Verderben und Niedergang regieren. Fronter Moritz leiht einer halb skelettierten Moorleiche seine Stimme, die auf einem Geisterross aus zackigen Riffs und Melodiebögen sitzend durch die mythologische Nacht irrt, gepeitscht von rachsüchtigen Trommelwirbeln und quälenden Basslines.

Die vier Tracks auf dem Splitalbum mit FAR FROM HORIZON sind jedoch kein zielloser Querfeldein- Ritt, sondern ein vielschichtiges Konzept eindeutig skandinavischen Charakters mit einem Hauch Core in der Peripherie, siehe den Track „Leviathan“. Die Aufnahmen aus den Münchner „Helion Studios“ lassen keine Fragen offen, was man von CULT OF GAIA auch in Zukunft zu erwarten hat. Alle Bandmates stellen ihr hohes technisches Niveau unter Beweis, die Gitarren jodeln ausdrucksstark und sehr sauber, noch mehr Desinfektion wäre allerdings schädlich gewesen. Der Bass, vielerorts schmählich vernachlässigt, kommt hier zu seiner vollen Entfaltung und Daseinsberechtigung, während das Drumming insgesamt etwas fetter klingen könnte. Nichtsdestotrotz wird das außergewöhnlich prägnante Snarefeuer sehr gut hervorgehoben. Gewöhnungsbedürftig ist das Geschrei, welches sich irgendwo zwischen Kreischen, Bellen und Grunzen bewegt, aber in der Ausführung und im Gesamtbild ebenfalls überzeugt.

Ich bin gespannt, was CULT OF GAIA, die zuerst 2006 als Jamming/ Recording Projekt in Erscheinung traten, noch so alles aus ihrem Hut hervorzaubern werden. Die Kopplung von Death- und Black Elementen präsentiert sich keineswegs trendhörig noch als notgedrungen modifizierter Traditionalismus. Ein höchst eigenständiger Stilmix von hohem Wiedererkennungswert und enorm viel Potential. Diesem Sound gehört die Zukunft.

Fazit:
Zwei artverwandte Bands eines weitverzweigten Genres machen ihre Aufwartung in erstklassiger Form. Das Splitalbum ist für Freunde des brachialen Hartmetalls ein Hochgenuss, beide Bands ballern unverdorben und doch gekonnt drauflos, als ginge es um Leben und (vor allem) Tod: Frische Ideen, stahlharte Ruppigkeit und gute Tonqualität direkt aus dem Untergrund, dem sowohl FAR FROM HORIZON als auch CULT OF GAIA schnell entwachsen könnten.

Die CD ist über die Homepages der Bands erhältlich.
Chris Sluiter

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