Band Filter

FARATUBEN - Sira Kura

VN:F [1.9.22_1171]
Artist FARATUBEN
Title Sira Kura
Homepage FARATUBEN
Label SOUNDS OF SUBTERRANIA
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Zwischen Aarhus und Bamako liegen 6.593 Kilometer. Aus Afrika zieht es schon lange Menschen nach Europa – umgekehrt ist dies eher selten der Fall. „Sira Kura“, das Debüt-Album der dänisch-malischen Band FARATUBEN, zeigt was möglich, wenn sich Künstler aus der eigenen Komfortzone herausbewegen, um sich auf Augenhöhe zu begegnen. Die Musik der in Bamako, der Hauptstadt Malis, lebenden Kapelle ist keine weitere Variante des Afrobeat, keine retroselige Erinnerung an FELA KUTI. Es ist eine elektrische Version der jahrhundertealten Bwa- und Bobo-Musik, die sich von den traditionellen Kora-Klängen eines Toumani Diabaté und Salif Keita durch mehr Druck und Tempo unterscheidet.

Die drei Dänen Mikas Bøgh Olesen, Jakob de Place und Mads Voxen kamen im Rahmen eines Austausch-Programms des Conservatoire de Arts et Metiers Multimédia (CAMM) nach Mali, wo sie zum ersten Mal traditionelle Bobo-Musik hörten. Bobo, so nannten die französischen Kolonialherren das Volk der Bwa, eine unterdrückte Minderheit, die in Burkina Faso und im Norden von Mali lebt. Die perkussive Musik der Bwa wird von diversen Perkussion-Instrumenten und dem Klang des Balofons, einer Art Xylofon mit untergehängten Kalebassen vorangetrieben. Die drei dänischen Musikstudenten waren total begeistert von diesem dynamischen Sound, der in Mali religiöse Zeremonien ebenso begleitet wie Hochzeiten und Partys.

Zusammen mit Gitarrist und Studiobesitzer Dieudonne Koita, Sänger Sory Dao und dem Balofon-Virtuosen Kassim Koita formierte sich eine Band, die ursprünglich nur ein einziges Mal auftreten sollte: beim Bamako Jazz Festival. Auf den Plakaten stand damals noch der Name BOBO JAZZ EXPERIENCE. Doch der Auftritt war zu grandios, um nicht weiterzumachen! Im Bogolan Studio in Downtown Bamako spielten die Musiker kurze Zeit später die Songs „Terete“ und „Pari“ ein, die beim TV-Sender ORTM und diversen malischen Radiostationen schnell auf heavy Rotation liefen. Die Combo hatte sich für den Namen FARATUBEN entschieden, eine Kombination der Worte ‚Farafin‘ (= schwarz) und ‚Toubabou‘ (= weiß). Die Musiker proben und leben oft zusammen in den Bergen außerhalb von Bamako, in einem Dorf namens Kati, wo die Familie Koita zuhause ist. Es handelt sich hier um einen großen Clan, der schon viele bedeutende Musiker hervorgebracht hat.

FARATUBEN wurden in Mali immer populärer und es wurde höchste Zeit für ein erstes Album: „Sira Kura“ ist eine extrem abwechslungsreiche Fusion, in der sich die pulsierenden Polyrhythmen der Bwa-Musik mit Elementen aus Jazz- und Art-Pop organisch und auf technisch hohem Niveau verbinden. „Eine moderne Mischung aus 10CC und OSIBISA“, nennt es Keyboarder Mikas und tatsächlich besticht der Erstling durch eine Melodik und ein komplexes Songwriting, wie man es im Afrobeat nur selten findet. Auf Bambara, eine der vielen Sprachen, die in Mali gesprochen werden, bedeutet „Sira Kura“ so viel wie ‚Neue Richtung‘. Doch FARATUBEN geht um mehr als um Partys und gute Laune. Das mitreißend kämpferische „Mi Njan Mure Mure“ erzählt etwa von der Zeit als Mali eine französische Kolonie war. FARATUBEN sehen sich als gelebten Anti-Rassismus und haben sich inzwischen auch in Skandinavien eine treue Fan-Gemeinde erspielt. In Dänemark, wo die Platte bereits im letzten Jahr erschien, wurde „Sira Kur“ mit dem Danish Music Award für das beste ‚Globalpop Album‘ ausgezeichnet. Im August folgte eine Nominierung für den DMA-Roots-Award. Von März bis August saßen FARATUBEN coronabedingt in Aarhus fest und konnten erst Ende des Monats nach Mali zurückkehren. Im Gepäck: Songs für das zweite Album, doch in Deutschland erscheint jetzt zunächst einmal „Sira Kura“.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu FARATUBEN