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FEHLFARBEN - Über… Menschen

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Artist FEHLFARBEN
Title Über… Menschen
Homepage FEHLFARBEN
Label TAPETE RECORDS
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Eigentlich bin ich für die FEHLFARBEN fast noch zu jung. Als sich die Band aus Düsseldorf und Wuppertal 1979 während eines Konzertes von THE TEARDROPE EXPLODES in London gegründet hat, war ich noch der musikalischen Sozialisierung durch meine Eltern ausgesetzt und die war in erster Linie durch Schlager und Volksmusik geprägt. Jahre später kam ich dann allerdings mit dem 1980er Debüt „Monarchie und Alltag“ in Berührung und somit auch mit Songs wie „Ein Jahr (es geht voran)“ und „Paul ist tot“. Und wenn eine Kapelle ihre Platte „Knietief im Dispo“ (aus 2002) nennt, muss sie ja mein Herz im Sturm erobern. Zwischenzeitlich war es um FEHLFARBEN allerdings ruhig geworden, denn 1984 hatte man sich aufgelöst und die Wiederbelebungsversuche in den Neunzigern waren nicht wirklich erfolgreich. Anfang des neuen Jahrtausends schwamm man ein wenig auf dem damaligen NDW-Revival, kommerzieller Erfolg wollte sich aber nicht so recht einstellen.

Damit sollte auch bei „Über… Menschen“ niemand rechnen. Dafür fallen FEHLFARBEN viel zu sehr aus der Zeit und ziehen stur ihr Ding durch. Mit ihrem orgeligen Opener „Untergang“ bleibt selbiger zunächst noch in weiter Ferne und wenn mit viel Schwung „So hatten wir uns das nicht vorgestellt“ skandiert wird, gerät das Ganze zu einer tanzbaren Abrechnung mit den vergangenen Jahrzehnten, während „Der Dinge Stand“ mit nachdenklichen Tönen den Finger auf die Wunden der Zeit legt. Elektronische Frickeleien zeichnen derweil „Sturmwarnung“ aus, bevor „Das Komitee“ mitsamt knackiger No-Wave-Funk-Rhythmen tagt. Stilistisch lassen sich die Herrschaften offensichtlich nicht gern festlegen, denn während „Rein oder raus“ so etwas wie Slowfox-Pogo ist, klingt beim reduzierten „Urban Innozenz“ ein schleppender Reggae-Groove mit, bevor mich „Der Mullah vom Bodensee“ nicht nur wegen des Titels an „Die Sennerin vom Königssee“ denken lässt. „Der Mann den keiner kennt“ zeigt ebenfalls deutliche NDW-Anleihen, wohingegen das bassbetonte „Wenn die Welt“ stärker Richtung Post-Punk tendiert und das finale „Passieren“ mit elektronischen Mitteln allerlei Wortspielereien durch die Boxen jagt.

Keine Frage, FEHLFARBEN lassen sich auch heuer nicht vor irgendeinen Karren spannen und machen auf „Über… Menschen“ lieber das, was sie für richtig halten. Dabei haben sie durchaus eine Meinung zum Zustand der Welt und tun diese auch kund. Der Sound ist dabei insgesamt etwas abwechslungsreicher geworden und die Stimme von Gründungsmitglied Peter Hein eine Nuance tiefer.

1 Kommentar

  1. Gidorah sagt:

    Das neue Album kennen ich zwar noch nicht, hab sie aber Samstag in Hamburg Live gesehen.

    Ein paar neue Stücke waren logischerweise auch dabei.

    Richtig schön wars mal wieder!!!

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