| Artist | FIGHTCAST |
| Title | Breeding a Divinity |
| Homepage | FIGHTCAST |
| Label | KOLONY RECORDS |
| Leserbewertung |
Dass Italiener weitaus mehr beherrschen als Pizza, Pasta und Sportwagen beweisen FIGHTCAST mit ihrem ersten Longplayer „Breeding a Divinity“ einmal mehr sehr eindrucksvoll. 2004 gegründet nahmen sie direkt ihr erstes Demo („Killer Goodfellas Family“) auf, das ihnen unter anderem die Tür als Support für CALIBAN oder auch THE AGONY SCENE öffnete. Dies geschah mit Sicherheit nicht zufällig, denn eine gewisse musikalische Verwandtschaft lässt sich nicht von der Hand weisen („la famiglia“ quasi).
Schon im Opener „Poison Cage“ wird man mit einer THE AGONY SCENE-ähnlichen Wucht begrüßt und von CALIBANischem Groove und ähnlich „kotzigen“ (durchaus positiv gemeint!) Shouts willkommen geheißen – das versteht man also unter italienischer Gastfreundschaft. Ein jeder Metalcorer sollte sich aber genau deshalb direkt heimisch fühlen, auch wenn die clean-gesungenen Parts (meistens der Refrain) nun nicht gerade einem ANDREA BOCELLI Konkurrenz machen und sicherlich zum einen etwas gewöhnungsbedürftig und zum anderen auch verbesserungswürdig sind. Dennoch haben sie ihren eigenen, kleinen Charme und mit ein wenig Wohlwollen kann man auch getrost über die Schwächen hinwegsehen, angesichts der anderen sehr guten Eigenschaften des Quintetts. Wirkte Stück Numero Uno ein klein wenig unstrukturiert, bringt der zweiten Track „Filter“ zwar keinen sonderlich herausragenden, aber immerhin gradlinigen Song zu Tage. Ab Titel Nummer drei „Three ghosts for you“ kommen die fünf Italiener dann aber erst so richtig in Schwung. Was Melodie angeht, lässt SOILWORK freundlichst grüßen, eine Tatsache, die den anfänglich guten Eindruck noch eine Stufe weiter nach vorne katapultiert. Stampfender Bass, aggressive Shouts, mitreißender Rhythmus, welcher dem Schlagzeug genau so zu verdanken ist wie die messerscharfen Leads der sauberen Gitarrenarbeit – zusammen mit der erwähnten Melodie kreieren FIGHTCAST eine nur schwer zu widerstehende Mischung. Vor allem „New shade behind“ und „Illogical Trip“ weisen Hitcharakter auf. Die Italiener nehmen sich keine Zeit für künstliche Romantik und donnern regelrecht durch ihr Album, dass es nur so eine Freude ist und man den Eindruck hat, den mafiamethodischen Zementklotz nicht an den Beinen zu haben sondern um die Ohren geschlagen zu bekommen – das aber wie gesagt sehr melodisch und mit ins Blut übergehendem Rhythmus! Das Songwriting ist zwar nicht unbedingt innovativ, aber dafür sehr souverän und lässt mit einem Gitarrensolo hier und einem Breakdown da nicht viel Raum für Langeweile, und das 9 Tracks lang, in etwas mehr als 34 Minuten. Den Abschluss bildet der Titeltrack, ein ziemlich verstörendes Outro mit Geräuschen von spielenden Kindern, elektronischem Knallen, Leierkasten Musik und einer schräg verzerrten Baby-Lache, was eine schaurig schöne Horror-Atmosphäre schafft.
Gar nicht schaurig zumute ist mir nun, wenn ich sage, dass FIGHTCAST mit „Bleeding a divinity“ ein sehr beachtliches Album-Debüt abgeliefert haben. Zwar wird man nun bei Gondelfahrten durch Venedigs Kanäle nicht unbedingt auf ihr musikalisches Liedgut zurück greifen, dafür sollte man aber in Europas Metalszene sehr bald ihren Namen im Hinterkopf haben, wenn es um guten Metalcore geht, der zwischen SOILWORK und CALIBAN liegt und von fünf Jungs zusammengespielt wird, die über kurz oder lang durch ihr durchaus vorhandenes Talent von sich reden machen werden!

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