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FINAL PRAYER - Berlin

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Artist FINAL PRAYER
Title Berlin
Homepage FINAL PRAYER
Label ACUITY MUSIC
Leserbewertung
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7.0/10 (3 Bewertungen)

Hippe Großstädter stehen voll auf den überfrachtet hektischen Lebensstil der Bundeshauptstadt, doch dass Berlins scheinbar makellose Haut nach glamourösen Nächten meist von hässlichen Wunden gesäumt ist, hat nicht zuletzt selbst PETER FOX erkennen müssen. Da ist es wohl nur fair, wenn der rege Hardcore-Untergrund in Form rauer Konturen eine Alternative zu CULCHA CANDELA und KALKBRENNER (wobei selbst der die Abgründe der eigenen Szene im filmischen Rahmen darstellte) im kulturellen Stadtbild anbietet. Berechtigterweise haben sich nun FINAL PRAYER nach langjähriger Präsenz im deutschen und europäischen Raum das Recht genommen, diesem Gedanken neuen Auftrieb zu verleihen und mit der Namensgleichen „Berlin“ EP der Heimat einen Haufen klare Statements vor die Stirn zu nageln.

Das macht Sinn, wie im Hardcore üblich reicht die Zeit allerdings nicht für lange Reden. Daher hat man sich mit drei mehr oder weniger neuen Stücken recht kurz gefasst, was Anhänger nach bereits dreijähriger Wartezeit seit der letzten richtigen Platte „Filling the void“ missmutig stimmen könnte. Spekulationen bezüglich einer möglichen Schaffensflaute FINAL PRAYERs lässt der eröffnende „Mind eraser“ jedoch gleich wieder unter seinen enormen Wucht ersticken, und schlagartig stellt sich Zufriedenheit ein. Das Pausieren hat die Energie der Berliner kein Stück dezimiert, denn der thrashig schnelle Melo Hardcore, der die Jungs einst in die vordersten nationalen Reihen bestellte, poliert unverändert tough den kurzrasierten Schädel auf Hochglanz. Gewohnt politisch-sozial ausgerichtet schwingt die seit jeher durch gepflegte Szenewerte geprägte Kritik im strukturierten Gebelle und Crowdshout-Einlagen mit, die den aggressiven Endprodukten die notwendige Griffigkeit verleihen. „Final Hour“ zeigt das ähnlich deutlich, gestaltet es sich in seiner Kürze doch noch ein Quantum melodischer. End- und Kernstück der kurzen Vorstellung ist logischerweise das Titelgebende „Berlin“, wie im Vorfeld angekündigt ein Cover der NDW-Erfolgsmusiker IDEAL. Eigens interpretiert bollert das Teil in unwahrscheinlich fetter FP-Manier, der einstige, völlig ungeschliffene Klassiker aus den 70ern/ 80ern hat aber auch in diesem modernen Gewand nichts an seinem Hymnen-Charakter verloren… gerade der rotzige Refrain ist allererste Sahne! Thematisch passt die auserkorene Vorlage, die einen frech formulierten Querschnitt durch die Atmosphäre Berlins gut ein Jahrzehnt vor der Wende bietet, natürlich wunderbar zum kritischen Hintergedanken dieser EP. Abgerundet wird die Darbietung durch herrliche Beiträge vom anscheinend auf allen Hochzeiten tanzenden WFAHM-Shouter Nico und dem hinreichend bekannten BEATSTEAKS-Gitarristen Bernd Kurtze, die sich sowohl leicht flapsig überzogen als auch energisch durch diese absolut töfte Huldigung in Neuauflage trällern.

Damit könnten es FINAL PRAYER sogar locker bis in die Tanztempel der Nation schaffen, ein Bierlauniges „Wir steh’n auf Berlin!“ ist den kommenden Shows auf jeden Fall gesichert. Wer sich aber auch zu Haus von der Präsenz der zurecht immer noch weit vorne rangierenden Berliner Hardcorer im Jahre 2011 und der hohen Wahrscheinlichkeit einer sich im kommenden Jahr anbahnenden mächtigen Langspielkeule überzeugen will, der kann sich die drei Stücke im jungen Let It Burn Download-Ableger Acuity Music online besorgen, oder, wo hier doch ohnehin schon die Retro-Schiene befahren wird, zum klassischen Vinyl greifen. In welcher Form auch immer, Zugreifen kann man bedenkenlos und sollte sich für deutsche (gerade Berliner) Hartschalen als absolute Pflicht verstehen!

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