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FIRST HUMAN FERRO FEAT. KENJI SIRATORI - Adamnation

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Artist FIRST HUMAN FERRO FEAT. KENJI SIRATORI
Title Adamnation
Homepage FIRST HUMAN FERRO FEAT. KENJI SIRATORI
Label EIBON RECORDS
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Manchmal muss es gigantisch sein. Für „Adamnation“ (übrigens ein Begriff, den das Englische lexikalisch gesehen nicht kennt) suchten FIRST HUMAN FERRO nicht nur den Kontakt zum japanischen „Cyber-Punk“ Autoren Kenji Siratori (dessen erstes Buch, „Blood Electric“ von tausenden als unlesbar und von David Bowie als fantastisch beurteilt wurde), sondern auch zu Mykhayil A. Shukh, den „größten zeitgenössischen ukrainischen klassischen Komponisten“. Dessen Messe für einen Sopran-Chor, Orgel und Synthesizer bildet nun die Basis fürs Album – und einen wahrhaft psychedelischen Trip auf ohrenbetäubender Lautstärke.

Das ist überhaupt das erste, was einem an „Adamnation“ auffällt: Dass es ohne sich einen Tinnitus zuzuziehen eigentlich kaum zu konsumieren ist. Shukhs chorale Hymnen und orchestrale Oppulenz ertrinken gleich im Öffner in einem See aus Feedback und kreischendem weißen Rauchen. Oben drüber plappert Siratori noch auf Japanisch Sätze wie „Mask the embryo reverse side in the moon siren“. Das Stück heißt „One Mile of Madness“, man versteht sofort warum. Die übrigen Teile der irrwitzigen Symphonie folgen im Grunde genommen einem ähnlichen Schema: Die klassischen Elemente dürfen kurzzeitig in sanfter Schönheit und delikatem Anmut erstrahlen, ehe die Elektronik mit der Wucht eines Orkans darüber hinwegfegt. Auf „Chameleon Horizon“ schlängeln sich feuerzüngelnde Sirenenmelodien durch Seen aus Pech, Schwefel und tantrischem Sitarsaitenschnarren, während sich das Echo aus tausend rückwärtslaufenden Metallschleifen ins Unendliche steigert. Der Kontrast zwischen menschlichem und außerirdischem Material bleibt über die gesamte Länge des Albums bestehen, lediglich das abschließende, viertelstündige „Spiralworld“ ist ein sanfter, beruhigender Abgesang. Erstaunlicherweise wird hier die eigentliche Absicht des Werks deutlicher denn in dem brüllenden Albdruck der ihm vorangeht. FIRST HUMAN FERRO wollen weder schockieren, noch haben sie es nötig, mit einem drastischen Krachepos ihre Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Stattdessen scheint ihre Musik von der Maxime auszugehen, dass wahrhaft überwältigende Gefühle auf dem Ausstoß von Hormonen beruhen. Die Pracht der sanften weiblichen Stimmen und die meditativen Orgeltöne sublimieren erst in dem Moment ihrer Zerstörung, an dem Punkt an dem das Ohr zu platzen droht.

Natürlich wird man von diesen aggressiven Schallwellen zunächst einmal in den Sitz zurückgeworfen und platt gepresst. Doch allmählich setzt ein Gewöhnungsprozess ein und man sieht “Adamnation“ in spektralen, übernatürlichen Farben und durch einen Schleier aus süßen Düften hindurch. Es ist ein zugleich abschreckendes wie süchtig machendes Stück, wahnsinnig und dabei minutiös geplant. Und vor allem: Gigantisch.

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