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FITZCARRALDO - Lass sein was ist

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Artist FITZCARRALDO
Title Lass sein was ist
Homepage FITZCARRALDO
Label BAXXBEATMUSIC
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

Diejenigen unter euch, die nicht nur dem Popcorn-Kino zusprechen, werden bei FITZCARRADO möglicherweise zunächst an den Werner-Herzog-Film mit dem exzentrischen Klaus Kinski in der Titelrolle denken. Seit 2006 gibt es in Aschaffenburg jedoch eine Post-Rock-Kapelle gleichen Namens, die drei Jahre nach ihrem Debüt „Herbst“ jetzt den Nachfolger „Lass sein was ist“ in die Plattenläden gebracht hat.

Ähnlich wie Herr Kinski halten auch die vier Unterfranken nicht viel von massentauglicher Beliebigkeit und frickeln sich lieber mit ihren neun, nur sparsam mit Text oder gar Gesang versehenen Stücken in die Herzen ihrer Zuhörer. Hier und da blitzen wie zu Beginn des Openers „Treibjagd“ Sprach-Samples auf, im Vordergrund steht jedoch ganz klar die explosive Instrumentierung, die neben Störgeräuschen, minutenlangen Feedbackgewittern und Dampfwalzenriffs auch cleanes Gitarrengezupfe und Laut-/Leise-Wechsel im Programm hat. Die Tracks bauen dabei durchaus aufeinander auf, stehen aber genauso für sich, wobei ich gern wüsste, welche Intention FITZCARRALDO mit dem treibenden „Prima 5 S“ verfolgen. Leider gänzlich ohne Lyrics versehen, kann ich nur mutmaßen, dass wir es hier mit einer scheppernden Hymne auf eines der beliebtesten Hercules-Mofas der Achtziger zu tun haben. „Momentaufnahme“ verlegt die Intensität der Musik in ruhigere Gefilde, um mit „Dämonen in uns“ erneut einen monumentalen „Wall of Sound“ zu erschaffen, bei dem auch wieder vereinzelt menschliche Klänge zu vernehmen sind. Fast schon loungig mutet da „Feuerwerk“ an, ehe der Titelsong „Lass sein was ist“ wieder in die Vollen geht, um mit „Nichts“ melancholische Klangwelten aufzusuchen, in denen sich das Quartett auch beim finalen „Du bist die Hoffnung, ich bin der Abgrund“ bewegt. Über fast zehn Minuten bauen FITZCARRALDO eine immense Spannung auf, die nicht nur düsteren Pessimismus auf einer Achterbahn der Emotionen offenbart, sondern in erster Linie den optimistischen Wahlspruch „Lass sein was ist, lehn dich zurück, mach dich locker, aber gib niemals auf.“ vermittelt.

Man merkt „Lass sein was ist“ an, mit wie viel Herzblut die Platte entstanden ist. Der spröde Sound erschließt sich zwar nicht unbedingt beim ersten Hören und an der einen oder anderen Stelle hätte der Schreigesang, den sich FITZCARRALDO bis ganz zum Schluss aufgehoben haben, den vertrackten Langäxten sicherlich gut getan. Insgesamt aber ein hörenswerter, handwerklich sauber abgelieferter Post-Rock-Rundumschlag, der vermutlich erst live sein ganzes Potenzial unter Beweis stellt.

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