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FITZCARRALDO - Oldenburg EP

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Artist FITZCARRALDO
Title Oldenburg EP
Homepage FITZCARRALDO
Label BAXXBEAT MUSIC
Leserbewertung
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3.0/10 (23 Bewertungen)

Nein, FITZCARRALDO kommen nicht aus Olden-, sondern aus Aschaffenburg. Die EP hat vielmehr den Namen der norddeutschen Stadt bekommen, weil die Aufnahmen in der Tonmeisterei Oldenburg erfolgten. Außerdem tragen die Unterfranken ihre Vierer-Combo mit diesem auf 100 handnummerierte Exemplare limitierten Silberling zu Grabe. Das bedeutet jedoch nicht, dass FITZCARRALDO vor der Auflösung steht. Vielmehr gibt es ein neues Bandmitglied und da hat die bisherige Mannschaft wohl das Bedürfnis, einen Schlussstrich zu ziehen.

Der ist ohne Frage ziemlich düster ausgefallen, denn die fünf bisher unveröffentlichten Songs der „Lass sein was ist“-Sessions (das Album ist 2010 erschienen) entführt den Hörer in dunkle Post-Rock-Sphären, die nur im Opener „Lust auf Doom?“ sprachliche Unterstützung finden. Nach einem ruhigen Einstieg hört man plötzlich die Synchron-Stimme von Peter Finch, der 1976 in der Mediensatire „Network“ von Sidney Lumet den Anchorman Howard Beale spielte. Selbiger forderte seine Zuschauer in einer flammenden Rede u.a. auf, ans Fenster zu treten und „Ihr könnt mich alle am Arsch lecken! Ich lass’ mir das nicht mehr gefallen!“ zu rufen. Solche Sequenzen passen natürlich zu einer Kapelle, die sich 2006 nach einem Werner-Herzog-Film mit Klaus Kinski benannt hat. Ansonsten setzt das Quartett jedoch auf die Macht ihrer Instrumentalmusik, die im Fall von „Pneumonie“ die morbide Stimmung aufnimmt, die durch die Einführung aufgebaut wurde. Mit verhaltenen Klavierakkorden schließt sich „Olympiade“ an – hier versiegt der Sound fast im Nichts, bis schließlich „Howard“ den Faden aufnimmt, langsam wabernde Elektronik einspinnt und am Ende dissonanten Gitarren und massiven Drums das Feld überlässt. Mit dem finalen „Ruine“ wird es tatsächlich ein wenig doomig, was dem musikalischen Gesamtpaket (der ein paar mysteriöse Sprachfetzen erhalten hat) gut zu Gesicht steht.

Was FITZCARRALDO da auf die Beine stellen, ist schon ziemlich speziell, aber keineswegs überflüssige Resteverwertung. Wir dürfen gespannt sein, wie es bei den Herrschaften in Fünfer-Formation weitergeht. Ach ja: Peter Finch hat für seine Darstellung des durchgeknallten Fernsehmannes Beale übrigens posthum einen Oscar bekommen.

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