Band Filter

FIVE FINGER DEATH PUNCH - The Way of the Fist

VN:F [1.9.22_1171]
Artist FIVE FINGER DEATH PUNCH
Title The Way of the Fist
Homepage FIVE FINGER DEATH PUNCH
Label UNIVERSAL
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.9/10 (17 Bewertungen)

Es war einmal ein Junge, dessen Freude es seit seiner frühesten Kindheit war, Musik zu lauschen. Dabei begegnete er hin und wieder Musikern, deren Künste ihn mehr noch als die aller anderen faszinierten. So geschah es dann im Jahre 2003, dass er beim Fernsehen auf den Song „Suffocate“ vom TEXAS CHAINSAW MASSACRE (03er Version!) Soundtrack stieß. Hauptgrund dafür war neben dem Gesamtwerk vor allem die Stimme des Sängers, der sich später als Ivan Moody herausstellen sollte. Intensität, Höhe und Tiefe passten einfach perfekt und die Leidenschaft, die er dabei an den Tag legte, ergriff den Jungen ohne Vorwarnung. Von dem Punkt an zählte jener Ivan zu den Helden seiner Kindheit, was sich Mr. Moody durch seine Dienste bei Bands wie BLACK BLOOD ORCHESTRA, GHOST MACHINE und vor allem aber MOTOGRATER erarbeitete. Als sich Letztgenannte 2005 auflösten, brach große Trauer aus bei dem Jungen…

Doch zwei Jahre später wichen die Tränen der Trauer denen der Freude, denn der nun ebenfalls dem Laufe der Zeit folgende und somit auch älter werdende Junge ging immer noch seiner Leidenschaft für Musik nach. Und so stieß er auf die gerade ihr Debüt-Album „The Way Of The Fist“ veröffentlichenden FIVE FINGER DEATH PUNCH. Ihr Frontmann: Ivan Moody. Keine Frage, dass die Band von nun an unter seiner strengsten Beobachtung stand und seine Sammlung direkt mit dem guten Stück erweitert werden musste, war die Musik doch einfach der freudig euphorisierende Wahnsinn! Das Konsumieren des Albums glich einem Qualitäts-Härtetest für Compact Disks, so unaufhörlich rotierte sie in dem Player des nun jungen Mannes, bis sich auch das letzte Wort und der letzte Drumschlag in seinem Hirn festgesetzt hatten. Und dann, circa eineinhalb Jahre später, als er dachte es kann gar nicht mehr besser kommen, lag sie eines Tages in seinem Postkasten: FIVE FINGER DEATH PUNCHs „The Way Of The Fist“ als europäische Version, mit neuem Cover und zwei Bonus-Tracks. Und sofort ergriff ihn die Euphorie erneut:

Eingeleitet von aufputschenden Schreien beginnt der Opener „Ashes“ direkt mit der erbarmungslosen Double Bass-Maltration von Ex-W.A.S.P.-Schlagwerker Jeremy Spencer. Dazu gesellen sich die Riffs seines alten Weggefährten Darell Roberts (auch ehem. W.A.S.P. / kam erst nach den Aufnahmen zum Album in die Band und wurde mittlerweile in den Reihen von 5FDP durch den ehemalige ALICE COOPER Gitarristen Jason Hook ersetzt) und dem neuen Kollegen Zoltan Bathory. Dieser fällt nicht nur beim Opener durch seinen Hochgestimmten Sechsaiter positiv auf, mit dem er manch Komposition einen leicht orientalischen Touch gibt. Als dann auch noch die Stimme Ivans erklingt, ist der erste Hit beim ersten Song schon gefunden. Wütend schimpft er sich durch die Strophen bis hin zum Refrain, den er dann wieder sehr stimmungsvoll mit Klargesang vertont. Sehr gefällig das alles, die Instrumentenfraktion treibt die Komposition straight nach vorne. Der nachfolgende Titeltrack rumpelt dagegen dann eher gehörig los und wird nach Aufforderung Ivans („Break that shit down! Zoltan: open the sky!“) von eben jenem mit einem kleinen Solo eingeleitet. Anschließend zeigt sich, warum das Stück seinen Namen inne hat und das frisch abgedrehte Cage-Fighting-Video Dazu passt wie die Faust aufs Auge: der Song schickt einen ohne Umwege auf die Bretter! Gnadenlos lässt Mister Moody seiner Wut freien los. Unfassbar wie authentisch er seine Lyrics stimmlich umsetzt! Untermalt wird der Wutausbruch etwas Nu Metal-mäßiger und mit vermehrten Breaks, was seinen Höhepunkt in einem mega Moshpart findet: „Step to me, step to me motherfu*ker“! Ähnlich startet dann „Salvation“ durch. Shouts und Texte sind immer noch sehr erbost, der Refrain gestaltet sich dafür als der bisher gefühlvollste. Spätestens hier fällt auf, wie gelungen die 5FDP-Mischung aus Hardcore-Intensivität des Hardcore, Metal-Melodien und Nu-Groove ist. „The Bleeding“ gönnt einem dann erstmal eine kleine Verschnaufpause. Die erste Single-Auskopplung beinhaltet überwiegend Clean Gesang, während es dann diesmal der Chorus ist, in dem die Aggression in Form von Shouts herausgelassen wird. Zoltan, Matt Snell am Bass und Co. halten ihre Instrumente ebenfalls in eher ruhigeren Gewässern, lassen sie dann aber wieder in „A Place To Die“ stürmische Wellen schlagen. Ist der Song an sich im Vergleich zu den übrigen eher unspektakulär, beinhaltet er eine sehr coolen Mittelpart, in dem sich Ivan langsam herrlich von Zoltans Gitarre unterstützt vom Cleangesang in Rage bringt: Schreigesang oder die Engelsstimme – seine weitgefächerte Palette hat für scheinbar jedes Wort genau den richtigen Ton parat! Bestes Beispiel das nachfolgende und hervorragende „The Devils Own“. Hier ist die Vertonung seiner Emotionen einfach perfekt, da kann sich so ziemlich jede Emo-Band mal eine Scheibe von abschneiden! Kein kitschiges Geflenne, SO hören sich wirkliche Verzweiflung, ehrliche Wut und wahrer Hass an! Dementsprechend textlich geht es auch zu werke: „Father, bastard, I’m the devil’s very own. Mother, know not, just who I’ve become. Father, hate me, for beeing all you’re not. Mother’s baby, I hate what I’ve become!“

Wiederum alles niedergemäht wird dann beim Kracher „White Knuckles“: Sehr kerniger Bass, die typischen fixen Drums und eine überaus griffige Hookline und schon steht der nächste Ohrwurm bereit. 5FDP variieren Sound und Gesang immer wieder auf neue, interessante Weise und verlieren dabei nie ihr Muster und ihre Richtung aus den Augen. So auch nicht beim Überhit „Never Enough“, der es bei dieser Version des Albums fest in die Tracklist geschafft hat, nachdem er in den Staaten anfangs gar nicht, später dann als einer von zwei Bonustracks dabei war. Doch der Entschluss kann nur beglückwünscht werden, das Ding geht einfach nur nach vorne! Ziemlich massentauglich durch die wenigen Shouts, aber unglaublich groovend und einprägsam, nicht nur dank seines Ohrwurm-Chorus. Verständlich, dass auch sich auch hierfür ein Video gegönnt wurde. Das hätte allerdings auch der zweite „ex-Bonustrack“ verdient: „Stranger Than Fiction“ beginnt sehr balladesk, doch der schein trügt. Schnell wird ein kräftiger Rocksong aufgebaut, der nun nicht mehr von dem Album wegzudenken wäre. Von Anfang an auf dem Debüt vertreten war dann wieder „Can’t heal you“, wo die bewerte Shout’n’Sing Strategie wieder zu tragen kommt. Dies allerdings ohne Abnutzungserscheinungen – dafür sind die Jungs aus Kalifornien einfach um zu viel Abwechslung bemüht und das Songwriting rund um die Texte zu interessant. Das Vorletzte Stück „Death Before Dishonour“ zeigt dann, das die Puste noch lange nicht verbraucht ist, schon gar nicht die von Jeremy Spencer an der Schießbude, der in den 45:45 Minuten Gesamtspielzeit keinerlei Schwächen zeigt. Sehr schöne Melodieführung beim Refrain, nachdem man sich jeweils zuvor ordentlich durch die Strophen rockte. „Meet The Monster“ beendet dann den Weg der Faust und trifft nochmal mitten rein! Ivan hat sich immer noch nicht beruhigt und seine Kollegen ziehen ebenfalls mit ihm in die Schlacht, bei der sie walzend und stampfend jeden Nacken des Rezipienten zerschreddern dürften.

Unglaublich starkes Comeback für Ivan Moody und ein noch viel höher zu bewertendes Debüt von FIVE FINGER DEATH PUNCH, die den Sprung über den „Großen Teich“ zum Glück geschafft haben. Und ihre Ladung wird auch unsere Ländereien erschüttern. So wie auch „The Way Of The Fist“, welches einen dermaßen in Ohnmacht schickt, dass man am liebsten nicht mehr aufstehen würde! Abwechslungsreich, gefühlvoll, wütend und nochmals wütend erlebt man das Quintett auf dem Dutzend feinster Kompositionen, die sehr ordentlich produziert wurden. An wenigen Stellen (z.B. beim Breakdown bei „White Knuckles“) hätte evtl. dann doch noch ein kleines (!) bisschen mehr Wumms gut getan, dass aber hindert mich nicht daran, dieses Album allen zu empfehlen, denen die zornige 5fDP-Mischung aus Metal, Hardcore und Nu Metal gefallen könnte – und glaubt mir, das wird sie! Glaubt jemanden, der als Junge im Jahre 2003 beim Fernsehen auf den Song „Suffocate“ vom TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Remake Soundtrack gestoßen ist… der Rest ist Geschichte!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

FIVE FINGER DEATH PUNCH - Weitere Rezensionen

Mehr zu FIVE FINGER DEATH PUNCH