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FIVE FINGER DEATH PUNCH - War is the Answer

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Artist FIVE FINGER DEATH PUNCH
Title War is the Answer
Homepage FIVE FINGER DEATH PUNCH
Label HELLFEST/ SPINEFARM/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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7.8/10 (26 Bewertungen)

Knuckleheads dieser Welt – freut euch: die „Cowboys from Hell“ dieses Millenniums sind zurück. Mit ihrem Debüt-Album „The Way Of The Fist“ haben FIVE FINGER DEATH PUNCH seit 2007 vor allem in den Vereinigten Staaten so ziemlich alles abgeräumt, was es abzuräumen gab. Neben diversen Charterfolgen (u.a. zwei Singles in den US-Top Ten, die Dritte immerhin auf Platz 16) und erfolgreichen (Welt-)Touren mit u.a. KORN, DISTURBED, MACHINE HEAD, SLIPKNOT oder auch DIMMU BORGIR und UNEARTH, ehrte sie der „Metal Hammer“ erst kürzlich mit dem „Golden God Award“ für die beste neue Band 2009. Genug Gründe also, um neugierig auf das neue Material zu sein, für das die fünf Kalifornier sogar kurzfristig einige Auftritte (auch hierzulande) cancelten. Ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat?

Mit „War is the Answer“ gibt das Quintett die passende Antwort auf diese Frage. Allein der Opener „Dying Breed“ hebt den Album-Titel schon weit über den Status einer Phrase hinaus und zerschlägt gleichzeitig die Ängste, man könnte sich nach dem unglaublichen Erfolg der Hit-Single „The Bleeding“ des Debüts zu sehr kommerzialisieren. Weit gefehlt, denn das eröffnende Stück feuert direkt los und lässt den die laut aufgedrehten Boxen beheimatenden Raum zum Kriegsschauplatz mutieren. Matt Snell beackert seinen Bass rücksichtslos wie eh und je und walzt damit im Gleichschritt mit Kollege Jason Hook und Bandgründer Zoltan Bathory „Saite an Saite“ auf einer megatreibenden Marschroute Richtung groovigen Modern Thrashs mit Rock und Nu Metal Einflüssen. Über all dem steht natürlich wieder der grandiose Frontmann Ivan Moody, der sich gewohnt hasserfüllt durch die Strophen schimpft, um im Refrain dann mit mehrstimmigem Gesang zu glänzen – Wahnsinns-Stück, das gerade durch den frischen Chorus zum ersten neuen Hit avanciert; und das mal ohne wirklichen Kommerz-Alarm, bei so einem Hassbatzen! Und er bleibt nicht mal eine Ausnahme, mit „Burn it down“ legt man sogar noch eine Schippe drauf und präsentiert einen derben Kraftprotz ganz ohne lieblichen Stimmeinsatz – hier wird nur getobt und so eine wahre Urgewalt geschaffen. Der gute Zoltan steuert erneut schöne Soli bei, doch die machen aus dem Titel trotzdem keinen Kindergeburtstag! Für selbigen bekommt man auch bei dem das Album abschließenden Titelsong keine Einladung, eine typische 5FDP-Komposition, in der Mr. Moody nicht nur bei der coolen Sprachgesang-Passage glänzt – ihm gelingt es einfach wie keinem anderen, Wut so überzeugend zu vertexten und umzusetzen. Doch natürlich rumpelt und walzt sich die Combo nicht ausschließlich im Terminator-Modus durch die gut 45 Minuten Gesamtspielzeit. Die erste Single-Auskopplung „Hard to see“ ist wie ihr Pendant „The Bleeding“ im Jahre 2007 enorm radiotauglich und besticht neben den schönen Leads und dem groovenden Schlagzeug vor allem durch Ivans atemberaubender Stimme. Unfassbar, was dieser Mann an Varianz an den Tag legt – ich habe es bei dem Erstling schon gesagt/ geschrieben, und ich tue es wieder! Ein wahrer Ohrwurm, der nicht nur durch die schöne Melodieführung zu gefallen weiß, sondern gegen Ende mit seinem Schrei- und Abgehpart noch mal ordentlich durch die Gitarrenarbeit samt Soli an Drive zulegt: Hit, der nächste! In gleicher Liga spielt auch „Walk Away“, bei dem es Ivan nun endgültig schafft, mit seiner Stimme Gänsehaut zu erzeugen. Der Song ist so gefühlvoll, so bewegend und wie eigentlich alle seiner Texte sehr persönlich; wer hier nicht mitfühlt und singt ist ein emotionales Wrack! So! Und dennoch gelingt es 5FDP, selbst da noch einmal einen drauf zu setzen und fährt mit „Far from home“ eine lupenreine Ballade auf, mit Streichern, Klavier und schöner Schlagzeug und Saitenarbeit, die ab der Mitte in Sachen Power nochmals nachtankt und so einen dann endgültig am Boden der Begeisterung knien hat. Das Spektrum dieser Truppe ist einfach gewaltig! In jenes fällt deswegen auch mal eben die Coverversion von „Bad Company“ der gleichnamigen 1973 in England gegründeten Rockband von Paul Rogers (der nach der Auflösung der Band 1983 zusammen mit Jimmy Page THE FIRM gründete – den gleichen Namen trägt auch das jetzige Label von 5FDP, was allerdings nicht die einzige interessante Gemeinsamkeit ist, da zu dem Label „The Firm“ u.a. auch LIMP BIZKIT mit Frontmann Fred Durst gehören, der wiederum bekennender Jimmy Page Verehrer ist – Exkurs Ende). Zelebrierten die Anführer der Knuckleheads dieses Cover schon einige Male extremst gelungen bei diversen Live-Auftritten, gibt sich auch die CD-Version nicht den Hauch einer Blöße. Eine weniger blueslastige, sehr gelungene Umsetzung, bei der sich Herr Moody auch mal erlaubt, den Text ein wenig anzupassen (so heißt es hier beispielsweise „I was born, a shotgun in my hand“ statt „I was born, 6-gun in my hand“). Ganz ohne Text gibt man sich dann erstmals bei „Canto 34“, einem sehr starken Instrumental, bei dem Gitarren-Virtuose Zoltan einmal mehr voll in seinem Element ist. Dass es unter den insgesamt 13 Klangwerken mit „Falling in hate“ und „My own hell“ ein paar weniger herausragende Titel gibt, bleibt da fast schon nicht aus. Ist erstgenannter durch seine schwer-schleppende Art zumindest für den Abwechslungsfaktor nicht unwichtig, ist es doch eine sehr typischer 5FDP-Wutausbruch, der eben nicht mehr ganz so euphorisiert wie andere Werke. Gleiches Schicksal trifft auch den zweitgenannten Track, welcher genauso wenig qualitativ minderwertig ist – man hätte ihn allerdings auch beliebig „The Way Of The Fist“ zuordnen können. Bei den „Rumpelparts“ in Gesamtkonzept der Band kann in Zukunft auch noch ein wenig nachgebessert werden, damit man in diesem Bereich ebenfalls so variabel und stark auftritt, wie in den anderen. Doch dies sind nur kleine Mankos gemessen am eigenen Standard, den man mit zwei bisher hier noch nicht erwähnten Kompositionen mal eben auf die nächste Stufe schraubt. Einer von ihnen hört auf den Namen „Bulletproof“ und weißt auch genau selbige Eigenschaft eindeutig auf: Jeremy Spencer an der Schießbude lässt die Double Bass ja schon routinemäßig qualmen und der Rest der Truppe tut ebenso alles dafür, aus der Nummer einen 1A-Aufputsch-Song zu machen. Ohrwurm-Chorus und schon übersteht das Teil jedes Sperrfeuer. Das absolute Highlight des ohnehin schon grandiosen Albums ist dann aber das göttliche „No one gets left behind“. Nach spannendem Lead geht es mitten rein in den Groove-Panzer, mit den Ivan textlich die Kriegstreiberei einiger Politiker befeuert. Dabei nutzt er nahezu sein gesamtes Gesangsspektrum in Perfektion. Hier stimmt einfach alles, der Drive des Stückes wird herrlich von der Instrumentenfraktion zusammengefahren, die Stimmung kommt neben dem klugen Text durch einige Funksprüche im Hintergrund und den „Hooras“ (Marine-Ruf) Ivans sehr stark rüber – Überhit mit massig Live-Potential!

„War is the Answer“ steht dem fulminanten Erstlingswerk von FIVE FINGER DEATH PUNCH in keinster Weise nach und präsentiert die Jungs in einer Form, bei der man nur erahnen kann, wo sie mit ihrem enormen Potential mal landen können. Die 13 neuen Kompositionen sind allesamt dichter, songwriterisch und strukturell feinsinniger und technisch noch besser umgesetzt als auf dem Vorgänger. Dazu kommt die sehr gute Produktion seitens Kevin Churko (u.a. OZZY OSBOURNE) und die ausgezeichnete Abmischung von Randy Staub (METALLICA, STONE SOUR), die den Stern der fünf Kalifornier in neue Sphären schießen lassen. Hiermit sind umgehend alle berufen, der Knuckle-Army beizutreten! We want you, Knucklehead!

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