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FJOERGYN - Monument Ende

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Artist FJOERGYN
Title Monument Ende
Homepage FJOERGYN
Label TROLLZORN
Leserbewertung
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7.3/10 (13 Bewertungen)

Was kann ich an dieser Stelle über die Thüringer enthüllen, was nicht bereits gesagt wurde? Am ehesten fällt mir nur ein: Mit welchen Ideen kommt die Band jetzt um die Ecke, und wie wollen sie ihr bisheriges Schaffen toppen? Wenn ich an den „Ernte im Herbst“-Zyklus denke, wird vor allem der letzte Punkt schwer. Die Trilogie („Ernte im Herbst“, „Sade et Masoch“ und „Jahreszeiten“) stellte für mich in ihrer Konzeption eines Gesamtkunstwerks einen in der Musik neuen Weg dar. Während das erste Album die Story erzählte und eigentlich auch abschloss, beleuchtete der Nachfolger die Charaktere und Scheibe Numero drei den Aspekt „Umwelt und Natur“. Doch als sich mir das Konzept von „Monument Ende“ erschlossen hatte, war der Schritt inhaltlich eigentlich fast nur logisch. Denn FJOERGYN nehmen hier das Konzept der „letzten Tage der Menschheit“ auf und vertonen es. Und wer jetzt behauptet, dass es das schon mehrfach gab, dem kann ich zwar zustimmen, muss aber darauf bestehen, dass der Weg FJOERGYNs ein Anderer ist als der vieler Bands, die sich ebenfalls dieses Themas angenommen haben.

Der Beginn des Untergangs ist mit „Genesis 2.0“ ein Instrumental plus Chor und teils etwas verstörenden Samples. Dieses Stück geht jedoch nahtlos in „Betonlethargie“ über, dem Anfang im Reigen der menschlichen Verfehlungen. Sanfte Gitarren und ein Glockenspiel eröffnen diesen Song, ehe harte Riffs und synthetisches Orchester ertönen, gefolgt von einem kehligen Aufschrei. Bei den ersten Zeilen Text fällt übrigens auf, dass Stephan an seiner Sangesleistung gearbeitet hat. Die Stimme kommt variabler daher als früher. Auch vor neuen Wegen im Gitarrensound wurde nicht zurückgeschreckt. Kleine Soli und aufwendigeres, melodischeres Spiel fallen sofort auf. Auch beim folgenden „Leiermann“ war ich angenehm überrascht. Während in den bisherigen Alben immer ein klassisches oder volkstümliches Thema prosaisch integriert wurde, hat man sich hier dafür entschieden die Idee hinter SCHUBERTs „Leiermann“ zu adaptieren (Elektroniker denken hier sicher sofort an COVENANTs Version). Nur mit dem Unterschied, dass SCHUBERT einen Lebenden betrauert, während FJOERGYN den Leiermann mit dem Tod gleichzusetzen scheinen und ihm mit der zarten Stimme Katrin Lindners Gehör verschaffen. Das Stück schwankt dabei zwischen harten Attacken und beinahe zarten Akustik-Parts. Man genieße hier nur einmal das Intermezzo ab 2:50. Hier ist Gänsehaut garantiert. Was danach folgt, ist wohl eins der unbestrittenen Highlights: „Der Monolog des Antichristen“. Hier geht es weit kompromissloser zu Werke. Melodischer Black Metal, der den tiefgründigen Text untermauert und den Weg freimacht für „Thanatos“ – eine kleine Sammlung menschlicher Sünden und Verfehlungen. An dieser Stelle möchte ich aufhören, auf jeden einzelnen Song einzugehen, da diese eh am Besten wirken, wenn man sie als Gesamtwerk hört. Übrigens, ich sprach anfangs davon, dass FJOERGYN einen anderen Weg gehen, als es in diesem Thema sonst üblich ist. Denn hier fehlt gänzlich der erhobene Zeigefinger. Hier gibt es kein „wenn… dann… sonst“, keinen Ausweg, kein Hoffen. Der einzige kleine Sonnenstrahl ertönt in S.I.N. und verdunkelt sich aber schon am Ende des Stücks. In diesem Album ist das Urteil bereits gefällt, Zeugnis gesprochen und das Ende zum Greifen nahe. Die Band versteht sich nur als Bote und nicht als Weltverbesserer. Und das macht dieses Stück kraftvoll produzierter Musik umso interessanter.

Zum guten Schluss muss ich noch etwas klarstellen. So bin ich Fan der ersten Stunde. Also möge man mir doch meinen Enthusiasmus verzeihen. Zudem ist dieses Album wohl das Sperrigste und „Komplizierteste“, was ich je von dieser Band gehört habe. Nach dem ersten Durchlauf war ich mir nicht einmal sicher, ob es mir gefällt. Denn die Texte brauchen Zeit, um voll erfasst zu werden, ebenso die aufwändig erstellte Melange aus Metal, Klassik und Elektronik, die zuweilen schwerer verdaulich ist als bei den Vorgängern. Aber letztendlich, nach einigen Durchgängen, ist der Tonträger ohne wenn und aber für FJOERGYN nur eines: Ein Monument. Ende!

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