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FRANK DARABONT - Der Nebel (DVD)

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Artist FRANK DARABONT
Title Der Nebel (DVD)
Homepage FRANK DARABONT
Label UFA/ UNIVERSUM
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Frank Darabont begegnete mir filmisch das erste mal im Jahre 1990. Damals konsumierte ich begierig jeden Film, der in irgendeiner Form etwas mit Stephen King zu tun hatte. Ich lieh mir die Kompilation „Stephen Kings Nightmare Collection“ aus, auf der sich 3 Kurzfilme nach Kurzgeschichten von Stephen King befanden: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ (1982), „Im Würgegriff“ (1981) und „Vergiftet“ (1983). Eben letztere Story wurde von Darabont inszeniert und genau diese blieb mir positiv in Erinnerung, da sie am professionellsten rüberkam. Später sah ich dann den großartigen „Die Verurteilten“ (der seinen Siegeszug erst auf dem Home-Entertainment-Sektor antrat und als modernes Meisterwerk gilt) und den etwas kitschigen „The Green Mile“ (kein Vergleich zur „Shawshank Redemption“). Sehr empfehlen kann ich auch seinen TV-Film „Buried Alive“ (nach Motiven von E.A. Poe) die er fürs amerikanische Kabelfernsehen inszenierte. Nun treffe ich Darabont also mit seinem neuen Film „Der Nebel“ wieder. King und Darabont setzen damit ihre filmische Liaison fort und man wird den Eindruck nicht los, dass beide wie für einander geschaffen zu sein scheinen. Zunächst hatte ich überhaupt kein gutes Gefühl (ich kannte die Story von King nicht) und mir kam das völlig misslungene Remake von Carpenters unübertroffenen „The Fog“ ins Gedächtnis. Beide hatten zudem zusammen auch noch kein richtiges Horror-Projekt gestemmt. Glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt:

Als David Drayton, ein Zeichner von Filmplakaten (Thomas Jane – bislang hat mich dieser Darsteller in Filmen wie „Thursday“ oder der aktuellen Punisher-Verfilmung noch nie enttäuscht) eines Morgens erwacht, glaubt er, dass der Tag nicht noch schlechter werden kann: Ein Sturm hat in einer Kleinstadt in Maine (in der ja so gut wie jede Story von King spielt) große Verwüstungen angerichtet. Auch Draytons Haus (malträtiert von einem herabgestürzten Baum), sowie das nahe Bootshaus hat es übel erwischt. Also fährt er mit seinem fünfjährigen Sohn Billy und seinem Nachbarn zum örtlichen Supermarkt (ähnlich den Real-Märkten hierzulande) um sich mit Vorräten einzudecken. Doch nicht nur Drayton, sondern die ganze Stadt scheint dasselbe im Sinn zu haben, falls das Schlimmste eintreten sollte. Zwischenzeitlich zieht von den umliegenden Bergen ein mysteriöser weißer Nebel auf die Kleinstadt zu und verschluckt die umliegende Gegend in seinen Dunstkreis. Mit der Ruhe (nach dem Sturm) ist es aber schnell vorbei: Sirenen heulen auf und einige Feuerwehrwagen jagen mit Blaulicht durch die Straßen. Der Nebel verdichtet sich und die Nervosität der schon jetzt eingeschlossenen Konsumenten steigt stetig. Ein alter Mann stürzt plötzlich angsterfüllt in den Markt und berichtet den Anwesenden von unheimlichen Wesen, die im Nebel ihr Unwesen treiben sollen. Seine Worte verfehlen ihre Wirkung nicht: Panikartig stürzt ein Mann aus dem Markt in den Nebel. Kurze Zeit später sind nur noch seine schaurigen Todesschreie zu hören. Den Anwesenden bleibt also keine andere Wahl, als sich in den scheinbar sicheren Wänden des Konsumtempels zu verschanzen und auf Rettung oder Abzug des Nebels zu warten…

Damit hat der Regisseur (nach nur knapp 10 Minuten Spielzeit) sein Szenario (eine wild zusammen gewürfelte Menschenmenge, gefangen in einem typischen Supermarkt, bedroht von mysteriösen Monstern) etabliert und wir (die Zuschauer) sind mittendrin. Sofort fühlt man sich an Romeros „Zombie“-Klassiker erinnert oder vielmehr an den großartigen Roman „Drive In“ von Joe R. Lansdale, der ja auch die literarische Vorlage für Coscarellis skurrilen „Bubba Ho-Tep“ lieferte (nur war es bei „Drive In“ ein Autokino – Danke an Kiwi für die Buchempfehlung!).

*Achtung Spoiler!*

Was den Film wirklich packend macht, ist, dass der Zuschauer ebenso wenig wie die handelnden Charaktere über den Hintergrund oder die Art der Bedrohung weiß. Die Drastik der Ereignisse wird weniger durch die mordenden Monster im Nebel, sondern eher durch die mitreißende Geschichte, die unheimliche Stille ohne einen Funken Musik (man fühlt sich unweigerlich an Filmen aus den 70ern erinnert) und die sich entladenden Konflikte der Eingeschlossenen (resultierend aus der Unterschiedlichkeit der Charaktere) noch intensiviert. Zum einen gibt es den vernünftigen Hauptdarsteller, der nur seinen Sohn vor dem drohenden Unheil beschützen will. Dann seinen ungläubigen Nachbarn, der alles für Blödsinn hält und mit drei weiteren Personen sehr schnell die erste Katastrophe herbeiführt (hier fühlt man sich unweigerlich an die unverbesserlichen Stadtverantwortlichen aus 70er-Jahre-Tier-Horrorfilmen [wie z.B. Murray Hamilton in „Jaws“] erinnert). Letzten Endes sticht die noch größere Rolle der immerfort predigenden Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden – nervend gut) hervor, die ihren religiösen Fanatismus richtiggehend lebt und laut verkündet. Im weiteren Verlauf der Handlung wird sie immer fanatischer und lauter und spaltet die Gruppe im Supermarkt schließlich in zwei Lager. Obgleich die Figur natürlich ihren Reiz hat und sicherlich auch auf die politische Situation in den USA anspielt, nervt sie mit ihren Predigten nicht nur ihre Schäfchen im Supermarkt, sondern in zunehmender Weise auch den Zuschauer, der ihr (mit fortschreitender Filmdauer) die Pest an den Hals wünscht. Das Hauptaugenmerk wird also auf das Zusammenspiel der Charaktere untereinander gelegt. Die Wandelung von Ratlosigkeit über Skepsis zu Angst und Panik, ja schließlich sogar zum Wahnsinn geschieht fließend. An einem der Höhepunkte des Films gehen die Menschen schließlich alle selbst aufeinander los, wodurch die Bedrohung im Nebel kurz vergessen zu sein scheint. Der absolute Höhepunkt aber dürfte das unglaubliche Finale des Filmes sein, der absolut jedem im Kopf hängen und unvergessen bleiben dürfte, womit ein nochmaliges Anschauen des Filmes weitaus weniger spannend sein wird. Ich nenne das den „Sixth Sense“-Effekt.

Erstaunlich ist die moderate Alterfreigabe ab 16 Jahren, da in diesem Film nicht gerade zimperlich gestorben wird. Eine große Rolle dürfte die Tatsache gespielt haben, dass die Bedrohung in diesem Fall nicht von Menschen, sondern von phantastischen Kreaturen (die wirklich gut und furchteinflössend animiert wurden) ausgeht, wobei auch immer eine gewisse Portion Ironie mit einher geht. Es ist die große Meisterschaft dieses Films, dass Regisseur und Autor es wahrlich formvollendet verstehen, vielschichtige Charaktere mit all ihren Schwächen zu zeichnen. Zudem konzentrieren sich die Darsteller mit zunehmender Spielfreude darauf, ihre einzelnen Figuren zu formen, sie in immer aussichtsloseren Sackgassen zu treiben und dadurch die Nerven aller am Geschehen Beteiligten (inkl. Zuschauer) an ihre Grenzen zu treiben. Die Inszenierung dieses eher ruhigen aber hierdurch auch immer mehr furchteinflößenden Films (wieder muss ein Vergleich her und ich nenne als Beispiel Carpenters „Ding aus einer anderen Welt“, in welchem sich auch eine Gruppe unterschiedlicher Charaktere gegen eine Bedrohung von außen [im Verlaufe des Filmes auch von innen] zur Wehr setzen muss) kann auf alle Fälle als geglückt bezeichnet werden. Darabont hat eine weitere gute King Verfilmung abgeliefert und man wünscht ihn sich als Stammregisseur für zukünftige King Verfilmungen (obwohl ich Mikael Håfströms „Zimmer 1408“ (bis auf das alberne Ende) auch sehr gelungen fand.

*Spoiler Ende!*

Die DVD erscheint in 2 verschiedenen Editionen: Einmal die Vanilla Edition im Steelbook, die lediglich den Film im Steelbook enthält. Als einziges Extra wurde ein Kinotrailer spendiert. Die Deluxe Edition hat da einiges mehr zu bieten. Sie erscheint als 3-Disc-Deluxe-Edition, welche die Kinofassung, eine Schwarz-Weiss-Fassung und eine Disc mit Bonusmaterial (Making-of, entfallene Szenen, Szenenanalysen, Webepisodes und Dokumentationen über die Creature-Effekte) enthält. Beide Versionen enthalten (zumindest in der Kinofassung) ein 1,85:1 (anamorph / 16:9) – Bildformat mit Deutsch (DTS 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1) und Englisch (Dolby Digital 5.1)-Tonformaten in gewohnt guter Senator-Qualität. Zur Rezension lag lediglich ein Pressemuster vor, dass nur den Film in Deutsch (Dolby Digital 5.1) enthalten hat.

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