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GARWALL - Black Beast

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Artist GARWALL
Title Black Beast
Homepage GARWALL
Label HOLY RECORDS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Was für ein Grawall! Ja, locker-flockige Sprüche und billige Wortspiele stehen nicht nur in den Talkshows schlechtberatener, doch modisch frisierter Promis, sondern auch bei Musikjournalisten auf der Tagesordnung. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens benutzen Musikjournalisten diese mit Vorliebe, weil sie meinen, dass Plattenfirmen darauf stehen und sie fürchterliche Angst haben, keine Demos mehr zu bekommen. Zweitens sind Musikjournalisten notorisch um ihre Coolness bemühte Gesellen, die sich mit billigen Sprüchen beim Leser einschmeicheln und ihm ein Kumpel sein wollen Und drittens können Musikjournalisten nicht jede Kritik mit einem langweiligen Standardsatz anfangen, weil bereits der ganze Rest der Review aus langweiligen Standardsätzen besteht. Dabei könnte man bei GARWALL durchaus mit etwas anderem als einem billigen Wortspiel anfangen, denn zu dieser Truppe gibt es einiges zu erzählen.

Die Geschichte hinter „Black Beast“ ist eine wie viele: Eine Band wird gegründet, durchläuft verschiedenste Formationen und findet schließlich eine Orientierung, die von allen Mitgliedern getragen wird. Ein erstes Demo („Inhumana Crudelitas“) wird aufgenommen und vorerst in Eigenregie auf Konzerten verkauft. Das Interesse des Adipocere Labels führt zu bedeutend professionelleren Aufnahmen und einer MiniCD („Abyssus Abyssum Invocat“). Mit dieser bewirbt man sich bei Plattenfirmen und mit Holy Records beißt endlich eine zu, die der Band einen Vertrag über vier Alben in sechs Jahren zusichert. Die Musik aber, die sich hinter dieser Durchschnittsbiographie versteckt, ist bedeutend aufregender und mehr als nur eine Randnotiz wert. Ähnlich wie viele Kollegen haben GARWALL in ihrer Jugend Hard Rock gehört und sich die Haare hochtoupieren lassen. „Seventh Son of the seventh son“ beeinflusste ihre Leben mehr, als die endlosen Schuljahre, ihre Erstkommunion oder „das erste Mal“ (über letzteres ließe sich zugegebenermaßen streiten). Und statt sich mit einer Coverversion, die keiner will und keiner braucht, zufriedenzugeben, machen die Franzosen ernst. Die acht hier versammelten Tracks schaffen aus dem Stand heraus ein neues Genre, welches auf dem Papier wie eine reichlich krude Mixtur anmutet, doch in der Praxis erstaunlich organisch und unbemüht klingt: Power Black (unschöner Name, ich weiß, doch Black Power war schon vergeben). Melodische Gitarren legen sich über stürmische Riffs, grunzende Growls paaren sich mit klaren Harmonien, simpel-brutale Abschnitte werden zu komplexen Kompositionen verknüpft. Weil Schlagzeug und Vocals eindeutig in die harte Ecke tendieren, die Produktion aber in die Powermetalrubrik, entsteht eine Reibung, die man entweder als inspirierend oder irritierend empfindet. Die ununterbrochen feuernden Drums zum Beispiel werden so manchen vergraulen, gerade weil sie in den thrashig angehauchten Momenten eigentlich bedeutend besser zur Geltung kommen. „Black Beast“ lebt sicherlich auch von seiner Fülle an melodischen Einfällen, doch beherrschen es GARWALL genau so gut, das bestehende Material durch Tempovariationen stets neu und frisch erklingen zu lassen.

Im Gegensatz zu dem, was die Etikette gebietet, soll zu guter letzt noch die Dame in der Band ganz besonders gewürdigt werden: Olivia Scemamas Bass ist eine kreative Zeitbombe, explosiv und ständig tickend. Mal ganz aussetzend und nur vereinzelt Akzente anbringend, dann sprunghaft und übermütig. Im Titelsong auch mal als futuristischer Tieftöner. Wie eine Strömung unter dem eigentlichen Musikfluss reißen einen ihre Noten mit. Das Sprichwort, dass sich hinter jeder großen Band eine große Frau verbirgt, bewahrheitet sich also auch hier. Ein billiger Spruch? Ich weiß.

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