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GAVIN PORTLAND - IV: Hand In Hand With Traitors, Back To Back With Whores

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Artist GAVIN PORTLAND
Title IV: Hand In Hand With Traitors, Back To Back With Whores
Homepage GAVIN PORTLAND
Label WE DELIVER THE GUTS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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5.5/10 (2 Bewertungen)

Ein komisches Völkchen, die Isländer. Mitten im Atlantik schippern die ca. 300.000 Bewohner des republikanischen Inselstaats vor sich hin und fühlen sich zwischen ihren Vulkanen und Schafen furchtbar wohl. Auch halten viele die bizarre Existenz von Feen und Trollen für real, was sich recht deutlich im kulturellen Bild des Landes niederschlägt. Musikalisch hätten wir da auf der einen Seite klassischen, irischen Folk, der auf besagte Geschichten gerne mal zurückgreift, und auf der anderen den verschrobenen Elektronik-Sound von BJÖRK, der das abgeschiedene Eiland wohl am erflogreichsten in die Münder der Menschen transportierte. Auf traditionelle Mucke geben GAVIN PORTLAND allerdings nicht viel, um nicht zu sagen gar nichts. Ganz unpoetisch und frei von isländischen Mythen zeigen sie sich auf ihrem zweiten Album „IV: Hand In Hand With Traitors, Back To Back With Whores“. Ich habe mir die Jungs vorher noch nie bewusst angehört, was ich allerdings schnell nachholen sollte, wenn man den Pressestimmen glauben darf. Attestierte die „Visions“ dem Vorgänger doch, „eines der wichtigsten (Post-)Hardcore-Alben des Jahres“ geworden zu sein, da sollte man vom Nachfolger doch schon einiges erwarten.

Der Weg dahin war jedoch nicht ganz so einfach, wie der Pressetext mir verrät: Wirtschaftskrise, kein Geld für Produzent Kurt Ballou (greift sonst bei CONVERGE in die Saiten) und Studio, das Label zieht sich zurück, alles hin. Lange Rede, kurzer Sinn: in nur einer Woche wird der Longplayer eingetrommelt und recht schnell ist „We Deliver The Guts“ am Start. Das Ergebnis ist ein aggressives, direktes und doch experimentelles Hardcore-Album. Nach eigener Aussage wollte man nach „III: Views Of Distant Towns“ einfach „mehr Arschtreten“ und hat somit sämtliche Indie-Einflüsse entfernt. Zurück bleiben teils doomige und düstere, teils auch an Alternative angelehnte Bausteine. Man legt prompt groovig mit „Pig Iron“ los. Früher 90er-Hardcore der Marke QUICKSAND trifft hier auf eine dicke Newschool-Atmosphäre. Verschleppt geht es hingegen mit „Lungs Of Brass And Leather“ weiter. Mit schwermütigem Gekreische macht man es dem Hörer an dieser Stelle definitiv nicht einfach. Leichter ist im Gegenzug das folgende „February“. Der drückende Bass erzeugt abermals düstere Stimmung, wird zeitweilig aber von einem punkigen Emocore-Teil abgelöst. JR EWING könnten hier Paten gewesen sein. Der dunkle Himmel über Island wird im Laufe des Albums allerdings immer dichter, so dass man sich zur zweiten Hälfte hin überwiegend in Downtempo-Bereichen bewegt. Mit jeweils über vier bzw. sechs Minuten Spielzeit nehmen „Seven Coils“ und „Tempest“ immerhin ein Drittel des ganzen Albums ein. Hier wird man wieder gefordert, sich mit dem Konstrukt auseinanderzusetzen, die von Doom und Sludge bis melodischem Alternative reichenden und von leichten Tempiwechseln angetriebenen Elemente im Zusammenhang zu erkennen. Dabei schlägt jeder neue Track eine andere Welle im musikalischen Wechselbad, so dass man beispielsweise von den rockigen Alternative-Riffs von „Sea Wolves“ in das emotionale und langsame „Droughtbringer“ geschmissen wird, was zudem einzig mit klarem Gesang glänzen kann. „Of Millstones“ bleibt als letztes Stück zum Schluss im Raum hängen und lässt mich irgendwie verwundert dastehen. Nach dem kurzweiligen Ende bin ich sehr versucht, wieder auf „Play“ zu drücken, um mich dem bunten Spektakel abermals auszusetzen.

Es lohnt sich tatsächlich, das Album mehrmals und immer wieder anzuhören. Erdig und doch transparent produziert, klingen die zehn Stücke allesamt ansprechend und anspruchsvoll. Wie gesagt fordern sie den Hörer auch, sich mit ihnen zu beschäftigen. Der phasenweise anstrengende Hardcore hat es dennoch nach dem Lobgesängen des Debüts verdient, gehört zu werden. Mit ihrem Stil lassen GAVIN PORTLAND veraltete Helden aufleben und fügen die eigene Note hinzu, spielen noch eine Ecke vertrackter und behalten, nicht zuletzt durch Sänger Kollis wehleidige Kreischstimme, ihren Wiedererkennungswert. „IV: Hand In Hand With Traitors, Back To Back With Whores“ ist genau die richtige Abwechslung zum ermüdenden Scene-Core und wer bis jetzt noch nichts von den Jungs gehört hat, sollte schleunigst die Ohren spitzen und GAVIN PORTLAND antesten!

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