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GEISTERJÄGER JOHN SINCLAIR - 50 – Zombies in Manhattan (DVD/ Hörspiel)

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Artist GEISTERJÄGER JOHN SINCLAIR
Title 50 – Zombies in Manhattan (DVD/ Hörspiel)
Homepage GEISTERJÄGER JOHN SINCLAIR
Label WORTART
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Vorab: Die Romanheftserie John Sinclair war ein Bestandteil meiner Jugend, daher war es mir ein besonderes Vergnügen, das Jubiläumshörspiel der vorzüglichen Serie der Firma WortArt zu rezen-sieren. Es war ca. anno 1981, als mir mein Herr Bruder mein erstes John Sinclair Heft (Nr. 87 – Schrei, wenn Dich die Schatten fressen!) zu lesen gab und fortan war die Saat gelegt. Ich kaufte mir (dank unseres damaligen Second Hand-Ladens, in welchem Comics, Romane, Bücher, Trödel und Filmraritäten an den Fan gebracht wurden) alle davor erschienenen Romane und nach und stieg dann 1983 selbstverständlich auch in die seit 1981 vom Tonstudio Braun produzierte Hörspielserie ein, die es in 10 Jahren auf 107 Folgen gebracht hat (produziert wurden sogar 110). Für diese Leis-tung erhielt das Tonstudio Braun einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde. Obwohl die Se-rie seit 18 Jahren nicht mehr produziert wird, wurden bisher lediglich von den Drei ???, von TKKG und von Benjamin Blümchen mehr Hörspiele produziert, die dazu aber auch 25 Jahre Zeit hatten.

Es gibt viele Kritiker dieser Hörspiele, ich gehöre nicht dazu. Die Serie war ein Produkt ihrer Zeit. Günstig, recht schnell aber professionell produziert. Als einzige Musikbegleitung gab es Orgelklän-ge, welche immer vom gleichen Synthesizer eingespielt wurden. Um die Sprecher wurde damalig immer ein großes Geheimnis gemacht und es blieb einem nichts anderes übrig, diese zu erraten (heute reicht ein einfaches angoogeln). Die Romane wurden nicht in chronologischer Reihenfolge vertont, sondern nach ihrer Eignung für den Hörspielmarkt ausgewählt. So wurden die einzelnen Romane zur Vertonung vom Tonstudio Braun, Autor Jason Dark und sogar den Fans ausgewählt. Daraus ergibt sich eine von den Romanen abweichende Nummerierung, die zu Ungereimtheiten in der Handlung führt, wenn z. B. eine Person auftritt, die einige Folgen zuvor gestorben ist. Die Fol-gen wurden hierbei in der Handlung nicht an die geänderte Erscheinungsreihenfolge angepasst, so dass sie inhaltlich weiterhin den Romanen entsprechen. Die Brüche im Handlungsablauf der Hör-spiele können durch einfaches Umsortieren der Folgen behoben werden. Der erste Sinclair-Sprecher – Peter Bongartz – bleibt meiner Meinung nach unerreicht und ist mit dem Heutigen (Frank Glaub-recht) auf jeden Fall auf Augenhöhe, schließlich hat auch er eine Schauspielausbildung genossen und war bzw. ist mit Sicherheit häufiger im Fernsehen zu sehen. Glaubrecht ist natürlich häufiger zu hören. Er synchronisiert z.B. Kevin Costner, Pierce Brosnan, Richard Gere, Al Pacino und Jere-my Irons. Bongartz wurde dann (nach ca. 30 Folgen) durch Helmut Winkelmann abgelöst, der vor-her immer seine Gegenspieler eingesprochen hat und in der Garde der Synchronsprecher eher in der zweiten Reihe einzuordnen ist. Er wird gern für Billigsynchros (so sprach er den Vater in der neuen Pornosynchro von „Creepshow“) oder für Dokumentationen der Öffentlich Rechtlichen engagiert.
Nach einem verlorenen Rechtsstreit mit dem Bastei-Verlag musste das Tonstudio Braun die Pro-duktion neuer Folgen einstellen. Das Urteil verbot die Herstellung und den Vertrieb neuer Kopien der bereits aufgenommenen Folgen. Von den Hörspielen durften nur noch die Restbestände ver-kauft werden (Quelle: Wikipedia).

Pünktlich zum Millennium kam es dann im Sinclair-Universum zu einem hörenswerten Comeback.
Oliver Döring hob die Sinclair Edition 2000 (wie sie damalig noch beworben wurde) aus der Taufe und verpasste der Hörspielserie eine wohltuende Frischzellenkur. Als letztendliche Verbindung zu dieser Internetplattform gab es zu Anfang und zum Ende ein Stück namens „Age of Darkness“ der Hard-Rock-/ Heavy-Metal-Band CAIN. Die neuen Hörspiele verfügten zudem über äußerst profes-sionelle Sprecher, welche alle durch die Bank Profis sind. Der Erzähler wird z.B. von Synchrostar Joachim Kerzel (u.a. Jack Nicholson, Anthony Hopkins, Jean Reno, Dennis Hopper oder Dustin Hoffmann) gegeben. Neben Glaubrecht und Kerzel sind z.B. noch die deutschen Stimmen von George Clooney (Detlef Bierstedt), Gillian Anderson (Franziska Pigulla) oder John Malkovich bzw. Mickey Rourke (Joachim Tennstedt) in nahezu allen Folgen zu hören. Nicht zuletzt diese Hörspiele tragen in Deutschland auf jeden Fall eine „Mitschuld“ am boomenden Hörspielmarkt und es sind danach noch Dutzende andere Horror-Hörspielserien aus dem Boden geschossen. Besonders emp-fehlen kann ich die Serie „Gruselkabinett“, welche ebenfalls mit namhaften Synchronstars punkten kann.

Der dem vorliegenden Hörspiel zugrundeliegende Roman erschien am 21.12.1981 als neuntes Sinc-lair Taschenbuch unter dem Titel „Ghouls in Manhattan“. Der Titelwechsel wurde wohl aus marke-tingstrategischen Zwecken vorgenommen, denn „Zombies“ verkaufen sich bestimmt besser als Ghouls. Zudem weiß bestimmt auch nicht jeder was mit dem Namen „Ghoul“ anzufangen. Zombies kennt schließlich jeder, sind sie doch hierzulande ein beliebtes Opfer unserer Zensur und Justiz.
Ein Ghoul ist ein Verwandter der Zombies. Es handelt sich um einen Leichenfresser, der sein Opfer erst umbringt und dann auffrisst. Er ist auch auf Friedhöfen zu finden, wo er sich sein Fressen erst einmal ausbuddeln muss. Zombies hingegen verspeisen gern auch mal lebende Opfer, wie wir alle aus dem Kino wissen.

Damit sind wir auch bei einem (meiner Meinung nach) wichtigen Detail, das gegenüber der Ro-manheftserie geändert wurde: In den Romanen (und den alten Hörspielen) töten die Zombies ihre Opfer meist durch Erwürgen oder trinken einfach ihr Blut (meistens wird nur erwähnt, dass die Be-dauernswerten einen grausamen Tod gestorben sind) – im vorliegenden Hörspiel gehen sie in die Vollen und zerfleischen und fressen ihre Opfer (was einem auch wegen der verwendeten tontechni-schen Gimmicks einen Schauer über den Rücken treibt). Hut ab, dass hier der Jugendschutz mitge-spielt hat!

Meiner Meinung hat die Serie aber noch ein (nicht unbedingt gravierendes) Problem: Man sollte alle Hörspiele kennen, in denen die hier auftretenden Bösewichte schon einmal mitgewirkt haben, denn storytechnisch bauen die Produktionen aufeinander auf. Bei den Altfassungen konnte man eine Folge hören und war direkt dabei (Vorkenntnisse waren meist nicht notwendig) womit ich nun zur Story kommen möchte: Zu der Zeit, da diese Folge spielt, steckte die Serie noch in den Kinder-schuhen, ehe sie beiweiten komplexer wurde und immer neue Gegner (z.B. Die Grossen Alten, Dracula II, Madragoro, Assunga…) und Freunde (Mandra Korab, Harry Stahl & Dagmar Hansen, Yakup Yalcinkaya…) hinzukamen. Hier hat es John noch mit einem alten Bekannten zu tun: Dr. Tod. Diese Figur (in den Romanen halb Mensch – halb Dämon im Körper eines ehemaligen Mafia-bosses namens Solo Morasso – in den 2000er-Hörspielen einfach nur Solo Morasso) tauchte schon Anfang der 70er-Jahre (als die Serie noch im Rahmen der Gespenster Krimis erschien) auf und konnte sich (weil sie bei den Fans so beliebt war) bis Nummer 229 (Erscheinungsdatum: 22.11.1982) halten. Hier fiel er in ein Becken voller Piranhas und wurde schließlich von Xorron halb angefressen herausgezogen. Überlebt hat er diesen Roman jedoch nicht. Wer Xorron ist? Nun um dessen Erweckung geht es in dieser Sinclair-Folge. Bei Xorron handelt es sich um den Herren der Zombies und Ghouls. Durch seine Erweckung soll Dr. Tods sogenannte Mordliga vervollstän-digt werden. Die Mordliga ist eine terroristenähnliche Vereinigung (die waren ja in den 70ern und 80ern dank der RAF gerade „in“) verschiedener Superdämonen und –verbrecher (z.B. Vampiro-del-mar [Kaiser der Vampire], Lady X [menschliche Topterroristin, bis sie von Vampiro-del-mar zur Vampirin gemacht wird] oder Tokata [der Samurai des Satans]).

>Achtung Spoiler! < Die Erweckung gelingt und die nun vollständige Mordliga kann entkommen, jedoch nicht ohne vorher John Sinclairs New Yorker Kampfgefährten Joe Barracuda zum Zombie zu machen, der von John schweren Herzens von seinem Schicksal erlöst wird. Am Ende gibt es noch einen verbalen Hinweis auf eine finale Konfrontation der Mordliga mit Dr. Tods Erzfeindin Asmodina, der Tochter des Teufels, welche in der Romanserie nicht lange auf sich warten ließ und in der 200er-Trilogie abgehandelt wurde. >Ende Spoiler! < Auch dieser Roman wurde unter seinem alten Titel vom Tonstudio Braun vertont. Im Vergleich zur neuen Fassung gibt es allerdings zahlreiche Unterschiede in der Handlung. So fängt das vorliegende Hörspiel nach einem Überfall der Zombies auf eine New Yorker Strip-Bar an und es wird von vie-len toten Zombies (mit Kopfschüssen – hier wussten die Menschen sich zu wehren) und Menschen erzählt. Im Originalhörspiel werden wir Zeuge des (hier) nicht so spektakulär dargestellten Über-falls. An einer anderen Stelle werden in der Altfassung unbequeme Zeugen entsorgt – hier lässt man sie laufen. Egal, alles in allem haben beide Hörspiele ihre Berechtigung. Das Alte ist ein wenig ge-mächlicher (hat an anderen Stellen jedoch mehr Action zu bieten) – die Neufassung ist auf jeden Fall kurzweiliger und professioneller (schon allein wegen der Sprecher). Man würde dieses Hör-spiel schon eher sofort ein zweites Mal hören wollen, als die Braun-Produktion. Auch wurden eini-ge Details an die heutige Zeit angepasst. So benutzen die handelnden Personen z.B. Handys, wo-hingegen im Originalroman noch Telefonzellen angelaufen wurden oder Funkgeräte zum Einsatz kamen. Das alles tut dem Genuss der neuen Hörspiele keinen Abbruch und man will unbedingt wis-sen, wie es weitergeht. Eigentlich braucht man hierfür nur die Romane zu lesen, aber ich will die Storys hören, denn das hier Dargebotene ist (schon allein wegen der vertrauten Stimmen) wirklich Kino fürs Ohr, denn auch die Toneffekte sind erstklassig und man zuckt das eine oder andere Mal schon mal zusammen, da plötzlich etwas durch die Boxen poltert. Das gab es bei den alten Produktionen so leider nicht. Da kam die Action auf Zuruf: „John! Benutze Deine Pistole!“ „Ja, mach ich! Hier Du Halunke!“ – und Peng! Als Bonus zu dieser Jubiläums-Ausgabe gibt es noch eine DVD mit dem kompletten Hörbuch „Die Rückkehr des schwarzen Todes“ (habe ich mir [wie so viele Fans auch] leider schon vorher gekauft), ein ca. 15 minütiges making-of mit den Machern, was ich persönlich sehr interessant fand, sieht man doch so mal die Personen hinter den Stimmen und glaubt manchmal nicht, was für Gestalten sich dahinter verbergen. Frank Glaubrecht kam z.B. in einem wirklich merkwürdigen Outfit daher. Bunte Himalaya-Klamotten mit deutscher Landser-Mütze (sah jeden-falls so aus – könnte eine Hommage an Bernhard Wickies „Die Brücke“ sein, in welchem er mitge-spielt hat und als junger deutscher Kindersoldat so eine Mütze trug). Als Zugabe kann man sich dann noch einen Tourbericht des Vollplaybacktheaters reinziehen, welchen ich persönlich eher ner-vig und irgendwie überflüssig fand, da er nicht wirklich etwas mit der Serie zu tun hat. Einzig, dass hier das 2000er-Hörspiel „Das Horror-Schloß im Spessart“ verulkt wird (in dem es mit geradezu lächerlich kostümierten Darstellern [was jedoch Absicht ist] live nachgespielt wird) kann eine Pa-rallele zur Reihe sein. Schwamm drüber! Verpackt sind beide Silberlinge in einem Doppel-CD-Cover, welchem auch ein sehr schönes und informatives Booklet beigefügt wurde. Der CD-Tray wurde in eine seitlich offene Plastikhülle ein-geschoben, in welcher sich auch eine Hologrammkarte als Covereinleger befindet. Alles in allem kann ich als Fazit nur eine unbedingte Kaufempfehlung aussprechen. Die Macher verdienen es, weiter unterstützt zu werden, da sie sich für den Kaufpreis richtig ins Zeug gelegt haben und ein erstklassiges Produkt abliefern.

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