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GIRUGÄMESH - Go (2-CD)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist GIRUGÄMESH
Title G
Homepage GIRUGÄMESH
Label GAN-SHIN
Leserbewertung
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Für all die blassen, schwarz geschminkten Teenies, die unwiderruflich dem längst auch hierzulande wütenden J-Rock-Wahn verfallen sind, bislang aber nicht die Gelegenheit hatten, die fernöstliche Geburtsstätte des mir immernoch schleierhaften Hypes heimzusuchen, haben sich GIRUGÄMESH als eine der im vorderen Mittelfeld mitspielenden Vertreter etwas ganz besonderes überlegt: ihre fünfte Platte „Go“ erscheint als Doppel-Album, das neben der Hauptscheibe einen Mittschnitt der letzten Show der vergangenen Herbst-Tour in der Yokohama Bay Hall enthält… ein perfider Plan, entwickelt von nervös zappelnden Japanern zur Übernahme der westlichen Welt?

Doch entgegen der allgemeinen Resonanz verstörter Kritiker, die die mir bislang nur flüchtig bekannten Japaner häufig als für ihr Land typisch reizüberflutete Hektiker abhakten, präsentiert der Vierer zu Beginn des neuen Studioalbums sogar für den Westeuropäer verträgliches Material. Zwar hat das Pop-Industrial-Intro mit seinem Schlager-Beat einen zunächst befremdlichen Effekt, der nicht zuletzt auch durch die japanischen Textfetzen verstärkt wird. Das folgende „Destiny“ hingegen eröffnet mit eingängigem Elektro-Rock, man wägt sich schon fast in vertrauten Gefilden, bevor das Stück doch noch zu einem mit abgedrehten Synths und Kitsch durchzogenem Trip ausgedehnt wird. Doch die Länge der Stücke scheint angesichts der fortschreitenden Anhäufung von musikalischen Eindrücken schon fast zwingend notwendig zu sein. GIRUGÄMESH geben sich im Kern, oder zumindest in Teilen, noch allgemein gültigen Pop-Konventionen hin und führen die grundlegende Eingängigkeit ab und an mit interessant entfremdeten Ideen, dem funkigen „13 Days“ etwa, weiter. Von diesem Epizentrum ausgehend, zerschlägt der hektisch schwankende Wahnsinn, der mit gutem Math-Gegniedel ziemlich wenig gemein hat, jedoch mit erschreckender Beharrlichkeit die zuvor geschonten Nerven. Im Neonlicht der Leuchtreklamen Tokyos erstrahlend, weiß die stetig wachsende Masse aus Light-Metal, Auto-Tune, Pokémon-Soundtrack und schwülstigem Kitsch mit dem hoch und höher ausbrechenden Vokalisten Satoshi an ihrer Spitze kaum positiv zu beeindrucken, hat man verschiedene Eindrücke des meiner Meinung nach arg überfrachteten ersten Teils von „Go“ darüber hinaus auch schon außerhalb des asiatischen Raums vernommen, gerade was die Rock-Anteile betrifft.

Eine ähnliche Impression vermittelt der Live-Mitschnitt auf der zweiten CD. Überraschenderweise scheinen GIRUGÄMESH zuvor eine Ecke härter am Gange gewesen zu sein, sind doch des öfteren geschriene Backings und Gitarren-Bretter zu vernehmen. Nichtsdestotrotz sprudelt das Set nicht wirklich vor Abwechslung, und die Zappelphilipp-Mentalität spiegelt sich auch auf der Bühne mehr als genug wieder. Nur die Auswahl der Stücke ist, ohne näher mit der Diskographie näher vertraut zu sein, auf Dauer etwas ermüdend. Qualitativ kann man dabei auch nicht sonderlich überraschen, dafür bleibt aber das erwartete hochpolierte Gequietsche aus. Gar rau zeigen sich die Japaner bei der Produktion, wenn auch der Gesang deutlich über dem Rest davon schwebt. Die Instrumente hinterlassen hingegen einen ungeschliffen charmanten Eindruck, die es tatsächlich schaffen dem Hörer das Geschehen in der Yokohama Bay Hall etwas näher zu bringen… hysterisch kreischende Mädels inklusive.

Nichtsdestotrotz kann man sich dieses Doppelpack wohl nur ernsthaft einverleiben, wenn man entsprechende Vorkenntnisse und eine Vorliebe für den modernen Hektik-Rock Japans besitzt. Mir persönlich gefällt die zweite Scheibe besser… vielleicht aber auch nur, weil ich die Stücke noch nicht in ihrer Studioversion gehört habe. Wer aber knallhart beide Teile am Stück durchzieht und dabei auch noch Freude an GIRUGÄMESH hat, der hat meinen ganzen Respekt und meine Empfehlung für „Go“ – immerhin hat die Scheibe für Fans reichlich zu bieten. Meine Welt ist das aber bei weitem nicht.

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