Band Filter

:GOLGATHA: - Icarus EP

VN:F [1.9.22_1171]
Artist :GOLGATHA:
Title Icarus EP
Homepage :GOLGATHA:
Label :IKONEN: MEDIA
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
5.8/10 (5 Bewertungen)

Nach einer selbst produzierten CDR („Waste Land“, Anfang letzten Jahres) und dem ersten offiziellen Album „Kydos“ (vor ein paar Monaten auf dem französischen Label ATHANOR) ist die „Icarus EP“ schon die dritte Veröffentlichung innerhalb eines kurzen Jahres des noch recht jungen aber schon sehr gerühmten deutschen Projekts :GOLGATHA:. Diesmal erscheint das Schaffen vom Mastermind Christoph D. auf dem Multimedien-Verlag :IKONEN: MEDIA, dem die Liebhaber von düsteren Klängen schon den fabelhaften „Crystal Cage“ Sampler zu verdanken haben – ein Sampler, der mich und viele andere zum ersten mal auf das Projekt, welches Intro und Outro beisteuerte, aufmerksam machte. Die vorliegende MCD soll als Ergänzung des Kydos-Albums, welches das Lied „Icarus“ ebenfalls beinhaltet, dienen, bietet aber viel mehr als das, was sonst in der Musikindustrie unter diesem Begriff verstanden wird. Neben zwei unveröffentlichten alternativen Versionen des Titelsongs findet man hier vier andere, vollkommen neue Tracks – auf insgesamt knapp 29 Minuten Spielzeit. Nicht zu übersehen sind ebenfalls die Prestigegäste, die Christoph D. für diese Veröffentlichung um sich versammelt hat: am Mikrofon niemand geringeres als Neofolk-Urgestein (die magische Stimme der ersten DEATH IN JUNE Alben) Patrick Leagas und an der Tonskulptur HERBST 9, die Leipziger Fürsten des deutschen Ambients.

Auffallend im Werk von :GOLGATHA: ist zumal die Vielfältigkeit, der sich dieses Projekt innerhalb dreier Veröffentlichungen verpflichtet hat. Nach der „Waste Land“ CDR, die von der Kritik als eine der größten Entdeckungen der letzten Jahren im Ritual-Ambient Bereich bezeichnet wurde, hat Christoph D. mit „Kydos“ auch sein Talent als Songwriter reichlich beweisen können. Auf diesem neuen Release spiegeln sich diese zwei Tendenzen eindeutiger als je wider, wie es die Wahl der Hauptgäste ohne Schwierigkeiten erahnen ließ. Für mich sind drei der sechs vorliegenden Tracks ohne zu zögern dem besten Cold-Ambient zuzuordnen, wobei die drei anderen mit gutem Gewissen als puristischen Neofolk beschrieben werden können – und damit meine ich den Ur-Neofolk, wie der von DEATH IN JUNE oder CURRENT 93… Und an DEATH IN JUNE mußte ich tatsächlich bei jedem Akkord, bei jeder Zeile der schädelstättischen Lieder denken, und nicht nur, weil auf der akustischen Version des Icarus-Songs die vertraute Stimme von Patrick Leagas erklingt. Alles in den drei Liedern (die zwei Icarus-Versionen und das neue „Icarus’ Law“), von der Instrumentierung, vom Rhythmus hin zu den Worten und der Sprechweise erinnert stark an die alten Meister… Aber wir haben es hier nicht mit einem schwachen Abklatsch zu tun, wie es schon so viele gegeben hat. :GOLGATHA: haben hier solide, perfekt produzierte Lieder geschaffen, die sofort zum Mitsingen einladen und ein gefährliches Ohrwurm-Potential aufweisen. Auch wenn der Gesang von Christoph D. auf dem „Icarus-Orchid Mix“ (mit einem Rose-MacDowall typischen Einsatz der Sängerin Ildiko) mich persönlich nicht überzeugt, im Gegensatz zu seinem Sprechgesang im wunderschönen „Icarus’ Law“, sind die drei Textlieder auf dieser EP Paradigma des Genres – geborene Klassiker, sozusagen. Umso schwerer fällt es mir, die Meinung zu teilen, die ich schon mehrere Male hier und dort gelesen habe, und laut welcher die Musik von :GOLGATHA: ein „Crossover“ zwischen Genres sei. Wenn es wirklich der Fall ist, dann wird dies nicht in vorliegender Veröffentlichung deutlich. Mir scheint es viel angemessener zu sagen, dass es sich mit diesem Projekt um eine vielseitige Talentmanifestation handelt. Die drei Ambient-Stücke in Zusammenarbeit mit HERBST 9, „Icarus Rising I und II“ sowie „Icarus Fallen“, weisen nämlich die selbe Meisterschaft auf wie die songorientierten Stücke. Damit will ich auch nicht sagen, dass dieses Werk wegen seiner Zweispaltigkeit ganz an Kohärenz verliert. Im Gegenteil scheint mir der Wechsel zwischen intimen und warmen Neofolk-Melodien und ruhigen, kalten/ befremdenden Tonflächen eher gut geeignet, um die verschiedenen Aspekte des Icarus Mythos, zwischen Menschlichkeit der Träume und Gefühle, sowie Abgrund der Eitelkeit und des Schicksals, zu vertonen.

Fazit: Im Grunde nichts neues, aber eine schöne Veröffentlichung von höchster musikalischer Qualität und zügig gesteuerte mythische Vertonung, die eingefleischte Neofolker und Ambient-Jünger zugleich erfreuen dürfte. Dem Gefühl, es mit einer :Golgatha–Herbst9–Sixth(omm: Big-Band zu tun zu haben, kann man zwar nur schwer entkommen, aber es gehört ja zur besten Neofolk-Tradition, und spätestens seit DEATH IN JUNE und Douglas P. weiß man, das neben der reinen musikalischen Begabung die Fähigkeit, Künstler zusammen zu bringen und von deren Zusammenarbeit das Beste entstehen zu lassen, die beste Garantie für Qualität ist!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

:GOLGATHA: - Weitere Rezensionen

Mehr zu :GOLGATHA: