Band Filter

GRACE JONES - Hurricane

VN:F [1.9.22_1171]
Artist GRACE JONES
Title Hurricane
Homepage GRACE JONES
Label WALL OF SOUND/ PIAS GERMANY
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (3 Bewertungen)

GRACE JONES? Da denke ich zuallererst an Images aus meiner Kindheit: „Slave to the Rhythm“, das dazugehörige Video (welches mir Kopfzerbrechen bescherte… „Warum hab ich Angst vor einer halbnackten Frau? Ist das überhaupt eine Frau?“ Sexuelle Konfusion allenthalben…) und natürlich der Auftritt als Bond-Girl im Angesicht des Todes, beim letzten 007 mit dem James meiner Adoleszenz: Roger Moore! Damals also schon schwer zu fassen, das Gesamtkunstwerk GRACE JONES… umso verwunderlicher ist, das mir von diesem alterslosen Chamäleon ein neuer Tonträger auf den Schreibtisch flattert…

„This is my voice, my weapon of choice!“ tönt es gleich beim Einstieg in das (famose!) Album aus den Boxen. Zeitlose Production-Skills (Brian Eno (ROXY MUXIC) stand Ivor Guest (der ja nun auch kein Unbekannter ist!) und Grace bei den Aufnahmen zur Seite!) und eine Künstlerin, die mit selbstbewusster und in Würde gereifter Stimme für Akzente sorgt, veranlassen gleich eine erhöhte Aufmerksamkeit. Mit „Williams´ Blood“ wird, gleich an zweiter Stelle, das popkompatibelste Stück angestimmt, dessen Refrain irgendwie an „Barry Williams Show“ von PETER GABRIEL erinnert. Ein leichter Beat, hingeschlenderte Gitarren und tolle Backings, gepaart mit den smoothen Strophen, sorgen für vollendete Pop-Kunst. Auf „Corporate Cannibal“ gibt die Jones wieder die „Man eating machine“… so hat man sie in Erinnerung, so sorgt sie für musikalische Schauer. Das erinnert an eine abgefuckte AMANDA LEAR (noch so ein Enigma aus der Kindheit: Frau? Mann? Das Plattencover von „I am a Photograph“ ließ mir keine Ruhe…), die auf Industrial-Gitarrenriff ihren dunklen Gedanken nachhängt. „I’m crying (Mother’s Tears)“ kommt dann im gediegenen Depri-Style daher, zeigt aber welch unterschätztes Sangestalent in den Tiefen der Sechzigjährigen schlummert. Auf den restlichen Nummern kommt dann doch wieder der altbekannte, alternative Reggae-Style der Achtziger-Alben zum Vorschein, natürlich in geupdateter Version und fast durchgängig gelungen („Well Well Well“ sei hier einmal stellvertretend genannt… Der Refrain lässt einen nicht mehr los). Vergessen sollte man aber natürlich nicht den unglaublichen Titeltrack, den Madame Jones zusammen mit Düsterbold TRICKY geschrieben hat und dieser dementsprechend als Partner in Crime auftritt. Deeper Bass, die bekannten Flüster-Vocals von Adrian Thaws (so TRICKYs bürgerlicher Name) und sich immer weiter steigernde Streicher (die dann auch an MASSIVE ATTACK erinnern) sorgen für ein weiteres Highlight auf diesem überraschend gelungenen Album!

Was soll man sagen? Vielseitige, anspruchsvolle Pop-Musik, die makellos produziert für viele aufregende Stunden Hörgenuss sorgt. Hier hat sich jemand selbst neu erfunden, ohne sich irgendwelchen Trends anzubiedern. Dies ist GRACE JONES anno 2008 und nie war sie so wertvoll wie heute. Damit macht sie es solchen illustren Gestalten wie PETER GABRIEL, ROBERT PLANT, RANDY NEWMAN oder BOB DYLAN nach, die mit ihren letzten Alben für Glanzlichter in ihrer jeweiligen Discographie sorgten. MADONNA bricht heulend zusammen und ward nie wieder gesehen… Ganz großes Album!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu GRACE JONES