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GREGORIO BARDINI - Sentinelle Del Mattino

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Artist GREGORIO BARDINI
Title Sentinelle Del Mattino
Homepage GREGORIO BARDINI
Label THE EASTERN FRONT
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Das 8te Release des israelischen Labels “The Eastern Front” beschert uns ein Rendezvous mit einem der interessantesten italienischen Avantgarde Künstler. Gregorio Bardini ist Flötist, Musikwissenschaftler, leidenschaftlicher Forscher eurasischer Musikformen. Im Laufe seiner mehr als 20 Jahre währenden „Karriere“ arbeitete er mit so unterschiedlichen Künstlern wie Tony Wakeford, VIDNA OBMANA oder TUXEDO MOON zusammen, unter dem Moniker BARDINI + JOLIF frönt er der traditionellen Musik aus Irland/ England etc.. Nach seinem Klassik-Album „Komitas“ aus dem Jahre 2003 (veröffentlicht beim Studio/ Label Arx Collana“) kehrt er nun mit einem experimentellen Werk zurück, für das er wiederum ein ganzes Arsenal an Mitstreitern auffährt.

So bedient er sich beispielsweise der Stimme von Mary de Rachewiltz (sie ziert auch das Cover), welche aus dem literarischen Fundus ihres Vaters vorträgt und der ist kein Geringerer als Ezra Pound! Der amerikanische Schriftsteller (1885-1972) wurde insbesondere durch seine 120 Gesänge, der sogenannten „Cantos“ berühmt, die auch bei Bardini Verwendung finden. Er selber musste die (geistige) Unterstützung der italienischen Faschisten teuer bezahlen und fand sich nach dem Krieg in einer psychiatrischen Klinik wieder. Später siedelte er nach Meran über und starb schließlich in Venedig, der geheimnisumwobenen Stadt. Noch lebendig ist der etwas weniger geheimnisumwitterte Stefan Rukavina, den man unter seinem musikalischen Alter Ego BLEIBURG kennen mag, er war bei 2 Stücken für die Elektronik zuständig. Nicht zu vergessen die Verwendung 2er Gedichte einer Dame namens Christine Koschel, geboren 1936 in Breslau, Freundin von Ingeborg Bachmann und seit vielen Jahren tätig/ lebend in Rom.

Eine gewisse Hinwendung zur deutschen Sprache ist somit nicht von der Hand zu weisen. Andererseits besitzen die collagenartigen Kompositionen auch immer wieder orientalische, ja eurasische Anklänge. Eine Verbindung von Okzident und Orient sozusagen. Flöte, Piano, Akustikgitarren gehen eine Liaison mit experimenteller Elektronik ein, garniert von den Sprachfetzen, Rezitationen, Samples. Das Ganze erzielt beizeiten eine anmutige, dann wieder wehmütige Atmosphäre, derer man sich ganz widmen muss, um die vielen Details zu erkennen. Titel 9, „Umani“, kann mit seiner aggressiven Stimme und dem Synthetik Fundament gar in groovige Sphären vordringen. Allenthalben ein sehr ambitioniertes Werk für Freunde von Avantgarde bis Klassik mit explorativen Neigungen… Außergewöhnlich!

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