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GREIFENKEIL - Moog – A New Generation of Sounds

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Artist GREIFENKEIL
Title Moog – A New Generation of Sounds
Homepage GREIFENKEIL
Label GRENTZWERT
Leserbewertung
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6.5/10 (4 Bewertungen)

Richtig, Papa Bob! Als Robert Moog letztes Jahr im stolzen Alter von 71 Jahren verstarb, war es weniger ein Aufschrei als eine salzige Träne, die einem entglitt. An diesem Mann, vor allem aber an seiner gleichnamigen Erfindung, klebten Erinnerungen – selbst für die, die noch nie die Hände auf die Tasten eines seiner Synthesizer gelegt hatten: Die erste TANGERINE DREAM Platte, das erste ohrenbetäubende KLAUS SCHULZE-Solo, abends allein im Zimmer und PINK FLOYD im Radio. Doch auch wenn Moog also tatsächlich Pionier und Wegbereiter war – im Wesen seines Herzens war er Physiker und Elektrotechniker, kein Musiker. Man muss dieses Tribut also weniger als künstlerische Ehrerbietung betrachten, denn als der Dank eines Kämpfers für ein Hatori Hanso-Schwert.

Es wäre nun allzu einfach, GREIFENKEIL Vorwürfe zu machen, denn diese Scheibe macht es einem als Hörer nicht ganz einfach. Vor allem die „New Generation of Sounds“, die im Untertitel beschworen wird, scheint sich zumindest für die 50 Minuten dieser EP schlafen gelegt zu haben – im tiefen Bereich brummt es recht ansehnlich und auch einige feine, schwebende Flächen legen sich gelegentlich über den tiefschwarzen Hartgummi-Bass. Doch war es das auch bereits, und die schöne neue Klangwelt findet jedenfalls woanders statt. Gleichzeitig tritt die Ähnlichkeit gerade der ersten sechs von insgesamt sieben Tracks doch etwas arg offensichtlich zutage – nach dem dritten Remix des Titelstücks hat man dann auch erstmal eine ziemlich dicke Birne. Andererseits kann man es dem Projekt wohl kaum vorwerfen, nicht die selben Tiefen auszuloten und ähnliche Höhen zu erstürmen wie einige der im ersten Paragraphen genannten Acts – dafür gibt es schließlich „Zeit“, „Irrlicht“ und den Back Catalogue von POPUL VOH (sowie genügend ausgezeichnete Retro-Acts). Worum es hier stattdessen geht, ist den Spagat zwischen Dancefloor und Denkmal zu schaffen – und das gelingt auf durchaus dankbare Weise: „Moog“ pulsiert und pumpt, lässt straight nach vorne gehendes Schlagzeug auf grobe Samples prallen und wird so manchen Club in flackerndes Stroboskopgewitter tauchen.

Das abschließende, 17-minütige „Passage“ ist dann der Ausblick auf eine weitaus spannendere Zukunft: Aus brutzelnden Klangclustern schält sich ein schwelend groovender Traumteppich heraus, der die Spannung über die gesamte Distanz hält. Das wird dem eigenen Anspruch dann schon viel eher gerecht, vor allem aber der vom Label ausgegebenen Devise der „Tiefe“. GREIFENKEIL suchen inzwischen bereits nach weiblicher Verstärkung ihres Projekts – im Sinne einer Bühnenshow, aber auch als Erweiterung der eigenen Klangpalette. Stillstand ist zumindest für den Moment also keine Option. Papa Bob kann beruhigt weiterschlafen.

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