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GRETA SCHLOCH - Die nackte Schloch

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Artist GRETA SCHLOCH
Title Die nackte Schloch
Homepage GRETA SCHLOCH
Label MUSIC PLANT
Leserbewertung
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5.5/10 (2 Bewertungen)

Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntermaßen eng beieinander. Mit wahrem Künstlertum und Dilettantismus verhält es sich ähnlich. Von Helge Schneider weiß man, dass er ein begnadeter Jazzer ist, trotzdem muss man deshalb kein „Katzenklo“-Fan sein.

So möge sich ein jeder selbst seine Meinung zum hier vorgestellten Opus bilden. GRETA SCHLOCH (ein Wortspiel aus „great“ und „Arschloch“?), Helges weibliches Pendant mit nordischer Note („Lieber ne Flasche Bier als Froind als ne Flasche als Froind“) präsentiert: Sich selbst und zwar nackt. Wer nun körperliche Enthüllungen und pikante Einblicke erwartet, wird enttäuscht werden. Das Cover ziert nur eine nackte weibliche Skizze und Gretas Kopf und auch im Booklet sieht man Frau Schloch nur züchtig in weißer Hippie-Bluse mit Gitarre im Rapsfeld bzw. auf einem Pferd reitend. Hier ist also Phantasie gefragt – und zwar auf ganzer Linie. In 25 Mosaiksteinchen, bis auf 2 Hörspiele wahlweise mit Gitarre, Bontempi-Orgel, Flöte und Xylophon unterlegt, gewährt uns Greta schonungslose Einblicke in ihre Gedankenwelt, wobei musikalisch gesehen mein dreijähriger Sohn zumindest am Xylophon locker ihr Niveau hält Über eine Dreiviertelstunde lässt uns Greta an allen Facetten ihrer Stimme und Stimmungen teilhaben, schreckt nicht vor traditionellem Liedgut zurück und erklärt uns die Welt rund um Liebe, Männer, Musik, Hunde und andere Tiere aus völlig neuen Blickwinkeln. Endlich wissen wir wieder, was Gut und Böse ist, und auch an Sozialkritik und Aufruf zur Toleranz und Friedfertigkeit wird nicht gespart. Nur wenn man(n) der Schloch übel mitspielt, dann bekommt man(n) das mit verquirltem Fäkalvokabular fett aufs Brot geschmiert. „Bidde nich“, für das die Gitarrengriffe gleich mitgeliefert werden, könnte so von Ratekau bis Reinfeld zur Stammtisch-Hymne aller Lübecker Selbsthilfegruppen sexuell-belästigter Frauen werden. Wenn es jedoch darum geht, sich live in Szene zu setzen, werden Männer in Form ihrer Begleitband POP30 geduldet. Die Erfahrung lehrt mich, das petatonische „Nackte Schloch“ nicht in Anwesenheit kleiner Kinder zu hören, da eingängig und leicht nachzusingen. „Tanzender Tapir“ würde ich aufgrund des schönen Minimal-Elektros gerne mal den Damen von CLIENT vorspielen.

Und wem das nicht genug ist, der kann sich anschließend noch das als PDF-File mitgelieferte Buch „Da! Die vier Jahreszeiten der Greta S.“ reinziehen. Auch hier ist der Horizont (O-Ton Schloch) gewaltig! Eine trashige Lo-fi-Produktion und wer hier die Frage nach dem „Warum“ oder „Für wen“ stellt, dem wird der Zugang für immer verwehrt bleiben.

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