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GRORR - The Unknown Citizens

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Artist GRORR
Title The Unknown Citizens
Homepage GRORR
Label VICISOLUM PRODUCTIONS
Leserbewertung
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9.0/10 (3 Bewertungen)

Die bereits seit 2005 bestehenden GRORR aus dem französischen Pau sind eine dieser ehrenwerten Bands, die erhöhten künstlerischen Anspruch der Aussicht auf den schnellen kommerziellen Erfolg eindeutig vorziehen. So entstehen zum Beispiel ihre Alben grundsätzlich zunächst inhaltlich-konzeptionell, bevor die eigentliche Musik komponiert wird. Auch das aktuelle Opus „The Unknown Citizens“ macht da keine Ausnahme. Thematische Basis des Drehers ist das gleichnamige Werk des anglo-amerikanischen Dichters W.H. Auden, in dem das Leben eines Durchschnittsmenschen aus der Sicht einer fiktionalen Regierungsorganisation betrachtet wird. Bei Auden wird am Ende die Frage nach der persönlichen Freiheit und Zufriedenheit des Individuums aufgeworfen. Dieser Frage widmen sich GRORR etwas detaillierter in den drei, aus jeweils drei Songs bestehenden, Kapiteln „The Fighter“, „The Worker“ und „The Dreamer“.

Hohe Art- bzw. Prog Rock-Schule also, entsprechend progressiv ist auch die Musik auf „The Unknown Citizens“ gehalten, und zwar derart brachial, dass man durchaus von technischem Death Metal sprechen könnte. So schießt einem denn auch schon nach wenigen Takten direkt der Name MESHUGGAH durch den Kopf, eine Referenz, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht, auch wenn GRORR einen etwas weniger auf Monotonie ausgerichteten Zugang zu den durchaus ähnlichen Stilmitteln wie extremen Stakkato-Riffs, vertrackten Donner-Drums und betont aggressiven Vocals gefunden haben. Die Franzosen sind verspielter, brechen stoische Groove-Walzen immer wieder mit geschmackvollen Post Metal-Riffs auf und würzen ihren Sound zusätzlich mit bewusst sehr wohldosierten (synthetischen) Orchester- und Weltmusikeinsprengseln, die dankenswerter Weise nur Mittel zum Zweck und nie dominierendes Element sind. Interessant sind auch die unterschiedlichen Stimmungen der drei Kapitel des Albums. Marschiert „The Fighter“ im Durchschnitt doch relativ stoisch voran und scheint ein klares Ziel vor Augen zu haben, ist „The Worker“ wesentlich vertrackter, geprägt von vielen Rhythmuswechseln, und schwankt irgendwie zwischen wuselnder Hektik und erschöpfter Verschleppung. Hier zeigt sich das kompositorische (und instrumentale) Können der Musiker. Jedes Break ist beinahe erschreckend ausgeklügelt und insbesondere die Rhythmussektion, bestehend aus Bassist Yoann und dem fantastischen Drummer Jérémy, überzeugt durch ihre mitreißende Präzision. Das finale Kapitel „The Dreamer“ gibt „The Unknown Citizens“ zum Ende hin dann noch einen betont melodischen Anstrich und wirkt zunächst etwas ruhiger als die vorherigen Stücke, was allerdings nicht minder mitreißend ist, denn die verkopfte Introvertiertheit dieser Trilogie ist Synapsenfutter allererster Güte.

Fazit: Wer bei einer Mischung aus MESHUGGAH, INTRONAUT und THE OCEAN schwitzige Finger bekommt, MUSS sich „The Unknown Citizens“ zu Gemüte führen. Alle anderen SOLLTEN zumindest.

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