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HÄMATOM - Stay Kränk

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Artist HÄMATOM
Title Stay Kränk
Homepage HÄMATOM
Label MEGAPRESS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

„Los geht’s!“ Mit diesen Worten starten HÄMATOM in ihr nunmehr drittes Werk „Stay Kränk“ – darum wollen wir ebenso direkt zur Sachen kommen. Seit 2004 bilden Nord, Ost, Süd und West (so die „lustigen“ Pseudonyme der Musiker aus Bayern) den Planeten HÄMATOM, ihre scheinbar ganz eigene Welt. Mit bemalten Gesichtern bzw. Masken will man wohl genau so versuchen sich abzuheben, wie nach eigenen Aussagen auch mit ihrer Musik. Doch genau so unspektakulär wie die Idee mit maskierten Pseudonymen mittlerweile ist, verhält es sich auch mit den produzierten Tönen. Mit KNORKATOR, JBO und den APOKALYPTISCHEN REITERn teilte man bereits die Bühne – und das merkt man auch: der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – hier kullert er schon beinah durch ein Astloch in selbigen zurück.

Ungemein Schade, wie Teile der deutschen Musik sich einfach nur noch selbst kopieren. Die fehlende Eigenständigkeit täuscht dabei leider oft über das eigentliche Können der Musiker hinweg. So poltert der Opener „Friss oder stirb“ zwar druckvoll los, ist aber bei weitem nicht so kompromisslos, wie man ihn gerne hätte. „Wir erfinden diese ganze scheiße neu“ heißt es da – dafür muss man aber entweder eher aufstehen oder was anderes versuchen. Kombinationen aus Metal und Rock sind nicht neu, auch nicht mit deutschen Texten! Vor allem wenn die verwendete Lyrik dann mit zu oft genutzten Phrasen oder ausgelutschten Themen auftrumpfen will wie eben „Friss oder stirb“, „Auge um Auge“ oder „Spieglein“. Letztgennantes zielt natürlich auf „Spieglein, Spieglein an der Wand“ ab, was den Trend dieses Genres, Kindermärchen-Zitate (oft vermeintlich böse) zu verwenden, wieder einmal bestens bedient. Doch trotzdem ist es genau diese Komposition, die mir recht gut gefällt. Sie wird getragen von einem coolen Drive und hat mit „Fresst euch gegenseitig auf!“ einen mega Mitgröhlpart, der dem im Refrain dann sogar noch bei weitem übertrifft. Ein weiteres besonderes und absolut gelungenes Schmankerl ist auch das Mitwirken von Michael Roth. EISREGENs „Blutkehle“ gibt dem „Anti-Germany’s Next Topmodel“-Klangwerk dann noch den nötigen vernichtenden Kick, den es braucht. Am Ende dann die Spieluhr-Melodie von „Guten Abend, gut’ Nacht“ – schon ziemlich nett. Ihm folgt mit „Schau sie spielen Krieg“ das intelligenteste Stück des gut 43-minütigem Albums. Durch den klugen Einsatz von Kindergesang im Refrain wird die warnende Botschaft mit einer gewissen Brisanz versehen – schön, dass man sich entschieden hat, dazu auch ein Video zu machen. Das dritte und letzte Stück, das aus dem Trott des zwölf Titel umfassenden Liedguts musikalisch herausragt, ist „El Mariachi“. Wie der Name es vermuten lässt auf Spanisch und so mit entsprechendem Flair versehen, durch seine schweren Gitarren aber schon ziemlich hämmernd. Was bleibt ist an sich beileibe nicht schlecht, „Eva“ ist beispielsweise eine starke Huldigung an die Menschlichkeit der Bibelfigur und ihrer vermeintlichen Schwäche, der Versuchung im Paradies nicht widerstehen zu können, doch insgesamt hebt man sich viel zu wenig von den anderen gleichermaßen musizierenden Bands ab. Weder bei dem zu simplen Titelsong (mit immerhin coolem Rock-Riffing) oder dem nicht grad einfallsreichen „Verpiss dich“. Technisch brauchen HÄMATOM sich dabei wirklich nicht vor der Konkurrenz zu verstecken, die Gitarren sind für das eine oder andere coole Riff schon zu haben, der Bass drückt – auch dank der guten Produktion – herrlich und die Drums treffen genau das, was sie sollen. Gesang findet man bis auf ein paar Ausnahmen wie „Unser Ende“ oder dem mit Akustik-Gitarre unterlegtem „Scheissegal“ nur sporadisch, Mikro-Mann Nord gefällt sich überwiegend im rauen Gegröle, was aber so auch sicherlich besser zum Konzept der Band passt. Ebenso sind nette Spielereien wie die erwähnte Spieluhr oder auch das Alarmsignal bei „Auge um Auge“ gut gewählt – doch RAMMSTEIN, DIE APOKALYPTISCHEN REITER und Co. sind auch da bewandert, ebenso was diverse Rhythmen angeht – wirklich neu ist hier leider nichts so wirklich.

HÄMATOM „hat von Anfang an eine Lücke angesteuert“ und „der neuen deutschen Härte wieder Leben eingehaucht“ heißt es im Pressetext, doch eigentlich haben sie nur vorhandenes aufgegriffen und dem Genre höchstens entsprechend des Namens ein paar Blutergüsse beigefügt – das war es dann aber auch schon an Prägung. Wer nichts mit dieser Musik anfangen kann, den wird auch „Stay Kränk“ nicht vom Gegenteil überzeugen. Freunde von den genannten Bands und Genre-Nimmersatts bekommen dagegen einen weiteren Nachschlag mit viel Druck und einer großen Portion Rock im fetten Metal-Speckmantel.

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