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HANNES WADER - Nah dran

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Artist HANNES WADER
Title Nah dran
Homepage HANNES WADER
Label UNIVERSAL
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Richtig, HANS WADER zählt nicht eben zu den Musikern, die regelmäßig beim Terrorverlag Erwähnung finden. Zweifellos ist er jedoch einer der wichtigsten deutschen Liedermacher und seine Hymne „Heute hier, morgen dort“ wurde wahrscheinlich unzählige Male gecovert – zuletzt von den TOTEN HOSEN auf „Die Geister, die wir riefen“, dem Album zum 30. Bühnenjubiläum. Auch der in Bethel bei Bielefeld geborene Wader hatte jüngst Anlass zum Feiern, denn am 23. Juni wurde der Mann mit der Gitarre 70 und zum Geburtstag verteilte der Musiker die Geschenke an seine Fans und veröffentlichte unlängst seinen jüngsten Silberling „Nah dran“.

Eingedenk der sieben Jahrzehnte Lebenserfahrung ist vermutlich „Dass wir so lang leben dürfen“ entstanden. „Ich wird’ es überstehen (Last Thing On My Mind)“ erinnert sowohl an „Heute hier, morgen da“ als auch an dezente Country-Sounds, was insbesondere der Slide Guitar geschuldet ist. Mit dem Titeltrack „Nah dran“ beweist Kollege Wader Humor und ordnet seinen bereits erwähnten größten Hit dem „anderen“ deutschen Liedermacher der ersten Stunde, REINHARD MEY, zu. „Der Drachen“ erzählt derweil eine kleine Alltagsgeschichte, während „Boulevard St. Martin“ im französischen Chanson-Stil der Schrecken des Dritten Reiches gedenkt. Auch „Die welken Blätter (Les feuilles mortes)“ bleibt dieser musikalischen Stilrichtung treu, während HANNES WADER auf dem countryesken „Mahlzeit“ mit allerlei Nahrungsmittel-Skandalen und politisch unkorrekten Lebensmitteln abrechnet, die wahrscheinlich gerade deshalb so lecker sind, weil der Verzehr zum schlechten Gewissen führt. Wie z.B. der Genuss von argentinischen Steaks. Aus der Feder von FRANZ JOSEF DEGENHARDT stammt das stimmungsvolle „Jeder Traum“ und auch „Alter Freund“ bedient sich genau wie KONSTANTIN WECKERs „Was keiner wagt“ bewährter Liedermacher-Tugenden, während „Seit Ewigkeiten (To Everything There Is A Season – Turn, Turn, Turn)“ als beschwingte Hommage an die BYRDS daherkommt. Mit 70 rückt die eigene Sterblichkeit möglicherweise stärker in den Fokus. Auf jeden Fall endet die Langrille mit dem „Lied vom Tod“ recht beschwingt und sehr lebensbejahend.

„Nah dran“ ist nicht unbedingt die Kost, die der Terrorverlag üblicherweise seinen Lesern serviert, aber durchaus abwechslungsreich geraten. Groove, Humor und Haltung geben sich bei HANNES WADER ebenso gekonnt wie unaffektiert die Hand. Das Ganze bleibt im Liedermachertum alter Schule verwurzelt, bedient sich jedoch auch bei County- und Reggae-Einflüssen und klingt so alles andere als verstaubt.

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