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HARDCORE ANAL HYDROGEN - The Talas Of Satan

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Artist HARDCORE ANAL HYDROGEN
Title The Talas Of Satan
Label APATHIA RECORDS
Leserbewertung
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5.0/10 (1 Bewertungen)

Dass die Franzosen HARDCORE ANAL HYDROGEN bisher wohl den Allermeisten unter uns Musikfreunden, mich selbst eingeschlossen, unbekannt geblieben sind, obwohl sie heuer bereits ihr drittes Album veröffentlichen, liegt wohl in der Tatsache begründet, dass die Musik dieser Vollzeit-Nerds einfach zu abstrakt und Nerven zerfetzend ist, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erreichen.

Schon beim ersten Hördurchlauf gewinnt der geneigte Hörer die Erkenntnis, dass der lediglich 23-minütige (!!) Dreher mit „The Talas Of Satan“ (vgl. den Begriff „Tala“ aus der traditionellen indischen Musik) sehr treffend betitelt ist, denn hier befindet man sich tatsächlich ganz offenbar im musikalischen Wendekreis des Teufels. Im Grunde spielen HARDCORE ANAL HYDROGEN Weltmusik, allerdings in einer sehr extremen Form. Gleich zu Beginn treffen im Opener „Dhamar“ indische Mantra-Elemente auf bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Vocals und harsche Deathcore-Riffs. In der Folge gesellen sich minimalistische Technobeats ebenso dazu wie betont ohrenfeindliche Disharmonien von der Gitarre. „Release The Crackhead“ (sic!) beginnt dann erholsamer Weise mit einem sehr smoothen Hip Hop-Beat, der allerdings nach wenigen Takten von Blastbeats und Hornissen-Gitarren in feinster Black Metal-Manier zermartert wird. Der 2-minütige Pausentee in Form von chinesisch anmutender Meditationsmusik („Pentamere“) ist geradezu eine Wohltat. Und bitter nötig, wenn man das darauf folgende „Kalakaka“ überstehen will, was erneut ein heftiger Angriff aufs Nervenkostüm ist. Wie eigentlich das gesamte Album, Casio-mäßige Bossanova-Rhythmen und Crust-Vocals inklusive. Bitte nicht falsch verstehen: Das Alles klingt zwar furchtbar wirr und anstrengend, ist es auch, aber es ist dabei alles andere als schlecht. Erstens gebührt den Musikern aller Respekt für die verdammt kompetente Umsetzung dieses Irrsinns. Und zweitens birgt „The Talas Of Satan“ doch auch die eine oder andere coole Hookline, einige verdammt fette Grooves und viel Anlass zum anerkennenden Schmunzeln. Zum Beispiel wenn „Coi“ klingt wie frühe STUCK MOJO auf Speed oder „Coq Au Vin“ an SYSTEM OF A DOWN und die DEAD KENNEDYS gleichzeitig erinnert. Alles im Lot also soweit, dennoch gilt: Viel länger als 23 Minuten hätte diese Platte nicht sein dürfen, alles darüber hinaus könnte schwerwiegende psychotische Störungen zur Folge haben.

Wer sich also eine Grindcore-Variante der experimentellsten Momente von RADIOHEAD vorstellen kann, kann hier bedenkenlos zugreifen, allen Anderen sei angeraten, vorher ein Ohr zu riskieren und das Gehirn auf Trittfestigkeit zu überprüfen. Verdient hat es das Album allemal.

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