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HATE SQUAD - H8 for the Masses

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Artist HATE SQUAD
Title H8 for the Masses
Homepage HATE SQUAD
Label SWELL CREEK RECORDS
Leserbewertung
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9.8/10 (4 Bewertungen)

Die Sonnenblumen erstrahlen im Lichte ihrer Namensgeberin, die ersten Würstchen landen zischend auf den Grillplatten und man kann sein Hefeweizen nun auch auf der Terrasse, statt im modrigen Keller in die Kehle gleiten lassen: Der Sommer kommt und alle sind zufrieden! Naja, fast alle zumindest, denn ein umtriebiges Quintett säht Hass und miese Laune und weigert sich standhaft, Zeilen wie „wanna make love to you all night long/ till the break of dawn“ zu singen. Schlecht für Deutschlands Gartenpartys, gut für die Musiklandschaft.

In vielerlei Hinsicht ist MetalCore der legitime Nachfolger des CrossOver und schon bei dem hatte das „inländische Musikprodukt“ auch international ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Der Vorteil des ersten gegenüber dem zweiten besteht zum einen darin, dass wir nie mehr die H-BLOCKX hören müssen und zum zweiten, dass die harten Jungs hier nicht krampfhaft einen auf Funk zu machen versuchen (was sie, bis auf LIVING COLOUR, nicht können), sondern stattdessen lieber ihre negativen Gefühle in angsteinflößende Brülltiraden kanalisieren (was sie, bis auf die H-BLOCKX, zumeist recht gut können). Dass dabei sogar beinahe konsensfähige Platten entstehen können, haben zuletzt natürlich HEAVEN SHALL BURN bewiesen, deren letztes Album für Furore in den Medien, schwitzende Moshpits in den Konzerthallen und ausverkaufte Regale in den Läden sorgte – oder so ähnlich zumindest. Gerade „Antigone“ bemühte sich gleichzeitig angestrengt um den Aufkleber „Kunst“ und „Krach“, hängte den Himmel voller Geigen, nur um diese mit dem Gewehr herunterzuschießen. „H8 for the Masses“ ist im direkten Vergleich ein deutlich simpler gestricktes Projekt, verzichtet auf jegliches schmückendes Beiwerk und auf einen Bezug auf griechische Mythologie, doch gereicht ihm das nicht zur geistigen Armut, sondern vielmehr zur Ehre. Man muss simpler an dieser Stelle auch nicht als „primitiver“ verstehen, sondern vielmehr als „geradliniger“ und „pointierter“, genauso wie die bedeutend einfachere Produktion die Band nackter dastehen lässt, dafür aber den Kern der Sache schärfer ins Blickfeld rückt: Während sich die Konkurrenz über aneinandergeketteten Riffs die Lunge aus dem Leib schreit, schreibt das HATE SQUAD lieber mitreißende Songs mit gewaltigen Refrains, die dennoch auf kein Gramm Unmut verzichten. Und die bei aller Frustbewältigung niemals lediglich kommen, um sich zu beschweren, sondern den Hörer zuerst zu Boden schlagen, um ihm die positive Botschaft leichter eintrichtern zu können. Für jedes „Burn in Hell“ auf dieser Platte gibt es auch ein „Never give up“.

Vielleicht die beste MetalCore Scheibe in diesem Sommer, doch hört auch jemand hin? Immerhin hat die „Hass-Einheit“ schon ganz andere Probleme in ihrer mehr als 10jährigen Bandgeschichte überstanden. 1994 erschien das damals hochumjubelte Debüt „Theater of Hate“ und das sogar bei GUN, man machte ein Tekkno-Remixalbum und stand dann nach ein paar weiteren Veröffentlichungen Ende der 90er wieder ohne Label da. Dennoch hat man sich nie unterkriegen lassen und klingt vielleicht gerade deshalb nach 6 Jahren Pause rauer und ungestümer denn je. „H8 for the Masses“ schwimmt natürlich augenscheinlich im Fahrwasser bereits genannter Bands und könnte somit leicht als Wiederholungsübung oder Imitation abgetan werden. Wir drücken jedenfalls die Daumen: Wenn das mit den Massen funktioniert, können sich die Jungs dann auf der nächsten Gartenparty vielleicht auch mal gutgelaunt zu BARRY WHITE ein Würstchen und ein Weizen genehmigen.

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