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HEATHEN - The Evolution of Chaos

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Artist HEATHEN
Title The Evolution of Chaos
Homepage HEATHEN
Label MASCOT RECORDS
Leserbewertung
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8.5/10 (6 Bewertungen)

THRASH METAL!!!

Fast 20 Jahre haben die Veteranen HEATHEN gebraucht, um einen Nachfolger für ihren letzten Meilenstein „Victims of Deception“ einzudengeln. Und als wäre die Zeit gar nicht vergangen, zertrümmern die Mannen um Monstergitarrero Lee Altus (EXODUS und ex-DIE KRUPPS) so ziemlich jede Thrash Metal-Scheibe, die seitdem auf den Markt kam! Mit einer Vehemenz und Leichtigkeit, die ich selbst in kühnsten Träumen nie für möglich gehalten hätte… aber wer hätte auch schon noch dran geglaubt, jemals ANACRUSIS bzw. EXHORDER, zwei absolute Gottkapellen für jeden Thrasher, nochmals Live erleben zu dürfen (2010 auf dem „Keep it True“ bzw. „Rock Hard“)!

Schon der HEATHEN-Auftritt auf dem letztjährigen Rock Hard-Festival geriet zum absoluten Triumphzug für die Herren. Hier wird nicht mal eben aus Langeweile oder Geldnöten (siehe die recht schlappen Scheiben der Weggefährten WHIPLASH oder DEFIANCE z.B.) ein halbgares Album eingenudelt, HEATHEN machen’s ihrem Status entsprechend gleich richtig und stellen ihren beiden Überwerken „Breaking the Silence“(1987) und „Victims of Deception“(1991) ein vollkommen ebenbürtiges Meisterwerk zur Seite, für das man ebenfalls nur von vorne bis hinten die übervolle Punktzahl geben kann! HEATHEN waren ja schon von Beginn an immer die etwas andere Thrash Metal-Band, man ging noch nie besonders brutal zu Werke, legte seit jeher besonderes Augenmerk auf filigrane Melodien und ließ sich auch nie auf das reine Thrash-Genre beschränken. Power Metal oder klassischen Heavy Metal verbindet man in perfekter Symbiose mit lupenreinem Thrash zu unsterblichen Jahrhundertsongs und es gehört mal wieder zu den Ungerechtigkeiten schlechthin, dass es dieser einzigartigen Band nie vergönnt war, größer durchzustarten. Saitenmagier Lee Altus kann endlich wieder frei zeigen, weshalb er zu den besten Gitarristen ever zählt, hier wird er nicht in das Shred-Konzept von EXODUS gezwängt. In dem er zweifelsfrei auch seine Klasse hat, aber wer sich seine filigrane und melodische Abfahrt auf diesem 70-minütigen Ausflug reinzieht, der versteht, weshalb es HEATHEN wieder geben muß. Was „Reign in Blood“ für den brutalsten Thrash ist, ist „The Evolution of Chaos“ für den melodischen Thrash: DAS Referenzwerk! Wer beim Eingangsriff-Massaker von „Fade Away“ nicht einen Meter Gänsehaut entwickelt und danach die Murmel im Quadrat kreisen lässt, der ist definitiv tot.

Was im übrigen für die komplette Scheibe gilt. Schon das orientalisch angehauchte Intro versetzt den gebannten Metaller in eine höhere Sphäre, in der er beim Raketenschnellen Wahnsinnsopener „Dying Season“ vollkommen ausklinken kann. Aggressiv und dennoch hochmelodisch mit dem geilen Leadriff des Intros als Thema, ein brilliant singender David White, ein treibendes Grundriff, das selbst EXODUS locker erblassen lässt und elegant-rasante Soliererei der Herren Lee Altus/ Kragen Lum von einem völlig anderen Stern. Selbstredend erklingt auch das Fundament von Bassist Jon Torres und Schlagwerker Darren Minter in Perfektion, der Sound könnte nicht amtlicher sein. Da fügt sich das Klasse Coverartwork nahtlos ein. Somit ist schon nach dem ersten Track klar, das HEATHEN nicht nur an ihre eigenen Scheiben heranreichen, sie sogar überflügeln, sondern mal gleich das gesamte Genre mit aufrollen und alle anderen Bands abhängen. Noch wahnsinniger wird es mit dem folgenden Thrash-Brett „Control by Chaos“, bei dem einen das melodische Eingangsriff im langsam aufbauenden Introteil schon abheben lässt. Es folgt ein furztrockener und brettharter Banger, dessen pfeilschnelle Soli und mordstreibender Groove nur das Prädikat „Referenztrack“ zulassen! Tempiwechsel, Melodie en Masse, ein Hauptriff für die Ewigkeit, grandioser Gesang, Brüllshouts… einfach 7 Minuten, die zeigen, wer ab sofort wieder die Macht im melodischen Thrash-Genre ist.

Da stinken auch meine Alltime-Faves (in dem Bereich) TESTAMENT gewaltig ab gegen! Mit dem über 11 Minuten langen epischen Thrasher „No Stone Unturned“ setzen sich HEATHEN dann allerdings selber ein Denkmal! Trotz der immensen Länge des Songs sitzt hier jede Note am richtigen Fleck, es kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf und der Chorus hat Weltklasseformat. Damit meißelt man sich bis in alle Ewigkeiten auf dem Thrash-Thron ein! Natürlich lässt man es mit „Arrows of Agony“ wieder amtlicher krachen und rifft alles in Grund und Boden, ein treibender Banger, wie ihn nunmal nur HEATHEN hinzaubern können. Das bereits erwähnte „Fade Away“ tönt Rifftechnisch schon etwas nach EXODUS zu Beginn, logisch beim gleichen Riffmeister, killt aber nichts desto trotz völlig. Halbballadesk und leicht MANOWAR-episch geht man in „Attero’s Welcome“ vor, hier dürften auch normal-Metaller bzw. nicht-Thrasher begeistert vor den Speakern knien, vor allem bei den Breitwandchören und Spoken Word-Passagen im Mittelpart. Womit erneut unter Beweis gestellt ist, das die Herren nicht nur im Thrash-Genre traumwandlerisch sicher auf höchstem Niveau komponieren. Jene bekommen mit dem straighten „Undone“ aber gleich einen vor den Latz, dem man mittels des rasanten „Bloodkult“ noch einen drauf setzt. Technischer Thrash Metal in Perfektion. „Red Tears of Disgrace“ beginnt fein akustisch, steigert sich dann zu einem treibenden Power Metal-Killer par Excellence und erinnert mich ein wenig an die neue MELIAH RAGE. „Silent Nothingness“ verzaubert zum Schluß nochmal mit vollkommen göttlichem Leadriffing im Intropart und haut einem ansonsten einfach nur die Rübe runter! Speediger Thrash Metal mit Suchtfaktor 12 und einem Akustik/ Melodic Riff/ Solo-Break, das niemand verpassen darf.

Wer auch nur ansatzweise im richtigen metallischen Universum mitreden will, der MUSS dieses Jahrhundertwerk ab sofort auf einem gesonderten Platz einordnen, gleich neben „Images and Words“, „Operation-Mindcrime“, „Master of Puppets“, „Back in Black“, „Reign in Blood“ etc… und den ersten beiden HEATHEN-Scheiben (und allen von BOLT THROWER natürlich)! BUY IT NOW!!!

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