Band Filter

HEAVEN SHALL BURN - Antigone

VN:F [1.9.22_1171]
Artist HEAVEN SHALL BURN
Title Antigone
Homepage HEAVEN SHALL BURN
Label CENTURY MEDIA
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (5 Bewertungen)

Verbrennt den Himmel, huldigt der Erde! Mit dem missionarischen Eifer eines jungen Priesters und dem zölibatären Verzicht aufs „Opium fürs Volk“ schreiten HEAVEN SHALL BURN zur Sache, prangern an und fordern auf zu Engagement, Einsatz und dem Bekenntnis zum eigenen Willen, zum Formulieren und Folgeleisten einer eigenen Doktrin. Und so bildet die nackte Realität den Treibstoff für den kreativen Motor, der lautstark pluckernd und ohne zu stottern den brachialen Panzer dieser Band vorantreibt, alles zermalmend, was ihm in den Weg kommt.

Antigone ist dabei die sinnbildende Metapher aus der griechischen Geschichte, deren eigentlich aussichtsloser Humanismus im Antglitz der Unmenschlichkeit wie eine Klammer das ideelle (nicht ideologische!) Grundgerüst dieser Scheibe umfasst und gleichzeitig den muskulösen Energien eine Komponente des Anmutes und der Besinnlichkeit zur Seite stellt. Wie die zungenkühlende Jogurtsoße zum teuflisch brennenden Curry werden die dem Werk zugrundeliegenden Hasstiraden mit ruhigen Momente instrumentaler Schönheit übergossen, vermischen sich elektrifizierende Gitarrenbreitseiten mit perlenden Pianoläufen oder himmlischem Frauengesang auf dem Beinahe-Schlußlicht „The Dream is Dead“ und es sind gerade diese Momente, welche die Atmosphäre entscheidend prägen und die Musik von einer Vielzahl ähnlich gearteter Produktionen abgrenzen und absetzen. Kunstvoll sind sie eingewoben, diese Interludien und Ergänzungen, doch zu selbstverliebter Kunst wird „Antigone“ dann glücklicherweise doch nicht. Vielmehr hat man zu Anfang ein wenig die Befürchtung, die Band könne sich an der Schärfe der Zutaten verschlucken, wenn die Strukturen eher vage bleiben und die Riffs der ersten beiden Songs wie ein Ei dem anderen gleichen. „Voice of the Voiceless“ verwurstet dann noch etwas bemüht die Harmonien von „Roxanne“, doch danach gibt es kein Halten mehr, werden die Stücke zwingender und zupackender, ohne sich in blindem Zorn zu ergießen. „To Harvest the Storm“ und „Bleeding to Death“ sind markerschütternde Kracher, das bereits genannte „The Dream is Dead“ ein potentieller Metalschuppenhit, ein Brett wie FAITH NO MORE mit Reißzwecken am ganzen Körper.

Vielen wird dieser harte Brocken dennoch etwas zu eintönig erscheinen und es gebührt der Ehrlichkeit zu erwähnen, dass HEAVEN SHALL BURN weder die unverfrorene Buntheit, noch die Stilvielfalt ihrer Freunde von CALLIBAN aufweisen. Aber eben auch nicht die Beliebigkeit eines „Crossing all over“-Samplers. Man wird sie nehmen müssen, wie sie sind und das ist fürwahr nicht das Schlechteste, was einem passieren kann, im Himmel als auch auf Erden.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

HEAVEN SHALL BURN - Weitere Rezensionen

Mehr zu HEAVEN SHALL BURN