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HEIMATAERDE - Unter der Linden

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Artist HEIMATAERDE
Title Unter der Linden
Homepage HEIMATAERDE
Label INFACTED RECORDINGS
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

Willkommen im TERRORVERLAG-Volkshochschulkurs “Mittelhochdeutsch für Anfänger” aus unserer Reihe: „Mediävistik für Gothics, Metaller und Elektroniker“:

Heute: Walther von der Vogelweide (um 1170 – um 1239)

Under der linden,
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ mugt ir vinden
schone beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal.
tanderadei, schôn sanc diu nahtegal.

HEIMATAERDE kommen dieser Tage mit ihrer Single/ E.P. „Unter der Linden“ auf den Markt. Wer sich einstmals ein bisschen mit den wenigen literarischen Überresten des Mittelalters, die auf uns gelangt sind, beschäftigt hat, dem wird sofort die Assoziation zu Walther von der Vogelweide auffallen. Es handelt sich dabei um eine ins Neuhochdeutsche übersetzte Version seines Gedichtes „Under der linden“. Musikalisch gelingt es den beiden Herren von HEIMATAERDE eine interessante Mischung aus Neofolk, Elektro und dem, was so in dunklen Kreisen für mittelalterliche Musik gehalten wird, zu kreieren.

Auch wenn sich die Drumprogrammierung manchmal etwas zu stampfig/ holperig anhört und der Gastgesang von Anna-Maria Straatmann (MASSIV IN MENSCH) etwas dünn klingt, handelt es sich bei dem Titelstück doch um einen insgesamt gelungenen Track. Was die Club-Version angeht, sucht man die klangliche Mitte zwischen elektronischen Clubgängern und Schalmaienverwöhnten MA-Fans. Dass Mix und Mastering von Herrn Lehmkämper in den X-FUSION-Studios erstellt wurden, hört man bei allen 5 Tracks schnell heraus. Die opus-dei-Version von „Unter der Linden“ wirkt aber noch etwas ruhiger und besinnlicher und dürfte eher etwas für die Freunde der traditionelleren Pseudo-MA-Spielleutsmusik sein. Die B-Seiten hauen in eine ähnliche Kerbe wie die Titelstücke. Am deutlichsten hört man das bei „Die Brut“ sowie „Tempus es locundum“ aus den Carmina Burana (Nr.179). Einzig „Gott will es“ mit seinen tanzbaren Noise-Industrial-Sounds kommt aggressiver und roher daher und wird wohl einige Burgen- und Jahrmarktbesucher verprellen. Mit diesem textlichen Beitrag („Eine Armee, die das Zeichen Jesu Christi vor sich herträgt, kann nicht besiegt werden! Gott will es!“) von HEIMATAERDE zum Jahr des Fundamentalismus (man beachte die aktuelle Weltpresse) schließt man die E.P./ Single mit dem Hinweis auf einen noch nicht all zu weit zurückliegenden westlichen christlichen Fanatismus.

Darüber darf sich jetzt jeder seine eigenen (aufklärerischen) Gedanken machen: Der George W. in Washington, der Benedikt in Rom und auch der „freundliche“ Osama in weiß Gott wo… Gott sei ihrer Seelen gnädig!

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