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HEINZ RUDOLF KUNZE - Können vor Lachen

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Artist HEINZ RUDOLF KUNZE
Title Können vor Lachen
Homepage HEINZ RUDOLF KUNZE
Label MEADOW LAKE MUSIC
Leserbewertung
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Im vergangenen Jahr hat HEINZ RUDOLF KUNZE sein 40. Bühnenjubiläum mit dem Live-Album „Auf frischer Tat ertappt“ gefeiert, jetzt meldet sich der Rockmusiker, Schriftsteller und Liedermacher mit neuen Songs zurück. „Können vor Lachen“ heißt die brandneue Studioplatte; der Titel offenbarte sich ihm in Form eines Plakates, an dem er in Düsseldorf vorbeifuhr und das genau die Wortakrobatik widerspiegelt, für die der 66-jährige, der Ende der Siebziger auf dem besten Weg war, Deutschlehrer in Osnabrück zu werden, seit vier Jahrzehnten geliebt wird.

Und auch Album Nr. 39 spart nicht mit den Zutaten, die der HRK-Fangemeinde Vergnügen bereiten: Charme, Wortwitz, Kampfgeist und handwerkliches Können stecken in jedem der 14 Lieder. Angefangen beim eindringlichen Opener „Halt mich fest“; arrangiert in der Soundwelt von PETER GABRIEL und den SIMPLE MINDS, beschwört Kunze hier den Zusammenhalt im Kleinen, um den Wahnsinn im Großen auszuhalten. Um Beständigkeit, Liebe und Zuversicht geht es im nachfolgenden Ohrwurm-Popsong „Halt das Herz an“, ehe der Titeltrack „Können vor Lachen“ mit gekonntem Gitarrenrock auf das bisherige Leben und den mitunter schwierigen Spagat zwischen Ernst und Spaß blickt. „Igor“ ist Heinz Rudolfs politisches Statement zum Grauen des Ukraine-Krieges, eine nachdenkliche Anklage des Diktators im Kreml, der sich ganz offensichtlich keine Gedanken darum macht, wie es den jungen Russen ergeht, die er in dieser sinnlosen ‚Spezialoperation‘ opfert. Mein Highlight der Langrille, das mich musikalisch in die Achtziger versetzt. Mit beschwingten Melodien erinnert sich der Mann mit der markanten schwarzen Brille an „Die furchtbaren herrlichen Jahre“, die er im Rampenlicht verbracht hat – nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens, sondern auch verbunden mit Existenzängsten und Panikattacken. Ein sehr persönliches Resümee über einen Lebensweg, den der Erzähler trotz aller Widrigkeiten nicht missen möchte. Fast meint man, HEINZ RUDOLF KUNZE hätte die grammatikalische Sicherheit verloren, wenn man sein „ich hab kein Zeit“ hört – aber das ist einfach nur eine Sprachspielerei, denn tatsächlich heißt es mit einer minimalen Verzögerung „Kein Zeitgefühl“ – mit Worten kann er immer noch genauso gut umgehen wie mit der Musik, die hier schwungvoll und rhythmusbetont daherkommt. Leisere, emotionale Töne schlägt „Immer nur um dich“ an und auch die Ballade „Klar hab ich geweint“ spart nicht mit Gefühlen und zeigt den verwundbaren Privatmann Heinz Rudolf Kunze. Die „Trostlosigkeitsallee“ ist derweil HRKs akustische Antwort auf BOB DYLANs „Desolation Row“ – ein wilder Ritt auf der Straße der gescheiterten Existenzen, Künstler, Dichter, Denker und Verrückten. „Der Irrsinn hat System“ stellt er wenig später mit staatsmännischen Gitarrenwänden fest, bevor die bluesgetränkte Piano-Nummer „Lass uns tun was geht“ um Courage und Reflektion wirbt. „Liebes Lied“ erinnert mit ungewohnten Country-Vibes abermals an den amerikanischen Lyrik-Meister, um schließlich mit „Leuchtturm“ die melancholische Geschichte eines alten Leuchtturm-Wärters zu erzählen, der stoisch seine Lebensaufgabe erfüllt, obwohl er gar nicht mehr gebraucht wird. Schwere Gitarren und dunkle Synthies machen dieses Stück sogar für Fans der schwarzen Szene interessant!

„Können vor Lachen“ ist wie ein Blick durch ein Kaleidoskop: es gibt die unterschiedlichsten Facetten und Ausprägungen und über allem steht HEINZ RUDOLF KUNZEs Zugewandtheit und sein kluger Blick auf das Weltgeschehen und die Begegnung mit der eigenen Vergangenheit und den damit verbundenen Höhen und Tiefen. HRK befindet sich auf der Höhe der Zeit und bringt genau den Hauch Nostalgie ins Geschehen, den es braucht, um die Zuhörer:innen zu fesseln und zum Nachdenken zu bringen. Anfang 2024 kann man Herrn Kunze im Übrigen auch live erleben.

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