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HEINZ STRUNK - Sie nannten ihn Dreirad

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Artist HEINZ STRUNK
Title Sie nannten ihn Dreirad
Homepage HEINZ STRUNK
Label AUDIOLITH
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Wie heißt es so treffend beim Strunker auf der Homepage: „Heinz Strunk 2015, das heißt 1) alles neu, 2) alles neu und 3) alles neu.“ Der erste Monat des neuen Jahres ist noch nicht rum, schon folgen den Worten auch Taten, bei denen man sich allerdings zunächst nicht sicher ist, ob sich der Entertainer damit nicht in Gefilde begibt, die er besser hätte meiden sollen. Andererseits: Warum auch nicht? Schließlich vollzog er auch in der Vergangenheit immer wieder Grenzüberschreitungen. Diese taten vor allen jenen Fans weh, die eher die trocken-melancholischen Untertöne seines Schaffenswerkes zu schätzen wussten – eine Zwiespältigkeit, die sich interessanterweise bei allen drei Mitgliedern des STUDIO BRAUNs wiederfinden lässt. „Sie nannten ihn Dreirad“ ist als reines Musikalbum wieder einmal so ein ambivalenter Schritt in die gewollte Geschmacklosigkeit. Das Cover lässt es erahnen, wenn nicht sogar befürchten: Es wird schrill. Leider wird es zum Teil auch arg platt.

„Geht ja gar nicht“ hätte beispielsweise mit seinen schier dumpfen Aneinanderreihungen von Flachwitzen auch Gottlieb Wendehals‘ Comeback-Single zur Karnevalszeit sein können. Natürlich hat der ganze Schrott bei STRUNK einen nordisch-ironischen Unterton, der dieses Mal allerdings über weite Strecken verloren geht. Man muss ihn mit der Lupe suchen. Oder sich dazu denken. Schade auch, dass zum Beispiel das liebgewonnene „Schrecklich, schrecklich, schrecklich – furchtbar, furchtbar, furchtbar“ für das ansonsten unsäglich albern-öde „Überfall“ verwurstet wird, das kaum über das Niveau einer EAV-B-Seite hinauskommt.  Der Tiefpunkt ist zur Halbzeit mit „Analdämpfer“ erreicht, einem zweiminütigen Furzwitz im Technosongformat. Diese detaillierten Beschreibungen  des menschlichen Verdauungsmechanismus kennt man bereits aus STRUNKs literarischen Werken. Dort wurden sie aber zumeist in eine Handlung eingebettet, die etwas mehr zu erzählen hatte als Flatulenzanalysen. Textlich sind die „fruchtigen Zwölf“, wie sie der Meister nennt, ganz STRUNK: Es geht um Verlierertypen, breit ausgestellte Lässigkeit und einen kodderigen Wortwitz, der bei der massenkompatiblen Medienlandschaft abgeguckt und zusätzlich angespitzt wurde. Dabei fallen alle paar Sekunden so wunderbare Strunkismen wie „Bückzone“, „Schließmuskellähmung“ oder „Lurchgeburten“. Auch die Querflöte – zuletzt eindrucksvoll bei Hans Peter Geerdes‘ „How much ist the fish?“ eingesetzt –  ist wieder dabei. Aber sind wir ehrlich, ist „Sie nannten ihn Dreirad“ musikalisch nicht mehr als eine Zumutung aus trashigen Alleinunterhalter-Discosounds und Audiolith-Beat-Abfall. Klar muss das auch irgendwie so sein damit es passt, aber wann soll man diese „Songs“ über unfähige Fernsehköche und alte Männer bitteschön hören? Dann doch lieber mehr STRUNK und weniger Song. Gut wird es, wenn STRUNK alle überzogenen Slogans und Lebenshilfeversprechen aus Ratgeberbüchern und Spammails in einen Topf wirft und mit „Aufnehmen bewerten handeln“ zu einem bissigen Kommentar zur Volksverarsche aufkocht.

Apropos „aufkochen“: „Schnelle Esser haben noch was anderes vor im Leben“ geht er in „Langsame Esser“ gegen die Slow-Food-Bewegung vor. Bleibt zu hoffen, dass sich der Heinzer nach dieser erneuten musikalischen Stippvisite auch wieder andere Dinge vornimmt. Bücher schreiben zum Beispiel.

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