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HEIRS - Fowl

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Artist HEIRS
Title Fowl
Homepage HEIRS
Label DENOVALI
Leserbewertung
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7.0/10 (3 Bewertungen)

Ein beschmutzter Mensch als schwarzes Huhn verkleidet. Vier andere Gestalten hüllen sich in weiße Schürzen und ein durchdringendes Starren. Der erste Eindruck, den man optisch von den HEIRS bekommt, wenn man das Digipack ihres zweiten Albums „Fowl“ aufklappt, verwirrt. Die Australier erläutern jedoch, dass sich ein gesellschaftskritischer Gedanke dahinter verbirgt, womit die Vermutung, es könne sich bei der Darstellung um puren Nonsens handeln, vom Tisch wäre. „Fowl“ wird als Analyse des Wiederwärtigem im Menschen, der sich für sein Verlangen nach Unterhaltung, Zerstreuung, sexueller Befriedigung und letztendlich Realitätsflucht mit Dreck und Trivialitäten füttern lässt, verstanden, als eine musikalische Infragestellung der Gesellschaft und ihrer Auffassung von Moral. Dieses oft aufgegriffene Bild des destruktiven modernen Homo Sapiens haben die vier (mit Gastmusiker Miles Brown fünf) Instrumentalisten ganz ohne Texte versucht, auf Albumlänge zu vertonen.

Anders als beim Vorgänger „Alchera“ stammen die neuen Songs aus der Feder des Gitarristen Brent Stegeman, der damit Schlagzeuger Damian Coward ablöst und den Sound der HEIRS verstärkt auf Elektronik und Industrial ausrichtet. Das erste Stimmungstief erreicht „Dust“ bereits zu Beginn. Absolut träge, müde und mit stumpfem Beat, der sich über die beinahe neun Minuten lange Komposition nicht ändert, stampft das Stück die erste Hälfte auf einem einlullenden Synth-Teppich vor sich hin. Ohne großen Übergang erklingt bis zum Ende währendes Gitarren-Geschrammel. Da hätte man sich doch kürzer fassen können. Der Titeltrack legt aber gleich noch eine Minute Anstrengung oben drauf. Der bedrohlich aus der Tiefe zürnende Bass jagt Schweißperlen auf die Stirn. Auf dem Gipfel der Angst bricht plötzlich ein undurchdringliches Noise-Gewitter los, verstörend und zermalmend. „Burrow“ schafft mit halbwegs durchgängigen Melodien und einem wabernden Gitarrensound erstmals eine weniger düstere Stimmung, wenngleich die Elektronik auch hier voll auf die Ohren drückt. Doch mit „Tyrant“ nimmt man die Verwüstung wieder auf und sludged sich fies durch das kürzeste Stück des Albums. Das doppelt so lange „Men“ keift ebenso gemein und verschwommen, bevor „Mother“ in träumerischer Atmosphäre dahin gleitet und „Drain“ ein letztes Mal instrumental ausbricht.

Der neue elektronische Pfad scheint für die HEIRS Anlass genug zu sein, um noch eine Ecke anstrengender zu komponieren. Überfrachtet mit Geräuschen, stumpf und absolut düster, wobei das alles zum übergeordneten Konzept von „Fowl“ passt. Der tumbe, gefallene, übersättigte Mensch. Wem das Album gefällt, der kann es auch als Gatefold-Vinyl erstehen. Ich bin weiterhin unentschlossen.

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