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HELGI JONSSON - For The Rest of My Childhood

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Artist HELGI JONSSON
Title For The Rest of My Childhood
Homepage HELGI JONSSON
Label SEVENAHALF
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Islands bekanntestes Naturspektakel sind zweifellos die Geysire, momentan macht die Insel im Nordatlantik allerdings eher durch Bankenpleiten und Finanzkrisen von sich reden. In Sachen Musik sind die Insulaner Garanten für melancholischen Singer-/ Songwriter-Stuff und sphärische Sounds. Bekannteste musikalische Botschafter sind BJÖRK, GUS GUS, seit dem Sommer und „Jungle Drum“ außerdem EMILIANA TORRINI und natürlich SIGUR RÓS. Mit letztgenannten verbindet HELGI JONSSON nicht nur die isländische Herkunft, sondern auch zahlreiche Kollaborationen. So hat der ausgebildete Posaunist und Muliinstrumentalist SIGUR RÓS auf den letzten Welttourneen begleitet – zuletzt übrigens auch als Support.

Dass sich da auch stilistische Parallelen auftun, liegt fast auf der Hand. Auf Jonssons zweiter Langrille „For The Rest of My Childhood“ finden sich ähnlich wabernde Soundgebilde wie man sie von SIGUR RÓS kennt und auch der androgyne Gesang von HELGI JONSSON zeigt sich mit Jónsi Birgisson verwandt. Da ist es fast schon geschenkt, dass auch Helgi sein Heil in melancholischen Melodien sucht. Liegt wahrscheinlich in der Natur der Isländer. Bevor jetzt allerdings der Verdacht aufkommt, der Besitz einer SIGUR-RÓS-Platte decke auch den musikalischen Kosmos von HELGI JONSSON ab, sei gesagt, dass der 30-jährige durchaus seine eigene Handschrift mitbringt. Besonders deutlich wird dies bei den Nummern, die etwas mehr Pop zulassen. So geschehen bei „Digging Up The Tree“, das auch vergleichsweise viel Tempo macht. Dafür klingt Helgi bei „September“ beinahe bis aufs letzte I-Tüpfelchen wie Birgisson, sogar der SR-typische Mix aus Englisch und Isländisch (bzw. etwas, was eigentlich eine Art eigene Sprache ist, die der Hörer aber im besten Fall für Isländisch hält – wenn’s nach Helgis Vernehmen gut läuft) taucht hier auf. Zum unaufgeregten „Waltz“ gesellen sich alsbald dezente Bläser, ehe eine Spieluhr das verträumte „This Solitude“ eröffnet. „Love Mind“ bleibt im Slow-Rock-Modus, bringt jedoch mehr Druck mit, während „Dry Run“ aufs Wesentliche reduziert den Gefühlen freien Lauf lässt. „Soft Targets“ gefällt mit dezenten Streichern, bevor zum guten Schluss „Lay It Down“ mit filigranen Melodien und Falsett-Gesang fesselt.

Die Nähe zu SIGUR RÓS wird dem aufmerksamen Beobachter bereits beim Artwork des Plattencovers aufgefallen sein. Hier war Jonsis Lebensgefährte Alex Somers tätig, der auf für SR gestaltend unterwegs ist. Sollte Euch HELGI JONSSON mal über den Weg laufen, wundert Euch nicht über seine Deutsch-Kenntnisse und den Ösi-Akzent. Er hat einige Jahre klassische Musik in Graz studiert und noch eine Weile in Wien gelebt – das hat Spuren hinterlassen, auch wenn seine Mucke typische Island-Schwermut vermittelt.

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