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HELLOWEEN - s/t

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Artist HELLOWEEN
Title s/t
Homepage HELLOWEEN
Label NUCLEAR BLAST
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Dass ehemalige Mitglieder zu ihrer Band zurückkehren, kommt vor, dass jedoch auf diese Weise plötzlich drei Sänger am Start sind, ist nicht ganz so häufig der Fall. Bei der 1984 gegründeten deutschen Melodic-Speed-Metal-Kapelle HELLOWEEN ist es jedoch so passiert. Für die von 2017 bis 2019 währende Pumpkins-United-World-Tour kehrte Gründungs-Member Kai Hansen 2016 zu HELLOWEEN zurück und auch Michael Kiske steht seit dieser Zeit wieder am Mikro der Kürbisköpfe. Komplettiert wird die Sängerriege durch Andi Deris, der den Job seit 1994 macht. Fehlen noch der Drummer Daniel „Dani“ Loeble, Gitarrist Sascha Gerstner und die beiden weiteren Männer der ersten Stunde, Michael „Weiki“ Weikath (Gitarre) und Markus Grosskopf (Bass). Eigentlich hätte die Konzertreise bereits 2020 fortgesetzt werden sollen, daraus wurde aus bekannten Gründen nichts und auch die angepeilten Termine für 2021 mussten ins kommende Jahr verschoben werden. Stattdessen sind die Herrschaften ins Studio gegangen und haben nach dem 2019er „United Live“-Bühnengruß neue Konservenkost eingespielt.

Der 16. Studiooutput hört schlicht auf den Namen „Helloween“ und gleich mit dem Opener „Out For The Glory“ beweisen die Hamburger, dass sie nichts verlernt haben. Genauso müssen HELLOWEEN klingen! Temporeich, dennoch melodiös, getrieben von donnernden Drums und facettenreichen Langäxten, die von Vocals abgerundet werden, die mit drei Sängern extrem variantenreich sind. Es folgt die zweite Single-Auskopplung „Fear of The Fallen“ – ein Highspeed-Melodic-Kracher, bei dem Andi das Sagen hat. „Best Time“ ist zweifellos der Partytrack des Silberlings und lädt mit seinem eingängigen Beat schlicht zum Mitgrölen und Abfeiern ein. „Mass Pollution“ geht erneut in die Vollen und zählt in seiner Straightness zu meinen Favoriten. Das kraftvolle „Angels“ aus der Feder von Sascha Gerstner übernimmt mit fast schon symphonischen Metal-Hooks, weshalb ich heilfroh bin, dass die Herren Deris und Kiske ihre Stimme in die Höhe schrauben und nicht irgendeine knödelnde Lady, da ich in der weiblichen Variante regelmäßig mit einem Tinitus oder platzenden Trommelfellen rechne. „Rise Without Chains“ bringt erneut solides HELLOWEEN-Handwerk zu Gehör, was in gleichem Maße für das von Markus Grosskopf geschriebene „Indestructible“ gilt. Gleichzeitig ist die Nummer natürlich soundtechnisch und inhaltlich auch bestens als Bandhymne geeignet. Sieben Minuten feinster Speed-Metal stehen derweil dank „Robot King“ auf dem Programm und wer glaubt, dass von „Cyanide“ eine Verschnaufpause zu erwarten ist, sieht sich ganz schnell von den einläutenden Hooks getäuscht, denn auch hier werden keine Gefangenen gemacht. Nach so viel Speed wechseln die Jungs mithilfe von Weikis epischen „Down In The Dumps“ nahtlos in Power-Metal-Gefilde, während „Orbit“ eine instrumentale Interlude ist, die den geneigten Hörer aufs große Finale einstimmen möchte. „Skyfall“ heißt der finale Paukenschlag, der im April als erste Single veröffentlicht wurde. Kiske, Deris und Hansen duellieren sich hier geradezu an den Mikros und die Kollegen an den Instrumenten stehen dem Dreigestirn wahrlich in nichts nach.

Zwölf Minuten Zeit nehmen sich HELLOWEEN für das opulente „Skyfall“ und auch ein monumentales Video hat das Septett seinem musikalischen Aushängeschild gegönnt. Es ist der aufwändigste Clip der Bandgeschichte, für den Regisseur Martin Häusler auf 3D-Animationen und einen High-End-Spielfilm-Look gesetzt hat. An Technik wurde also nicht gespart, wohingegen die zwölf Lieder komplett analog eingespielt wurden. Die Drums übrigens auf der Original-Schießbude von Ingo Schwichtenberg, der bis 1993 die HELLOWEEN-Felle bearbeitet hatte, die Truppe jedoch aufgrund von psychischen Problemen verlassen musste und sich 1995 bedauerlicherweise das Leben nahm. Für den letzten Schliff waren Hausproduzent Charlie Bauerfeind und Co-Producer Dennis Ward zuständig. Beim Entstehen der Langrille waren nicht nur jede Menge handwerklichen Können und Spielfreude mit von der Partie, für alle Beteiligten war es auch ein sehr emotionaler Prozess, der sich ebenso im Artwork widerspiegeln sollte, weshalb nur ein handgemachtes Gemälde infrage kam, das die bedeutenden Themen der Bandhistorie wiedergibt. Geschaffen wurde es von dem Berliner Künstler Eliran Kantor. So ein Werk kommt halt nicht einfach als Stream oder Download daher, sondern zusätzlich als 2CD-Digibox, 1CD-Jewelcase, 2LP-2CD Earbook sowie als spezielles Deluxe-Boxset inklusive Earbook, HELLOWEEN-Wanduhr, Pins, Kette, Patch und dem Artwork als Kunstdruck. In Vinyl ist eine 2LP-Gatefold-Version in verschiedenen Farben und für die Sammler als streng limitiertes 3LP-Hologramm-Vinyl erhältlich. Eine Picture Disc gibt es ebenfalls. Somit sollte für jeden etwas dabei sein und das Fan-Herz dürfte nicht nur wegen der absolut gelungenen Mucke auf dem selbstbetitelten Album höherschlagen.

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