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HELLSONGS - Minor Misdemeanors

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Artist HELLSONGS
Title Minor Misdemeanors
Homepage HELLSONGS
Label TAPETE RECORDS
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Wo hört der Witz auf, wo fängt die Hommage an? Wenn es lustig sein soll, wie lange kann ein Witz lustig sein? Wenn es eine Hommage sein soll, wann sollte man sich auf eigene Stärken besinnen? All diese Fragen ließen die sympathischen Schweden von HELLSONGS einfach offen, als sie 2008 mit ihrem ersten Longplayer „Songs In The Key Of 666“ auf die Bühnen dieser Welt schlurften. Vom Langhaar-Metaller bis hin zum Indie-Fritzen: Die Mannen um Frontfrau und Teilzeit-Elfe Harriet Ohlsson verwandelten alte Metal-Klassiker zu Kleinoden ihrer sensiblen Musizierkunst und ließen dabei allenthalben gebrochene Herzen zurück.

Was beim ersten Mal also noch unerheblich erschien, wird jetzt auf „Minor Misdemeanors“ zum Problem. Der Drops ist gelutscht, das Konzept verankert, die Songauswahl schwieriger. Ein „Run To The Hills“ gibt es nur einmal, welche Hymnen bleiben da noch übrig?! Und das sind nur die kleineren Stolpersteine, denn das weitaus größere Problem ist das Fehlen von Madame Ohlsson, die anscheinend schnell bemerkt hat, dass das Konzept eine Künstler-Seele nicht auf ewig befriedigen kann. Eingesprungen ist Siri Bergnéhr, die schon vorher mittels Backing-Vocals zum Zuge kam. Aber wo vorher verzaubert wurde, wird jetzt einfach gesungen. Es fehlt das Mysteriöse, das lieblich-betörende in Bergnéhrs Darbietung. Und durch diesen Umstand kommt HELLSONGS das Besondere, der letzte Kick, abhanden. Keine Frage: Glockenhell gesungen, fehlerfrei intoniert, aber letztendlich zu glatt, kommen die neun neuen Neu-Interpretationen (mehr „Neu“ geht nicht!) aus den Lautsprechern gelounged. Der zehnte Titel will dann aber doch eine mögliche Zukunft aufzeigen, ist „Rubicon Crossings“ doch die erste Eigenkomposition der Lieder aus der Hölle. Und ja, gelungen ist die Nummer: skandinavischer Singer-Songwriter-Pop™, wie er dort eben zuhauf zelebriert wird. Aber natürlich will der geneigte HELLSONGS-Hörer dennoch wissen, welche Titel sich die drei dieses Mal zur schmalen Brust genommen haben:

Den Anfang macht SLAYERs „Skeletons Of Society“, aber seit “Raining Blood” in der Version von TORI AMOS, wissen wir ja, dass Kerry King eigentlich Balladen schreibt. Dennoch erinnert der Titel noch am ehesten an das Vorgänger-Album. Es folgen die unvermeidlichen IRON MAIDEN, auch wenn „Heaven Can Wait“ sicher nicht zu den ganz großen Nummern der britischen Metal-Recken gehört. Flutscht so durch, bleibt nicht großartig hängen. Bei „Welcome To The Jungle“ von den GUNNERS wurde die Transferleistung durch „Entschleunigung meets Westerngitarren“ erreicht. Ganz nett, dennoch hätte Harriet Ohlsson mehr aus der Bearbeitung gemacht, leider. Am gelungensten ist sicherlich „Walk“, das aus der Gitarren-Stakkato-Hymne PANTERAs, mal eben eine leicht groovende Siebziger-angehauchte Tanztee-Nummer macht. Hier schlägt sich Siri Bergnéhrs Stimme auch recht eigen und fügt sich gelungen in den Sound ein. Dann wird aus dem W.A.S.P. Achtziger-Kracher „I Wanna Be Somebody“ eine leicht klavierlastige, schunkelige Abhängnummer. Resümee: Es gibt nur einen Blackie Lawless. „School´s Out“ sollte schon bekannt sein, ist dies doch die erste Single vom Album. Die Akkorde wurden beibehalten, lediglich Bläser hinzugefügt. Klingt irgendwie zu sehr auf „Nummer sicher“, den Titel an sich kann man aber selbst als Cover eigentlich nicht mehr ertragen… Es folgen noch „Sin City“ von AC/DC, „Youth Gone Wild“ von SKID ROW und „United“ von JUDAS PRIEST (Nicht auszudenken wie dieser Titel noch auf dem Vorgänger geklungen hätte). Allesamt unauffällige Bearbeitungen, die nicht weiter aus dem HELLSONGS-Kosmos hervorstechen…

„Minor Misdemeanors“ ist sicherlich kein schlechtes Album, dies wahrlich nicht, aber leider zündet das Erlebnis nicht mehr so wie auf der „Lounge EP“ und „Songs In The Key Of 666“. Dabei ist es sicherlich bemerkenswert, dass die Schweden jetzt auf dem Hamburger Qualitäts-Label „Tapete“ agieren (woran die famosen Live-Auftritte in der Hansestadt sicherlich nicht unschuldig waren), aber auf Dauer sollte man sich über eine Neuausrichtung unter anderem Namen sicherlich Gedanken machen, oder HELLSONGS nur noch als Nebenprojekt betreiben…

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