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HELMET - Seeing Eye Dog (2-CD)

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Artist HELMET
Title Seeing Eye Dog (2-CD)
Homepage HELMET
Label WORK SONG/ ALIVE
Leserbewertung
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6.7/10 (3 Bewertungen)

Unumstößlicher Fakt der Musikgeschichte: „Meantime“ von HELMET gehört zu den zehn besten „harten“ Alben aller Zeiten. Ausrufezeichen. Damit erschufen die Mannen um Gitarrist, Sänger, Songschreiber Page Hamilton ein Magnum Opus der angepissten Musizierkunst. Jeder Song von diesem Album steht selbst heute noch wie ein Monument in der Brandung der trendbefeuerten Musikindustrie. Und solch ein Ergebnis war selbst nach dem gelungenen Erstling „Strap It On“ auf dem Wahnsinns-Label „Amphetamine Reptile Records“ so nicht zu erwarten gewesen. Wie sollte das Major-Label-Debut auch an Härte zulegen, schließlich bekamen die Mannen damals eine unerhörte Million Dollar Vorschuss, da musste doch weichgespülter Noise-Rock herauskommen… Stattdessen wurde „Meantime“ zum Inbegriff des „Thinking Mans“-Metal, unbändige Härte vereint mit jazzigen Songstrukturen und Geriffe am Limit des Metronoms. Zudem hat kaum ein Schlag auf die Snare jemals einen solch verwegenen Klang gehabt, bis heute unerreicht!

Der giftgelbe Nachfolger „Betty“ wurde ebenfalls zum Erfolg (auch wenn sich das Album nicht annähernd so gut verkaufte), HELMET begeisterten mit HOUSE OF PAIN auf dem Judgement Night-Soundtrack, um dann drei Jahre später, doch noch ein recht poppiges Album auf den Markt zu bringen: „Aftertaste“. War dieses Album noch als gelungen zu bezeichnen, erlosch der HELMETsche Kohleofen erst einmal. Seit 2004 ist Mr. Hamilton quasi HELMET in Personalunion und musiziert mit ständig wechselnden Mitgliedern (Selbst Frank Bello von ANTHRAX fand sich zeitweilig im Line-Up wieder) und hat seitdem zwei, mehr als durchwachsende, Alben veröffentlicht, die den alten Spirit in keinster Weise wieder einfangen konnten.

Nun also „Seeing Eye Dog“ auf dem Indie „Work Song“ und wieder einmal ist das Ergebnis durch und durch durchschnittlich… „So Long“ heiß der Opener, das Riff ist aufgewärmt, Page Hamilton klingt stellenweise wie ein halskranker Sanges-Imitator, missglückter Post-Rock, ein denkbar schlechter Anfang für einen Tonträger, auf dem der Name HELMET steht. Der Titeltrack bietet noch ein weiteres recyceltes Riff, klingt aber schon einmal runder. Dennoch bellt Hamilton überhaupt nicht mehr, der Gesang wirkt gequält. Hinzukommt, dass die Produktion zu weich geraten ist, weit und breit kein Punch, stattdessen ein recht warmer Sound, der stets auf dem gleichen Loudness-Level hängen bleibt. „Welcome To Algiers“ bietet ebenfalls alte HELMET-Trademarks, kommt aber schon beschwingter aus den Lautsprechern gehoppelt. Schön straight forward gehalten, unterstützt von treibenden Drums, kommt hier selbst Hamiltons melodischer Gesang gut zur Geltung. Sicherlich eines der wenigen Highlights auf dem Album. Unterstützt wird dieser gelungene Titel von „In Person“, das in die gleiche Kerbe schlägt. Wären doch nur ein paar mehr Exemplare dieser Songs auf „Seeing Eye Dog“ geraten, man hätte es gleich mit einer viel besseren Platte zu tun… „LA Water“ wiederum ist schluffiger Alternative-Post-Rock mit zuckrigem Streicher-Arrangement, also alles, nur kein typischer HELMET-Sound. Mit „Morphing“ zerfasert das Album völlig, handelt es sich hierbei doch um einen rein instrumentalen Track, der eher als Untermalung eines esoterischen Mystery-Thrillers geeignet wäre. Absolut unnötig. Genauso unnötig ist das BEATLES Cover „And Your Bird Can Sing“. Hier wird deutlich, dass Hamilton gewisse Gesangsstile einfach nicht beherrscht, irgendwie lahm und unrund quält sich das Cover aus den Lautsprechern. Auch „White City“ ist allenfalls als langweilig zu bezeichnen, das Riff uninspiriert, dafür rettet die gefällige Melodie den Titel vor der völligen Vergessenheit. „Miserable“ besteht quasi aus zwei Akkorden, zudem ist die Melodie von den Achtziger-Jahre-Helden A FLOCK OF SEAGULLS geklaut. Beendet wird der musikalische Gemischtwarenladen durch „She’s Lost“, das leider auch nur wenig zu fesseln vermag…

Man muss es einmal positiv betrachten, durch den Umstand das „Seeing Eye Dog“ auf den Markt kommt, wird Page Hamilton weiterhin die alten Kracher live darbieten, schließlich kann das neue Album als Alibi betrachtet werden, weiterhin auf Tour zu gehen. An die ersten vier Scheiben reicht aber auch der neueste Longplayer nicht im Geringsten heran, wenngleich SED sicherlich gelungener als die letzten beiden Veröffentlichungen ausgefallen ist. Zu zerfasert, zu wenig Biss, alles irgendwie gewollt, aber letztendlich nichts richtig hinbekommen. Schade. Wem dies alles nicht abschreckt, kann sich das Album als Limited Edition Deluxe mit USB Stick, oder als Super Deluxe inklusive Tourpass besorgen. Ein Live Album, welches 2006 mitgeschnitten wurde, liegt allen Versionen bei.

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